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Das Nächste: Einmal Praxisluft schnuppern

By , 17/01/2012 08:44

Wer reformierte Theologie studiert und das Ziel hat (oder sich wenigstens die Möglichkeit offen lassen möchte), nach dem Studium ein Pfarramt in der Deutschschweiz anzutreten, durchläuft eine zweigleisige Ausbildung, die sich, vereinfacht dargestellt, auf die folgende Formel bringen lässt: “Theorie an der Universität, Praxis bei der Landeskirche”. Dies ist nicht zuletzt auf die vielgeforderte (aber längst nicht realisierte) Trennung von Kirche und Staat zurückzuführen – und wohl auch im Interesse der Kirche selbst: Wenn die Verantwortung für den pfarramtlichen Nachwuchs bei ihr selbst liegt, kann sie, wenn sie es gut macht, ihre Erfahrungen direkt in das Ausbildungssystem einfliessen lassen.

Die evangelisch-reformierten Landeskirchen der Deutschschweiz, mit Ausnahme Berns, arbeiten in punkto Aus- und Weiterbildung zusammen, in der Form eines Konkordats. Das kirchlich verantwortete Praxis-Programm, das hier jeder Theologiestudent, Kolleginnen sind mitgemeint, mit Ambitionen auf ein Pfarramt durchlaufen muss, sieht folgendermassen aus:

1. Er lässt sich von einem Mentor mit Pfarramts-Erfahrung durch das Studium begleiten.

2. Er führt vier Gespräche mit der sogenannten Kommission für entwicklungsorientierte Eignungsabklärung (kurz: KEA). Diese Gespräche finden zu relativ klar festgelegten Zeitpunkten statt: zu Beginn des Studiums, vor und nach dem Praxissemester (s. Punkt 3) sowie nach dem Vikariat (s. Punkt 4).

3. Er absolviert, gewöhnlich zwischen Bachelor- und Masterstudium, das sogenannte EPS. Das Kürzel steht für Ekklesiologisch-Praktisches Semester, was im übertragenen Sinne bedeutet: “einmal Praxisluft schnuppern”. Dieses praktische Semester findet, abseits bzw. anstelle der Uni, in einer Gemeinde nach Wahl statt und beinhaltet mehrwöchige Einsätze in den vier Bereichen Kirchgemeinde, Diakonie, Wirtschaft und Schule. Dazwischen gibt es immer wieder Ausbildungselemente, zu denen sämtliche Praktikanten des Konkordats zusammengezogen werden.

4. Er absolviert nach dem universitären Master-Abschluss, d.h. als “fertiger” Theologe (ein Widerspruch in sich, ich weiss), ein Vikariat in einer Kirchgemeinde: ein Praxisjahr, das grundsätzliche sämtliche Aufgaben beinhaltet, die auf einen Pfarrer zukommen – vergleichbar mit dem Praxisjahr, das bei den Juristen Bedingung für die Zulassung zur Anwaltsprüfung ist. Auch dieser Einsatz wird durch Ausbildungskurse unterbrochen. Ist das Vikariat erfolgreich beendet, kann der Theologe ordiniert werden. Danach erfüllt er sämtliche Voraussetzungen, um sich ins Pfarramt wählen zu lassen.

Weshalb ich all dies erwähne? Nun, nachdem bei mir Punkt 1 erfüllt und Punkt 2 im Tun ist, werde ich in Bälde, im Herbstsemester 2012/13, die dritte Stufe des Pfarramt-Shuttles zünden. Die Anmeldung für das Praxissemester ist angenommen, das Vorgespräch beim Konkordat habe ich gestern hinter mich gebracht – im August geht es los. Wo, steht noch nicht fest. [1]

Selbstverständlich werde ich ab Spätsommer über meine Erfahrungen berichten.

[1] Nachtrag vom 8.2.2012: Ich habe eine sehr interessante EPS-Gemeinde gefunden. Mehr dazu, wenn es losgeht.

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