Posts tagged: Vielfalt

Typen-Frage

By , 20/01/2014 07:43

Hier nun mein zweiter “Tagebuch”-Eintrag in der “Reformierten Presse”:

Tagebuch 2 (3/2014)

(Erschienen in: “Reformierte Presse”, Nr. 3, 17.1.2014, S. 11; Autor: Reto Studer – Online-Textfassung hier)

Ton Steine Scherben, meta

By , 25/09/2011 16:41

Als wir – etwa 35 Studenten und Doktoranden unter der hochdotierten Leitung von vier Professoren (Konrad Schmid, Christoph Uehlinger, Jörg Frey und Thomas Krüger) – im Sommer im Rahmen eines Seminars zwei Wochen lang Jerusalem und Umgebung auskundschafteten, hauptsächlich mit historischer Perspektive, merkte ich: Das archäologische Tagesgeschäft ist meine Sache nicht. Ausgrabungsstätte um Ausgrabungsstätte haben wir besucht – doch trotz sympathisch-enthusiastischer Erläuterungen seitens der leitenden und begleitenden Fachleute wollte der Funke nicht so recht überspringen auf mich. Vielleicht war es aber auch einfach zu heiss, als dass der Unterschied noch spürbar gewesen wäre…

Jedenfalls: Dass die Ergebnisse archäologischer Forschung durchaus spannend sein können, habe ich in den letzten Tagen eindrücklich erfahren dürfen – beim Korrekturlesen der Masterarbeit eines guten Theologen- und Sowieso-Freundes. Zu nächtlicher Stunde in einer kühlen Wohnung gelesen, und dies mit der pflichtbewussten Aufmerksamkeit eines wohlwollend-pedantischen Korrektors, konnte die Arbeit im Nu mein Interesse für philistäische Scherben und ägyptische Reliefs wecken.

Klar: Die Biblische Archäologie wird voraussichtlich auch in Zukunft eine untergeordnete Rolle spielen in meinem theologischen Curriculum. Aber solange es Fachkollegen gibt, die derart anschaulich über archäologische Befunde schreiben, ist dies nicht weiter tragisch. Danke also, Manuel – und, ein wenig Egoismus schwingt hier zugegebenermassen mit, ein Hoch auf die Arbeitsteilung in unserer Disziplin!

O heilige Vielfalt!

By , 11/09/2011 19:05

Noch eine Woche – dann nimmt die vorlesungsfreie Zeit ein Ende. Bei mir beginnt das fünfte Semester des Theologiestudiums. Rückblickend stelle ich fest: Schneller sind zwei Jahre noch nie vorbeigegangen in meinem Leben! Es gab bisher keinen Grund für einen ungeduldigen Blick auf die Uhr: Theologie beschäftigt ganz gut. Und ich glaube, sie hält, geistig zumindest, einigermassen jung.

Der Blick in die Hörsaalreihen wird auch im neuen Semester wieder zeigen: Die Vielfalt unter den Studenten ist gross. Als ich noch Publizistik studierte, im Erststudium, musste ich feststellen, dass Sozialwissenschafter sich zwar gerne unkonventionell geben, genau darin bisweilen aber austauschbar sind; der grosse Reinhard Mey prägte hierfür den Begriff der “Nonkonformisten-Uniform”. Die Unterschiede jedenfalls, die Lebensentwürfe und Geisteshaltungen betreffen, scheinen mir unter den Theologiestudenten ein Vielfaches grösser. (Kein Grund für Selbstgerechtigkeit allerdings: Es gibt ja, Achtung: Euphemismus!, nicht nur “horizontale”, sondern auch “vertikale” Unterschiede!)

Die Vielfalt liegt sicher auch darin begründet, dass ein Grossteil der Theologiestudenten das sprichwörtliche “gerüttelt Mass” Lebens- und Berufserfahrung mitbringt: Zweitstudien und andere “Umwege” sind keine Seltenheit, so dass für manchen, der die Theologische Fakultät zum ersten Mal besucht, nicht auf den ersten Blick ersichtlich wird, wer die Bachelorarbeit noch vor sich – und wer die Habilitation längst hinter sich hat. Nicht nur, aber auch.

Diese Vielfalt gibt es auch in der theologischen Praxis, d.h. innerhalb der Pfarrschaft: kaum ein Zeitungsartikel über einen Pfarrer, in dem sich die (immer positiv gemeinte) Feststellung findet, dass das beschriebene Objekt “kein typischer Pfarrer” sei. “Der typische Pfarrer” ist ein Phantom.

Eindrücklich gezeigt hat sich mir dies ganz konkret im laufenden Jahr. Als Präsident der Pfarrwahlkommission in meiner Kirchgemeinde hatte ich, wie meine dreizehn Kolleginnen und Kollegen in der Kommission, mit zahlreichen Bewerbern zu tun. Sie alle hatten Theologie studiert – bis auf einen selbsternannten Prediger, der sich denn auch gleich zweimal mit demselben Schreiben an mich wandte -, sind ordiniert und interessierten sich für die offene Pfarrstelle am Ort. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. (Heute hat die Kirchgemeindeversammlung unseren Wahlvorschlag gutgeheissen.)

Die “heilige Vielfalt” unter uns Theologiestudenten und Jungtheologen macht die Ausbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer nicht einfach: Wir stehen alle an einem anderen Ort. Das Konkordat der Deutschschweizer Kantonalkirchen, welches die praktische Ausbildung, d.h. unsere Vorbereitung auf das Pfarramt, übernimmt, ist diesbezüglich sicher nicht zu beneiden. Aber mit etwas gutem Willen liessen sich sicher Modelle finden, welche die unterschiedlichen Erfahrungshorizonte von uns Studenten angemessen berücksichtigen – so viele sind wir ja nicht. Ob das Konkordat dies tut und inwiefern das Konkordat und die Zürcher Landeskirche sich für “ihre” Studenten interessieren und einsetzen – voraussichtlich im Herbstsemester 2012/13, wenn ich die landeskirchlich organisierte praktische Ausbildung aufnehme, werde ich dies erfahren.

Panorama Theme by Themocracy