Eine frühe – eine gute Wahl

By , 14/03/2013 07:04

Immerhin noch drei Semester – das laufende, in der fünften Woche stehende, eingerechnet – dauert mein Studium. Das heisst: In fünfzehn Monaten werde ich alle nötigen Module besucht, alle Leistungsnachweise erbracht, alle Kreditpunkte eingesammelt haben, kurz: bereit sein zur Entgegennahme des Master-Diploms – damit in achtzehn Monaten, im August 2014, das einjährige Vikariat beginnen kann.

Zu früh, einen Vikariatsleiter, eine Vikariatsgemeinde zu suchen? Nun, sämtliche Einwände kämen zu spät: Ich bin in diesen Tagen fündig geworden. Erfahrener, sympathischer Pfarrer, kleine Gemeinde, “ein wenig draussen” – passt!

Ich gebe es zu: Dieses Mal habe ich im Titel absichtlich mit einer Doppeldeutigkeit gespielt.

Zeichen deuten

By , 13/03/2013 12:50

Beim Vorbereiten für das Kierkegaard-Seminar las ich auch einen Aufsatz Gotthold Ephraim Lessings (“Über den Beweis des Geistes und der Kraft”, 1777), den der grosse Däne in den vorzubereitenden Textabschnitt aufgenommenen hatte. Gegen Ende heisst es da:

“Gesetzt es gäbe eine große nützliche mathematische Wahrheit, auf die der Erfinder durch einen offenbaren Trugschluß gekommen wäre: – (Wenn es dergleichen nicht gibt: so könnte es doch dergleichen geben.) – leugnete ich darum diese Wahrheit, entsagte ich darum, mich dieser Wahrheit zu bedienen, wäre ich darum ein undankbarer Lästerer des Erfinders, weil ich aus seinem anderweitigen Scharfsinne nicht beweisen wollte, es für beweislich daraus gar nicht hielt, daß der Trugschluß, durch den er auf die Wahrheit gestoßen, kein Trugschluss sein könne?”

(aus: Gotthold Ephraim Lessing, Über den Beweis des Geistes und der Kraft, in: ders.: Werke, Achter Band: Theologiekritische Schriften III / Philosophische Schriften, München: Carl Hanser Verlag 1979, S. 9-14, S. 14)

Was ich las? Nun: “Gesetzt, es gäbe eine grosse nützliche mathematische Wahrheit, auf die der Erfinder durch einen offenbaren Trugschluss gekommen wäre” – und jetzt stockte mir der Atem (noch bevor die Gefahr bestand, dass mich die Länge des Satzes aus der Puste bringt): Hatte Lessing hier der unschönen Vorstellung eines “offenbaren Trugschlusses” tatsächlich piktographisch Nachdruck verliehen?!

; – )

Noch ‘n Apple und ‘n i

By , 08/03/2013 12:48

Wer weiss, dass ich mich lieber in die Schlange vor dem SBB-Schalter einreihe, anstatt meine Fahrkarten an einem Touchscreen-Billettautomaten anzufordern, wird meine Begeisterung für die be-tastatur-ten Handys der Marke Blackberry nachvollziehen (wenn vielleicht auch nicht zwingend teilen) können. Gut zweieinhalb Jahre war ich denn auch recht glücklich mit meiner elektronischen Schwarz- bzw. Brombeere, die ich liebevoll Chuck nannte. [1] Leider aber häuften sich in letzter Zeit die technischen Probleme mit dem Gerät, weshalb ich mich notgedrungen erneut auf dem Handy- bzw. Smartphone-Markt umsah. Die Frage war: “Chuck II” – oder nun doch eine der tastaturlosen Volldisplay-Kacheln?

Kurz und knapp: letzteres. Mehr noch: Hatte ich mir im vergangenen Sommer entgegen früherer Aussagen (“nie einen Mac!”) bereits einen Laptop aus dem Hause Apple zugelegt (“das MacBook ist ja so wunderbar leicht!”), kaufte ich mir gestern ausgerechnet ein, eben: tastaturloses, also volldisplaygekacheltes, iPhone. Wenn das eine Prinzip schon über den Jordan ist… Ich Taste, pardon: taste, mich gerade an das neue Gerät heran. (Angenommen wissen darf es sich aber erst, wenn auch es von mir einen Namen bekommen hat.)

Und so – es folgt die Moral der Geschichte – stehen MacBook und iPhone nun in zweierlei Hinsicht als laute (aber immerhin formvollendete), durchaus auch theologisch wertvolle Ausrufezeichen in meinem Leben: Zum einen erinnern sie mich mit ihrem fruchtigen Logo täglich, stünd-lich!, an die Sündhaftigkeit meiner selbst – zum anderen sind sie ein unmissverständlicher, materieller Beleg dafür, dass dogmatische und “dogmatische” Sätze, seien sie noch so absolut gesetzt, üblicherweise nur von vorläufiger Gültigkeit sind.

Eines allerdings gilt unumstösslich: Ich bleibe beim iPhone 4S. Nie würde ich mir ein Smartphone von der Grösse des Fünfer-Modells zulegen. Nie!

Fortsetzung dürfte folgen.

[1] Dazu inspiriert haben mich die Macher der grossartigen Krankenhaus-Comedy/Drama-Serie “Scrubs”, die in Staffel 4, Folge 22 der Figur Dr. Cox die folgenden Worte an eine jugendliche Patientin in den Mund legten: “If this continues, you will be dead… and I’m not talking about the ‘oh my God, if I don’t get invited to the prom I’m going to die’ type of dead, I’m talking: ‘dead dead’. Is that clear enough for you? Because if it’s not I could of course text you on my Blackberry, or my Blueberry or my Chuck Berry, although technically Chuck Berry is a black berry.”

Gemischtes Doppel

By , 06/03/2013 20:12

Heute merkte der Dozent eines neutestamentlichen Seminars an, ich würde “wie Ratzinger” argumentieren, und in einem anderen Seminar haben wir uns einander Bälle zuwerfend kennengelernt (oder: uns einander kennenlernend Bälle zugeworfen).

Zwei verschiedene Erlebnisse mit ebenso verschiedenen Reaktionen meinerseits: Das eine hat mich zunächst etwas irritiert – mit dem Vergleich aber kann ich leben.

Ohne Netz und losen Boden

By , 01/03/2013 12:59

Falls Sie mich vermisst haben: Nein – ich bin nicht in eine Sommerresidenz entschwebt. Der Grund für die ungewohnte Blog-Pause ist ein ganz anderer: ein weitgehend voller Uni-Stundenplan. Hinter mir liegen zwei sehr intensive Wochen, vor mir dreizehn weitere ebensolche. Sechs Seminare, drei Vorlesungen, eine Übung, ab nächstem Montag noch die Leitung eines Tutorats – wenn man sich da seriös vorbereiten möchte…

Den effizientesten Arbeitstag erlebte ich übrigens am vergangenen Sonntag (bei mir a.k.a. “Tag des Lern”): Als der Computer meiner besseren Hälfte von einem auf den anderen Moment den Geist aufgegeben hatte, stellte ich ihr, barmherziger Samariter, der ich bin, mein Gerät zur Verfügung. Darauf blieb mir gar nichts anderes übrig, als internetlos und damit ablenkungsfrei zu lesen, zu lesen, zu lesen. Kant, Kierkegaard und Komplizen waren umzingelt! Mir wäre sogar noch Zeit geblieben, einen Blog-Eintrag zu schreiben. Aber ich hatte ja keinen Computer.

Richtungswechsel

By , 18/02/2013 08:10

Dieser Wegweiser steht direkt neben der Bushaltestelle, an der ich aussteigen musste, wenn ich meine liebe Praktikumsleiterin, notabene: die denkbar beste aller Praktikumsleiterinnen, im vergangenen halben Jahr für Besprechungen und den informellen Austausch besuchte:

Links oder rechts

Nach dem (fast) unilosen Praxissemester beginnt heute wieder das Studium – an der Fakultät.

Auch wenn mir die Tätigkeiten “links” sehr viel Freude gemacht und Befriedigung gegeben haben: Nun geht es also wieder nach “rechts” – mit viel frischem Schwung und der ermutigenden Erkenntnis, dass “das mit dem Pfarramt” machbar ist.

Dichter und Denker

By , 15/02/2013 10:09

Die letzten drei Tage habe ich zwecks kleinerer kirchengeschichtlicher Recherchen im Staatsarchiv und in der Zentralbibliothek verbracht. Und auch wenn ich letztere im vergangenen Oktober, als ich dort meine Bachelorarbeit verfasste, endlich nicht nur als Bücherarchiv, sondern auch als Aufenthalts- und Denkort schätzen gelernt habe, ziehe ich das Staatsarchiv, das ich bis Mittwoch nicht aus eigener Begehung kannte, definitiv und aus gutem Grund vor: Wer seine Such-PC-Gebrauchsanweisung “Anleitung für die Benutzung des Elektronischen Bestellschalters” nennt, hat meine ganze Sympathie.

Keine Frage: Dort – an jenem Ort, unter solchen Poeten – will ich nächstes Semester meine Master-Thesis ins Elektronische Aufsatzheft pinseln.

Etikettenschwindel

By , 14/02/2013 11:57

Der Montag wird zweifellos in die Geschichte der Katholischen Kirche eingehen – aber vielleicht auch in die Geschichte dieses Blogs: Gemäss Besucherstatistik hatte meine Seite an jenem Tag nämlich so viel Zulauf wie nie zuvor.

Ein Zufall? Nein – ich hege die Vermutung, dass die Rücktrittsankündigung Papst Benedikts XVI. und der Ansturm auf mein Blog zusammenhängen. Liegt letzterer etwa darin begründet, dass Menschen in Zeiten unvorhersehbaren Wandels Zuflucht in der Kontinuität suchen – und also Sie bei mir? Nö! Aber wer so frei ist, am Tag der päpstlichen Rücktrittsankündigung einen neuen Beitrag mit der Überschrift “Comic relief” zu versehen, weckt wohl Erwartungen…

Das war aber purer Zufall. Und zudem wissen Sie ja: Ich habe etwas gegen wohlfeile RKK-Kritik.

Sollte jemand diesen Beitrag nur deswegen abgerufen haben: Nein, hier geht es nicht um den aktuellen Fleischskandal. Schon wieder missverständlich getitelt?

Comic relief

By , 12/02/2013 08:37

Meine treuen Mittagsaufsichts-Gefährten, die “bestimmte Schülerin” und der “bestimmte Schüler”, sind den regelmässigen Leserinnen und Leser meines Blogs ja bereits ein Begriff. Er, der Schüler, bereitete mir am Donnerstag bei meinem letzten Aufsichts-Rundgang um das Schulhaus einen besonders schönen Abschied: Zum einen hatte er eine kleine Gute-Wünsche-“Rede” für mich vorbereitet, die er dann im Gehen hielt – und zum anderen sprachen wir im Schneetreiben über das Kino und die Filme, die er sich dort zuletzt ansah (oder angesehen haben könnte) – was mit einem guten, dreistimmigen Lacher endete. Ich zog ihn in diesem Zusammenhang nämlich ein bisschen auf und meinte: “Ich nehme an, Du hast im Kino zuletzt [die Vampir-Schmonzette] ‘Bis(s) zum Morgengrauen’ geschaut?” Darauf er, staubtrocken: “Nein – aber Sie sicher ‘Bis(s) zum Abendmahl’!”

Hach.

Zur Erklärung der Überschrift, für die weniger Kinoaffinen: siehe hier.

Kreidezeit vorbei

By , 08/02/2013 12:28

Ausgebildeter Lehrer war ich nie. Nun bin ich auch kein praktizierender mehr: Heute morgen hatte ich zum letzten Mal für längere Zeit Kreide an den Händen. Die Mehrfachbelastung war auf die Dauer schlichtweg zu gross: Gewiss, man kann unterrichten und an der Uni arbeiten und ein Behördenamt ausfüllen und viel und gerne schreiben und ein gesundes Privatleben führen und zügig studieren – aber alles davon gleichzeitig?

Dass es nun ausgerechnet den grössten meiner Nebenjobs, ja: überhaupt einen Nebenjob, getroffen hat, mag diejenigen erstaunen, die wissen, dass ich vom Nur-Studieren bzw. Nicht-Arbeiten nicht viel halte. Es gibt aber einen guten Grund für meine Entscheidung: Wenn diese 11 Wochenstunden Französisch, Deutsch, Geschichte und Geographie, die ich in den letzten anderthalb Jahren erteilt (und vorbereitet) habe, wegfallen – und damit die grösste Ablenkung vom Studium –, kann ich ein Semester früher mit dem Studium fertig sein und es sogar ein Jahr eher als geplant ins Vikariat schaffen; ebendieses eine Jahr wäre ich dann auch früher im Kirchen- oder irgendeinem anderen Markt. Für einen Zweitstudenten, finde ich, ein sinnvolles Ziel, und so reichte ich vor den Herbstferien meine Kündigung ein. [1]

Während die Anstellung an der Uni, das Behördenamt, das Schreiben und das Private bleiben, stecke ich die neu gewonnene Zeit nun also ins Studium – und in die vorgezogene Suche nach einem Vikariatsplatz. [2]

[1] Die Bengel und die Bengelin werde ich trotzdem vermissen.
[2] Der einjährige Vikariatskurs wird, wenn ich den Master tatsächlich so früh wie erhofft schaffe, im August 2014 beginnen. Mal schauen, welcher Pfarrer (oder welche Pfarrerin) und welche Kirchgemeinde meinen Wünschen entsprechen und noch dazu bereit sind, mich als Vikar aufzunehmen.

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