Posts tagged: Advent

Die Tannen freuen sich

By , 24/12/2013 13:14

Wie letztes Jahr war ich auch in diesem End-November daran beteiligt, die grosse Tanne in meinem alten Wohnquartier in einem nachbarschaftlichen Effort zu schmücken. Kalt und nass war es dieses Mal. Aber ich finde, das Schlottern im Friesennerz hat sich wieder gelohnt:

Leuchtfeuer

(Bild: M. Studer)

Damit wünsche ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, einen frohen Heiligabend und ebenso frohe Weihnachten! [1]

Bei mir stehen zwei Familienfeiern an – und danach ein paar ruhige Stunden zum Nachdenken: über das ausgehende Jahr und über das neue. Und konkret auch: über das Thema meiner Masterarbeit.

[1] Beim Titel dieses Beitrags handelt es sich um ein Zitat aus einem von mehreren Weihnachtsliedern Jochen Kleppers: “Weihnachtslied im Kriege”. Und das Lied wiederum zitiert aus Jes 14,7f., wo gemäss der Zürcher Übersetzung allerdings nicht von Tannen, sondern von Wacholderbäumen die Rede ist (bei Luther: Zypressen). Aber – hey…

Sein als Schein

By , 24/12/2012 07:00

Über das nachbarschaftliche, gartenübergreifende Baumschmücken in meiner Dübendorfschen Heimat habe ich bereits berichtet. Auch dem “Glattaler” war es in seiner Ausgabe vom 14.12.2012 eine kurze Meldung bzw. ein Foto wert.

Das beste Bild aber hat mein Vater geschossen – im Hoch- und Tiefschnee des 8. Dezembers:

Christbaum

(Bild [gänzlich unbearbeitet]: M. Studer)

Damit wünsche ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, ein frohes Weihnachtsfest!

Bei mir stehen zwei Familienfeiern an (ich habe ja früh genug geübt mit Zupfen), die Mithilfe bei einem Gottesdienst in meiner Praktikumsgemeinde – und ein paar ruhige Stunden zum Nachdenken über meine erste Predigt…

Schein als Sein

By , 25/11/2012 15:07

Im Wohnquartier meiner Kindheit ist vor etwa vier Jahren ein Paar in eines der alten Einfamilienwürfelchen eingezogen. Ob die beiden Neuen wollten oder nicht: Für zwei, drei alteingesessene Nachbarsfamilien stand fest, dass die grosse Tanne in ihrem Garten, schön exponiert an der Strasse gelegen, auch fortan, unter den neuen Besitzern, alljährlich mit elektrischen Kerzen für die Adventszeit gepimpt werden sollte.

Und so legten sämtliche Interessierten, selbstverständlich in Absprache mit den Neuen (welche für all die Alteingesessenen wahrscheinlich noch Jahrzehnte lang “die Neuen” sein werden), Geld zusammen für die Kerzen und mieten auch gemeinsam das Liftfahrzeug, welches für das Schmücken bzw. Entschmücken des Baumes mittlerweile notwendig ist. Endnovember für Endnovember wird seither in nachbarschaftlicher Gemeinschaftsarbeit die Tanne bekerzt.

Von diesem Happening, an dem auch meine Eltern beteiligt sind und das mit einem gemeinsamen Wienerli-Essen endet, hatte ich schon viel gehört, gestern nun war ich dabei. Schon eindrücklich: gut zehn Meter Baum, sechzehn Lichterketten à zwanzig Lämpchen, vier Stunden Arbeit (zwei Männer im Liftkorb, zwei unten, die Frauen schnatternd daneben) – und der Baum, der schon immer dort gestanden hatte, “stand”.

Dabei hatte ich, “unten”, zur Bereitstellung der Ketten für die Dekorateure, eingeteilt, ein schönes Déjà-vu: Liess der Nachbarsjunge früher an einem Stück Schnur alte Spielzeugautos und dergleichen aus seinem im ersten Stock gelegenen Kinderzimmer herunter (als Geschenk für uns Kleineren), so nahm ich von ihm, der vor einigen Jahren als Familienvater in sein ehemaliges Elternhaus zurückgekehrt ist und als Schmückender oben im Lift stand, jetzt die herunterbaumelnden Netzstecker-Enden all der Ketten entgegen, die er zuvor, Kerze für Kerze, an die Äste angeknipst hatte.

Der Baum ist also geschmückt, der Sentimentalitätsmodus eingeschaltet – meinetwegen kann der Advent in seiner immer wieder einmal auch säkularen Besinnlichkeit adveniren!

Bruder Huldvoll zwischen den Gräben – zu Heiligabend/Weihnachten

By , 24/12/2011 00:27

Die Geschichte hinter der Entstehung des ursprünglich für Gitarrebegleitung komponierten Weihnachtsliedes “Stille Nacht” im Jahre 1818 ist faszinierend. Mehr dazu gibt es, extern, hier. Ebenso eindrücklich ist aber seine Wirkungsgeschichteeine Wirkungs-Geschichte ganz besonders.

Das Ereignis des Weihnachtsfriedens von 1914, auf das ich anspiele, ist wohl hinlänglich bekannt. Es kann aber wieder und wieder erzählt werden, ohne dass es an Faszination einbüsst. Ich jedenfalls kann mich daran nicht satt denken.

Der ehemalige “Stern”-Chefredaktor Michael Jürgs hat vor einigen Jahren zu diesem als “kleinen Frieden im Grossen Krieg” apostrophierten Weihnachtswunder ein Buch desselben Titels verfasst, das gleichsam eine O-Ton-Collage aus Feldpost-Berichten und Tagebuch-Einträgen von der Front sowie aus späteren Erinnerungen der Beteiligten ist. Ein Auszug daraus:

“Von jener Begeisterung, in der im August 1914 die Völker Europas wie besoffen in den Krieg zogen, ist nach insgesamt bereits einer Million Toter im Dezember 1914 nichts mehr geblieben. Im Blut ertrunken. Kein Wunder, dass eines an Weihnachten geschieht. […]

Anfangs ist es nur einer, der Stille Nacht, heilige Nacht vor sich hin singt. Leise klingt die Weise von Christi Geburt, verloren schwebt sie in der toten Landschaft Flanderns. Doch dann brandet Gesang wie eine Welle übers Feld, ‘um Schulterwehr und Schulterwehr und von der ganzen langen dunklen Linie der Schützengräben klang es empor: Schlafe in himmlischer Ruh’. Diesseits des Feldes, hundert Meter entfernt, in den Stellungen der Briten, bleibt es ruhig. Die deutschen Soldaten aber sind in Stimmung, Lied um Lied ertönt ein Konzert aus ‘Tausenden von Männerkehlen rechts und links’, bis denen nach Es ist ein Ros entsprungen die Luft ausgeht. Als der letzte Ton verklungen ist, warten die drüben noch eine Minute, dann beginnen sie zu klatschen und ‘Good, old Fritz’ zu rufen, und: ‘Encore, encore’, ‘more, more’. Zugabe, Zugabe.

Die derart hoch gelobten Fritzens antworten mit ‘Merry Christmas, Englishmen’ und ‘We not shoot, you not shoot’, und was sie da rufen, das meinen sie ernst. Sie stellen auf den Spitzen ihrer Brustwehren, die fast einen Meter über den Rand der Gräben ragen, Kerzen auf und zünden sie an. Bald flackern die, aufgereihten Perlen gleich, durch die Finsternis. Wie das Rampenlicht eines Theaters habe es ausgesehen, wird ein englischer Soldat seinen Eltern schreiben, ‘like the footlights of a theatre’.

Die Bühne für die Inszenierung ist damit ausgeleuchtet, die Generalprobe für ein Stück gelungen, das an den nächsten Tagen an der Westfront gegeben wird. Hier und dort und überall von der Nordsee bis zur Schweizer Grenze. Der Intendant oben in seiner Loge hatte für Flandern beste äussere Bedingungen geschaffen. Nach Einbruch der Dunkelheit an diesem 24. Dezember 1914 – und dunkel ist es bereits gegen sechzehn Uhr – verzog sich der Wind. Klarer Sternenhimmel ‘grüsste uns von der Wohnung des Allmächtigen herab’, und der Vollmond ‘verlieh der weiten, schönen flandrischen Rembrandtlandschaft durch sein mildes Licht das Gepräge wohltuenden Friedens’.

Beides hilft jetzt, Mond und Kerzen. Jede verdächtige Bewegung im Niemandsland wäre sichtbar. Ehre sei Gott in der Höhe, Friede den Menschen auf Erden, verkündet das Evangelium für diesen Tag. Aber in offenbar gewordener Abwesenheit eines Höheren auf Erden beschliessen Deutsche und Briten spontan, Franzosen und Belgier zögernd, an Weihnachten, ohne auf Gottes Segen zu warten, nicht aufeinander zu schiessen.”

(Aus: Jürgs, Michael: Der kleine Frieden im Grossen Krieg, Goldmann, München 2005, S. 77/7f.)

Ob Gott tatsächlich abwesend war in jenem Krieg, den wir heute als den Ersten Weltweiten kennen? Ob er sich wirklich einen Teufel geschert hat um das Menschengeschlecht? Die Soldaten in den Schützengräben, die noch wenige Monate zuvor für Gott und Vaterland in den Krieg gezogen waren, müssen jedenfalls mehr und mehr so empfunden haben. Umso wundervoller, ja: Wunder-voller, dass in Form der spontanen Verbrüderung, die an einigen Frontabschnitten mehrere Tage andauerte, die Weihnachtsbotschaft direkt und punktgenau in die kalte Wirklichkeit einbrach – als Waffenruhe und gemeinsames Begraben der Toten, beim Austausch von Geschenkspaketen aus der Heimat, bei improvisierten Fussballspielen im Niemandsland zwischen den Gräben der Einen und den Gräben der Anderen…

An wohl kaum einem anderen Ort findet sich das Weihnachtsereignis aus dieser Sicht besser umschrieben als in der (nicht im evangelisch-reformierten Gesangbuch enthaltenen) vierten Strophe von, ausgerechnet!, “Stille Nacht” selbst, beinahe hundert Jahre vorher im österreichischen Oberndorf uraufgeführt – und offenbar einer von vielen kleinen Katalysatoren für den Zwischenfrieden:

Stille Nacht! Heil’ge Nacht!
Wo sich heut’ alle Macht
Väterlicher Liebe ergoss
Und als Bruder Huldvoll umschloss
Jesus die Völker der Welt!
Jesus die Völker der Welt!

(Aus: “Stille Nacht”, Text: Joseph Mohr, Musik: Franz Xaver Gruber)

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern frohe, friedliche Weihnachtstage und ein paar geruhsame Momente zum Ausklang dieses Jahres.

Rau und “Kaisers” – zum (neuen) Freiwilligenjahr

By , 04/12/2011 14:36

Als die deutsche Fussballnationalmannschaft vor einundzwanzig Jahren, 1990, im WM-Halbfinal gegen England antreten musste, war für mich, einen naiven, ziemlich vorurteilslosen, gerade zehn Jahre alt gewordenen Freizeitkicker, der Fall klar: “Man” unterstützt seinen Nachbarn! Dies war der Beginn meines grossen Interesses für den Fussball des “grossen Bruders” – das später auf andere Bereiche, insbesondere auf mein Politikinteresse und meinen Musikgeschmack, abfärbte. [1]

Meine Faszination für das Tun und Lassen Deutschlands gestern und heute ist also seit fast jeher gross und hat bis heute nicht nachgelassen. Entsprechend viele Bücher über die deutsche Nachkriegsgeschichte haben mich vor einem Monat auch in die neue Wohnung begleitet. Zum Beispiel das, zugegeben, unverfängliche Interviewbuch “Weil der Mensch ein Mensch ist… – Johannes Rau im Gespräch mit Evelyn Roll”, erschienen 2004, in dem der damals gerade erst abgetretene achte deutsche Bundespräsident (1999-2004) entspannt und bisweilen herrlich anekdotisch Bilanz zog über sein Leben in und ausserhalb der Politik. Diese Woche ist es mir wieder in die Hände gefallen. Eine kleine, feine Geschichte daraus:

Roll: Wer Ihnen persönlich schreibt, hat Chancen, auch eine persönliche Antwort zu bekommen?

Rau: Ja.

Roll: Sie haben erzählt, dass Ihr Vater Ihnen einmal eine Autogrammkarte vom Papst geschickt hat. Als Junge schon sollen Sie ausserdem mit Kaiser Wilhelm korrespondiert haben…

Rau: Ja, aber da habe ich nicht vom Kaiser, sondern von der Kaiserin Hermine Antwort bekommen. (…) Nach zwei, vielleicht drei Monaten kam ein Brief, der mir unvergesslich ist. Einmal, weil es der erste Freistempler war, den ich sah, der erste Brief, der keine Briefmarke hatte. Und dann, weil in dem Brief ein Bild des Kaisers mit seiner Unterschrift war. Auf der Rückseite dieses Bilders stand in einer mir unvergesslichen Schreibmaschinenschrift: Lieber Johannes, Seine Majestät hat sich über Deinen Brief vom Soundsovielten sehr gefreut und hofft, dass Du Deine Schularbeiten stets zur vollsten Zufriedenheit Deiner Eltern anfertigst. – Und dann noch ein paar Sätze, mit freundlichen Grüssen Hermine. Die Unterschrift sehe ich noch vor mir. Und das hat mich so geärgert, dass auch diesen Kaisers nichts anderes einfiel im ersten Satz als meine Schularbeiten.”

(Aus: Rau, Johannes/Roll, Evelyn: Weil der Mensch ein Mensch ist…, Rowohlt, Berlin 2004, S. 134f.)

Der vielbeschäftigte Homo Politicus und Privatmann Johannes Rau, übrigens zweifacher Ehrendoktor der Theologie, zog seine Lehren daraus – und machte es besser. Dies durfte ich selbst erfahren: Nachdem ich ihm Ende Juni 2004 einen Brief zu seinem Ausscheiden aus dem Amt des Bundespräsidenten geschrieben und darin, eher beiläufig, angetönt hatte, dass ich mich in Zukunft gerne ehrenamtlich engagieren werde, vielleicht in der Politik, vielleicht ausserhalb, kam seine, erstaunlich persönlich gehaltene, Antwort im wahrsten Sinne postwendend (der Stempel nennt als Aufgabedatum den 11.8.2004): ein freudiger Dank und ein paar motivierende Worte in punkto Freiwilligenarbeit – tatsächlich und erfreulicherweise ganz ohne paternalistische Hinweise zu Proseminararbeiten und dergleichen… Ich halte den Brief in Ehren.

Und damit sind wir, endlich, beim Thema: In vier Wochen, Ende dieses Monats, geht das Europäische Freiwilligenjahr 2011, das durchwegs eine schöne Geste ist, zu Ende. Gleichzeitig beginnt einen Tag darauf, nahtlos anschliessend, ein weiteres Jahr, in dem wir, als Individuen, Staat, Gesellschaft, ganz besonders als kirchliche Gemeinwesen, ohne Freiwilligenarbeit einpacken könnten. [2] Deshalb gilt in Wahrheit: “Freiwilligenjahr”? Ist immer – auch 2012.

Ich wünsche allen, die sich ehrenamtlich und mit viel Engagement für eine ihnen wichtige Sache einsetzen, häufig im Verborgenen, aber nicht minder effektiv, auch in Zukunft viel Freude, gutes Gelingen – und, offizielles Lobesjahr hin oder her, immer wieder einmal ein kleines Zeichen des Dankes.

Einen frohen zweiten Advent!

[1] Dass “man” als Schweizer eher keine Sympathien für Deutschland hegt, erfuhr ich spätestens zwei Jahre später, 1992, durch die lautstarke Schadenfreude derer, die sich über die EM-Finalniederlage Deutschlands gegen Dänemark mokierten. Dieses 0:2 war offenbar nur für mich ein (zwischenzeitlicher) Weltuntergang.
[2] Wobei uns nicht einmal beim Einpacken geholfen würde!

So fern, so nah – zum Adventsbeginn

By , 27/11/2011 00:05

Am vergangenen Montag strahlte die ARD eine herausragende Fernseh-Dokumentation aus: “So nah am Tod – Afghanistan im zehnten Kriegsjahr”, realisiert von Ashwin Raman. Der Film hat mich tief beeindruckt. Auf Polemik und Wertungen verzichtend, beschränkt er sich darauf, Fragen aufzuwerfen – Fragen, die er, was selten geworden ist: den Zuschauer, mich, ernst nehmend, nicht beantwortet. Das ist brutal und verstörend und liess mich um 23.30 Uhr nicht mehr so leicht in den Schlaf sinken. Recht so.

Sehr zu empfehlen ist in diesem Zusammenhang das Buch “Feldpost – Briefe deutscher Soldaten aus Afghanistan”. Gegen den Widerstand der Bundeswehr-Führung hat die “Süddeutsche Zeitung” es im vergangenen Jahr gewagt, in einer Ausgabe ihres wochenendlichen “SZ-Magazins” Briefe, E-Mails und SMS in Afghanistan stationierter Bundeswehr-Angehöriger abzudrucken; das Buch, 2011 erschienen, ist eine Zusammenstellung dieser weitgehend trivialen und gerade deshalb urmenschlichen Texte. Auch hier bleibt die Einordnung dem Einzelnen überlassen. Die Herausgeber klammern die Frage nach dem politischen Sinn des Militäreinsatzes explizit aus; es geht ihnen, das zeigen die ausgewählten Texte eindrücklich, einzig und allein um die individuelle Dimension des Krieges für die Dienstleistenden der deutschen Armee, die fernab ihrer Heimat überleben müssen. (Für den “Magazin”-Beitrag, der übrigens online verfügbar ist, erhielten die Verantwortlichen einen Henri-Nannen-Preis. “Eine ferne Front ist plötzlich ganz nah” – so schloss die Begründung der Jury. Ich schliesse mich dem an.)

Passend zum heutigen 1. Advent, dem Beginn der Vorweihnachtszeit, zitiere ich aus dreien der Feldpost-Briefe, die sich um Advent und Weihnachten drehen:

“Am Flughafen von Masar-i-Scharif begrüsst uns im Wartebereich der erste Weihnachtsbaum in diesem Jahr. Im Wartezelt läuft im Fernsehen gerade ‘Der perfekte Urlaub’. Es ist schon komisch, da zu sitzen und anderen Leuten beim Urlaub auf Ibiza zuzusehen, während sich Bulgaren, Schweden und Amerikaner über die Vorzüge und Nachteile ihrer Waffen austauschen.”

“Am weihnachtlichsten war es vermutlich heute früh. Ich sass im Cockpit in der Transall aus Masar-i-Scharif, als der Pilot im Anflug auf Kabul zweimal die Flares ausgelöst hat: Das sind Tausende heisser Stanniolstreifen, die aus den Tragflächen fallen und anfliegende thermische Raketenköpfe ablenken sollen. Da wird einem zwar mulmig, es sieht aber aus wie Wunderkerzen!! Die Transall als Christbaum, ganz herrlich!!”

“Ich öffne meine Geschenke und falle erst mal in ein Loch. Man merkt wieder mal wirklich, dass man bewaffnet in einer Art Bunker sitzt und alle, die einem etwas bedeuten, 5000 Kilometer entfernt sind. Später versammeln wir uns in unserem Kaffeeraum, um ein wenig zu feiern. Es gibt das Übliche und einen Haufen Alkohol. Wir öffnen ein paar Flaschen und sinnieren über Weihnachten. Gegen 22 Uhr gehen wir zur Christmette. Okay, ich bin kein Kirchgänger, aber es hat sich gelohnt. Weihnachtslieder, ein paar weihnachtliche Worte und etwas Ruhe. Nach der Mette schnappe ich mir eine AWCC-Karte und fange an rumzutelefonieren. Ich wecke zwar alle auf, aber alle sind froh, mich zu hören. Und zu wissen, dass ich heil und gesund bin. Gegen 24:00 Uhr ist der Tag für mich gelaufen.”

(Aus: Baumann, M./Langeder, M./Much, M./Obermayer, B./Storz, F. [Hg.]: Feldpost – Briefe deutscher Soldaten aus Afghanistan, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2011, S. 177/182/183)

In diesem Sinne: eine frohe, vor allem aber friedliche Adventszeit allen Leserinnen und Lesern, wo immer Sie sich, geographisch, im Leben, in Gedanken, befinden. Wir steuern in diesen Tagen auf ein Licht zu, das verdient hat, “freundliches Feuer” genannt zu werden. Diese Art freundlichen Feuers – und viel Rückendeckung – wünsche ich ganz besonders auch den Soldaten in Afghanistan und anderswo. Mögen sie unversehrt an Leib und Seele zurückkehren.

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