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Kirchenvorbote

By , 10/12/2011 18:51

Die Wege des Herrn sind unergründlich, sagt man – und es stimmt. Denn: Auch wenn ich mich schon seit jeher mit existenziellen Fragen befasse und als Heranwachsender im Ten Sing meiner damaligen Wohngemeinde aktiv war, die intensive Auseinandersetzung mit Glaubensfragen kam erst ungefähr 2004 auf (das wäre auch einmal ein interessantes Thema). Mir ist aber kürzlich eingefallen, dass ich bereits zwei Jahre zuvor, im Herbstsemester 2002/03, in einem Proseminar meines zweiten Nebenfachs Geschichte, das sich den 1968er Unruhen widmete, die entsprechende Berichterstattung im “Kirchenboten” (heute: “reformiert”) der Jahrgänge 1968 und 1969 untersucht hatte. Was mich, einen mehr oder weniger aus der Kirche hinauskonfirmierten Studenten der Publizistikwissenschaften, zur Wahl dieses Quellenmaterials bewogen hat? Ich weiss es nicht. Gewiss, wegen meines Hauptfachs dürfte ich geschaut haben, dass ich auch in den Nebenfächern “etwas mit Medien machen” konnte. Aber weshalb habe ich hierfür ausgerechnet ein Kirchenblatt ausgewählt? Keine Ahnung. Im Nachhinein kann ich dies nur als leisen Vorboten und stillen Advent dessen werten, was mich heute explizit, im Wieder-Studium, privat und im Ehrenamt, beschäftigt.

Einen ebenso stillen, aber gewissen dritten Advent wünsche ich allen Leserinnen und Lesern!

Die Proseminararbeit förderte übrigens – wer hätte etwas Anderes erwartet? – keine bahnbrechenden Erkenntnisse zutage. Nach der Darstellung und Auswertung des Quellenmaterials kam ich auf der letzten Seite zu folgendem Fazit (hier nur auszugsweise wiedergegeben): “Die Berichterstattung in den untersuchten Ausgaben des ‘Kirchenboten’ über die Studentenunruhen umfasste lediglich zwei längere Artikel. Allerdings handelt es sich bei einem der Texte um eine früh angekündigte und stark ins Zentrum gestellte Titelgeschichte, die sich intensiv mit dem Phänomen der 68er Bewegung auseinandersetzte. Dabei hatte vor allem der damalige Stadtpräsident von Zürich, Sigmund Widmer, die Gelegenheit, sich zu den Vorfällen im Frühling und Sommer des Jahres 1968 zu äussern. Auch wurden auf einer ganzen Seite Leserbriefe zum Thema abgedruckt, wobei viele verschiedene Meinungen berücksichtigt wurden. Die Redaktion des ‘Kirchenboten’ äusserte sich nicht namentlich, sondern stellte ihre Zeitung gewissermassen als Forum zur Verfügung.”

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