Posts tagged: Headhunting

Quereinstieg

By , 19/02/2014 18:00

Seit einigen Monaten bin ich, kurz vor dem Studienabschluss stehend, offener für Stellenangebote als auch schon, und so freue ich mich immer, wenn ich für Stellen – auch ausserhalb der Kirche – angefragt werde. So geschehen gestern wieder, als mich über mein LinkedIn-Profil eine entsprechende Nachricht erreichte.

Doch was sollte ich mit der freundlichen, aber fehlgeleiteten Anfrage eines Hädhöntrs anfangen, ob ich wohl an einer Anstellung als “Oracle DBA” interessiert sei? Ich musste ja als Erstes die Bedeutung der Abkürzung ergooglen

Doch nun, da ich fündig wurde, habe ich den Eindruck, die Anfrage sei, zumindest auf den zweiten Denk, gar nicht so daneben: Bin denn nicht auch ich ein Oracle. Database. Administrator?

Rück und vor

By , 16/04/2013 10:07

Mit gewissen Dingen “ist es dann auch mal gut”. Dazu gehört auch der Hinweis auf meinen erstberuflichen Hintergrund. Anderseits: Wenn die Rubrik der Gemeindebeilage meiner ehemaligen Praktikumsgemeinde Zollikon zum “reformiert”, in der ich mich verewigen soll, schon “Umwege” heisst, dann bietet es sich halt doch an, im Text – einzige Vorgabe: plus/minus 1500 Zeichen – auf diese meine Vergangenheit einzugehen.

Hier nun meine Fingerübung, die in der “refo”-Nummer 6/2013 (vom 8.3.2013) erschien:

Rückwärts verstehen

Von dem dänischen Philosophen und Theologen Søren Kierkegaard ist der Satz überliefert, dass man vorwärts leben müsse, das Leben aber erst rückwärts verstehen könne. Eine, wie ich finde, zutreffende Beobachtung – auch auf meinen eigenen Werdegang bezogen:

Wenn ich mein bisheriges Leben etwas prosaisch als eine Reihe von eigenen Entscheidungen und deren Folgen anschaue, so kann ich sagen: Ich lebe vorwärts. Nach dem Studium der Publizistikwissenschaften und des Staatsrechts habe ich drei Jahre lang in der Managementberatung gearbeitet – zunächst übrigens in Zollikon. Danach habe ich mich entschieden, ein Theologiestudium anzuhängen und mich zum Pfarrer auszubilden.

Sollte ich dereinst tatsächlich ein Pfarramt antreten, so wäre dies also auf einem grösseren Umweg geschehen – genauso, wie ich interessanterweise auf einem Umweg nach Zollikon zurückgekehrt bin: wenigstens vorübergehend, für ein kirchliches Praktikum im vergangenen Semester.

Vorwärts lebend, nach vorne blickend, könnte ich nun sagen: Ich habe mein altes Leben hinter mir gelassen. Weshalb also “musste” ich überhaupt in der Wirtschaft arbeiten? Warum um Himmels willen nahm ich nicht den direkten Weg?

Aber ich verstehe rückwärts: Wenn ich zurückschaue, sehe ich, dass ich von den Erfahrungen, die ich in jenen drei intensiven Jahren machen durfte, auch heute noch profitiere und auch in Zukunft noch profitieren werde. Vom Studium direkt ins Pfarramt? Als reiner Studiosus in eine Gemeinde voller Lebenserfahrung? Nein – auf meine Kenntnis der freien Wildbahn kann und will ich nicht verzichten!

Nachdem die Erfahrung in der “freien Wildbahn” nun aber schon länger zurückliegt, als sie dauerte, will ich, dies sei abschliessend angemerkt, vorerst aufhören, rückwärts zu verstehen und mich stattdessen auf das Vorwärts-Leben konzentrieren – und nach einer dem Verfassen zweier Uni-Essays förderlichen Schreibpause auch endlich wieder darüber berichten. Versprochen!

Personal-Wesen

By , 04/11/2012 17:26

Ich würde ja gerne einfach studieren und etwas Geld verdienen daneben. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist mein Beruf – und deshalb habe ich das Personalwesen vor dreieinhalb Jahren ja hinter mir gelassen.

Und jetzt?

Jetzt stehen zunächst einmal zwei Tage an, die gut ausgefüllt sind mit Probevorlesungen von Bewerbern auf den Zürcher Lehrstuhl für Systematische Theologie. Diese Vorlesungen und die jeweils daran anschliessenden Gespräche werde ich als Studentenvertreter begleiten und am Dienstagabend in der Fakultätsversammlung mitbewerten. (Genau: Nicht nur in den USA wird in der Nacht auf Mittwoch gewählt!)

Und dann: zurück zum studentischen Kerngeschäft, konkret: der ausstehenden Seminararbeit? Nein:

Schon am Mittwoch geht es weiter in der eingeschlagenen Richtung, mit Bewerbungsgesprächen in meiner Kirchgemeinde: Wir suchen eine Hauswartin, einen Hauswart für unser Oekumenisches Zentrum.

Und weil aller guten Dinge drei sind, besuche ich am Freitag mit der Klasse den Lehrlingswettbewerb

Es scheint zu gelten: einmal Personalwesen, immer Personal-Wesen.

Aber es ist und bleibt halt auch einfach, und deshalb melde ich mich auch weiterhin gerne für Aufgaben in diesem Bereich, ein interessantes Metier!

In eigener Sache: “Reformierte Presse” berichtet

By , 16/12/2011 09:09

Die Wochenzeitung “Reformierte Presse” stellt in ihrer Rubrik “Wendepunkt” wöchentlich eine Person aus dem theologischen oder kirchlichen Bereich vor. In der aktuellen, heute erschienenen Ausgabe (Nr. 50, 16.12.2011) befindet sich nun ein Portrait über mich. Den Text, verfasst von Herbert Pachmann, finden Sie auf der Rückseite der Zeitung – und, dank freundlicher Genehmigung durch den Verlag, auch hier:

Unterschiedliche Rollen als Herausforderung

Reto Studer aus Wolfhausen ZH ist auf Umwegen zum Theologiestudenten geworden

Bei gewichtigen Entscheiden habe ich bislang immer meinem Bauchgefühl vertraut. Damit bin ich ganz gut gefahren. Dies war schon so, als ich nach meinem Studienabschluss in Publizistik und Staatsrecht eine Stelle im Headhunting antrat. Drei Jahre lang war ich in diesem Bereich tätig. Das konzeptionelle Arbeiten in einem anspruchsvollen Umfeld, aber auch die anregenden Gespräche mit den Kandidaten habe ich sehr geschätzt. Es hätte gut so weitergehen können. Auf der anderen Seite wurden mehr und mehr auch Glaubensfragen in mir laut, denen ich unbedingt intensiver nachgehen wollte. Kirchlich eher lau sozialisiert, überlegte ich mir jetzt, ein Theologiestudium anzuhängen.

Mit 28 gab ich mir ein Jahr Bedenkzeit. Ich arbeitete weiter, belegte daneben aber den Hebräischkurs, den auch die Theologiestudenten zu besuchen haben. So konnte ich mir ein Bild vom Studium machen, ohne mich vorschnell für eine Zäsur zu entscheiden. Auf den Bauch hören heisst ja nicht, den Verstand auszuschalten.

2009 habe ich mich dann für das Theologiestudium eingeschrieben. Bereut habe ich das nie, auch wenn mein Lebensstil nun wieder ein anderer ist. Das Privileg, noch einmal studieren zu dürfen, wiegt das locker auf. Um meinen Unterhalt zu finanzieren, unterrichte ich an der Oberstufe, zudem bin ich Tutor an der Fakultät. Dank eines Darlehens der Eltern komme ich dann über die Runden.

Die Uni gibt mir ein solides theologisches Fundament. Daneben suche ich aber auch die kirchliche Erfahrung: Ich bin in Bubikon, passend zu meiner beruflichen Vergangenheit, Personalverantwortlicher der Kirchenpflege. Wenn es die Zeit zulässt, helfe ich auch gerne als Lektor oder im Unti aus. Theologie ohne Kirche oder Kirche ohne Theologie – das kann ich mir für mich nicht vorstellen. Mit Themen aus diesen Bereichen beschäftige ich mich auch in einem kleinen Blog (www.retostuder.ch). Das Schreiben zwingt mich, meine Ideen und Argumente besser zu durchdenken. Aber ich hoffe natürlich auch, dass die Texte gelesen werden.

Manchmal werde ich gefragt, wie ich alle diese Aktivitäten unter einen Hut bringe. Ich bin sicher gut strukturiert. Vor allem aber trenne ich Berufliches und Privates kaum: Wenn mich etwas interessiert, engagiere ich mich dort eben auch. So sind die Grenzen zwischen Pflicht und Musse fliessend. Ausserdem kann ich beim Musikhören bestens auftanken.

Die eigentliche Herausforderung ist eher das Wechseln zwischen den verschiedenen Rollen: Student, Vorgesetzter als Kirchenpfleger, Lehrer von Jugendlichen, Kommunikator beim Bloggen. Meistens klappt das ganz gut. Das Engagement an verschiedenen Orten ist sicher keine schlechte Vorbereitung auf eine Arbeit im kirchlichen Bereich, beispielsweise auf das Pfarramt. Die Praktika im nächsten Jahr werden zeigen, ob das Pfarrersein in Frage kommen kann.

(Erschienen in: “Reformierte Presse”, Nr. 50, 16.12.2011, S. 16; Autor: Herbert Pachmann)

Panorama Theme by Themocracy