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Offener Brief: Gegen Gewalt – in Herz und Mund und Händen

By , 18/05/2015 08:19

Liebe Kirche

Ich weiss, dass es dir nicht leicht fällt, Kritik entgegenzunehmen. Doch was sein muss, muss sein. Ich habe lange genug öffentlich geschwiegen zu dem, was mich mehr und mehr beschäftigt. Jetzt möchte ich gerne einmal wissen:

Das mit dem Eintreten für die Schwachen und das mit der Gewaltlosigkeit, die du dir so gerne auf die Fahne schreibst – ist es dir damit eigentlich ernst?

Weshalb ich das frage?

Schauen wir uns einmal, um ein Beispiel von vielen zu nennen, die ich im vergangenen Jahr nolens volens gesammelt habe, dein Tagungszentrum auf dem basellandschaftlichen Leuenberg genauer an. Dort oben steht eine Skulptur eines sich aufbäumenden, schreienden Esels – als eindrückliches Symbol für die nach Befreiung und Erlösung rufende Schöpfung, wie es in der Beschreibung heisst.

Dagegen gibt es nichts zu sagen.

Das Symbol ist aber eben auch und erst recht auf der Metaebene ein eindrückliches: dafür nämlich, dass du, liebe Kirche, in dieser Thematik Bekenntnisse abgibst, die am Ende doch nur Lippenbekenntnisse sind – weil schon deine Zähne und dein Gaumen nichts mehr davon wissen möchten.

Diese Esel-Skulptur wäre ja wirklich wunderbar, würde nicht zugleich im Speisesaal, neben dessen Eingang sie steht, Essen aufgetischt, das überhaupt erst dafür sorgt, dass die tierliche Schöpfung nach Befreiung und Erlösung rufen muss – und das zudem in hohem Masse mitschuldig ist an der Umweltzerstörung und am Hunger auf dieser Welt.

Und nein: Das ist keine “Glaubensfrage”, ist keine “Auslegungssache”. Das sind Fakten.

So sehr ich mich auch bemühe, liebe Kirche: Ich kann bei dir, was den Umgang mit der Schöpfung (nota bene: der einzigen Welt, die wir haben!) anbelangt, weder ein konsequentes Eintreten für die Schwachen noch einen ernsthaften Versuch der Gewaltlosigkeit erkennen. Nicht auf dem Leuenberg und in anderen deiner Bildungshäuser, nicht auf der Ebene der Landeskirchen, nicht in den Kirchgemeinden und auch kaum je bei uns Einzelnen zu Hause. (Und wir alle sind Kirche und haben es täglich neu in der Hand!)

Anders gesagt – noch einmal anhand realer Beispiele: Segensgottesdienste für Fifi, Miezi und Hansi sind zu wenig bzw. zutiefst karnistisch – das Lob der Schöpfung und die Kollekte für die Hungernden an Erntedank vertragen sich schlecht mit dem anschliessenden Auftischen von Wienerli – und die Armenküche, die Speisen aus tierlichen “Produkten” ausgibt, löst das Armutsproblem nicht, sondern verschiebt es einfach.

Ach, liebe Kirche: Ich könnte dazu noch so viel mehr schreiben!

Aber wozu soll ich dir einen langen Vortrag halten über das immense Leid aller Tiere, deren Körperteile, Eier (frohe Ostern!) oder Milch wir ganz ohne Not (!) konsumieren [1] – deren Haut, Pelz, Wolle oder Daunen wir tragen – über die feige Auslagerung des blutigen und z.T. giftigen “Handwerks” an Andere – und über die katastrophalen Folgen von alledem für Mensch und Umwelt?

Ich muss das nicht weiter ausführen. Das alles ist ja nicht neu, das alles weisst du, die du ja gerne selber denkst, schon lange.

Wenn dir aber nur etwas davon – die Tiere, die Menschen, die Umwelt [2] – am Herzen liegt, liebe Kirche: Dann gib dir einen Ruck und verhalte dich auch entsprechend. Biete von dir aus Veganes an, werde selbst vegan! [3]

So kannst du zeigen, dass es dir tatsächlich ernst ist mit dem Eintreten für die Schwachen und mit der Gewaltlosigkeit, die du dir so gerne auf die Fahne schreibst.

Kleiner Entscheid, grosse Wirkung!

Herzliche Grüsse,
Reto

[1] Und komm mir jetzt nicht mit Bio und Freiland!
[2] Auf den Aspekt der Gesundheit gehe ich hier nicht sein, da es mir in diesem Beitrag v.a. um ethische (d.h. um tier- und menschenrechtliche) Fragen geht. Mehr zu gesundheitlichen Fragen findest du z.B. hier und hier.
[3] Du würdest damit im Übrigen auch einer Empfehlung der UNO folgen.

Hinweis: Ich lebe seit gut einem Jahr vegan und folge damit, und auch mit mehr und mehr anderen Konsum-Entscheidungen, wieder meinem Gewissen. Vermissen tue ich nichts. Im Gegenteil! In der Kirche bin ich mit meiner Lebens-Haltung weitgehend allein. Aber ich bleibe dran – immer besser vernetzt und seit kurzem auch im Vorstand von AKUT.

Wer mehr über das Leben als Veganerin bzw. Veganer wissen möchte, Tipps braucht oder an einem Austausch interessiert ist, darf sich selbstverständlich jederzeit an mich wenden.

Kassensturz

By , 23/02/2015 15:34

Im Sommer geht es also ins Pfarramt. Bis dahin will noch manches “Amtliche” erstanden werden, wofür die Mittel zurzeit recht knapp sind. Mal sehen, wie ich das hinbekomme. Ich muss allerdings gestehen, dass ich es mir auch in dieser Trockenzeit nicht nehmen lasse, Geld für einen guten Zweck beiseite zu legen…

Konkret mache ich das so, dass ich jeden Zweifränkler, der in meine Hände gelangt, sofort abzweige. Und wenn das Kässeli dann einen runden Betrag aufweist, überweise ich den entsprechenden Geldwert an die ausgewählte Institution – und zahle das Münz auf mein Konto ein.

Klar: Das Geld könnte ich auch ohne vorherige Metallsammlung überweisen. Aber es ist halt befriedigender, vor einem Einzahlungs-Bancomat zu stehen und beobachten zu können, wie so viel Münz aufs Mal per Mini-Förderband eingezogen wird – und dann zwecks Gezählt-Werdens in die Tiefe rasselt. Direkteres Feedback kann ich mir gar nicht vorstellen!

Probieren Sie’s doch auch mal auf diese Weise. Macht Spass!

Ich merke jedenfalls, wie gross die Freude über jeden Wechselgeld-Zweifränkler ist, den ich bekomme, und wie gewissenhaft ich bin beim Sammeln. Das ist dann natürlich auch gut für den guten Zweck. Wenn das bedeutet, dass ich mir deshalb am Ende kein zweites Ersatzbeffchen kaufen kann, dann soll das halt so sein…

Übrigens: Ich nenne meine private Sammelaktion (annähernd) gutevangelisch “Gnadenbrot für alle” – und finanziere mit dem Rassel-Money Manna für eine tierische Rasselbande mit.

Schwein und Aber

By , 27/07/2014 17:32

Hier mein siebter “Tagebuch”-Eintrag in der “Reformierten Presse” (die neue Funktionsbezeichnung “Vikar und Blogger” habe ich mir auf Kredit geliehen – am 4.8. geht es los):

Tagebuch 7 (30.31-2014)

(Erschienen in: “Reformierte Presse”, Nr. 30/31, 25.7.2014, S. 11; Autor: Reto Studer)

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