Gegenverkehr

By , 20/02/2015 20:16

Nach fünf z.T. durchwachsenen Kurswochen bin ich seit Dienstag zurück in der Vikariatsgemeinde.

Schon am ersten Tag sehe ich zwei wunderbare Zufalls-Belege dafür, dass sich Gegensätze tatsächlich, wie man sagt, anziehen.

Der erste: Im Ortsbus sitzen zwei Personen nebeneinander. Die junge Frau liest Dawkins, der Jugendliche, strahlend, ein Buch mit dem Titel “In Gottes Heilungskraft leben”. Ich überlege mir, was ein Austausch zwischen den beiden Lesenden wohl ergäbe.

Der zweite Beleg: In der Inbox liegt die Einladung zur nächsten Sitzung der Zürcher Synode, deren Mitglied ich gar nicht bin. Ein Versehen. Eine Teilnahme würde sich sowieso nicht mehr lohnen: Wenige Stunden vorher habe ich die Kündigung unseres Mietvertrags abgeschickt. Es ruft eine andere Landeskirche.

Was dieser Aus-Tausch ergibt, werde ich sicher und bald erfahren. Und auch, welche Gegensätze mich dann erwarten.

Fussnotiz

By , 30/01/2015 23:49

Heute, im Seelsorge-Kurs. Nach zahlreichen Rollenspielen in den Tagen zuvor – ein weiteres Rollenspiel. Die Motivation hält sich teilnehmerinnen- und teilnehmerseits in engen Grenzen, doch schliesslich melden wir uns zu dritt. Muss ja, nicht? Jedenfalls: Ich soll einen Mann spielen, dessen Frau Gemahlin die Pfarrerin zum Hausbesuch eingeladen hat, der selbst jedoch – passenderweise – nur überschaubar interessiert ist an dem Gespräch. Die “Pfarrerin” hat noch nicht geklingelt, da greift sich der “Ehemann” demonstrativ unmotiviert das einzige (Seelsorge-)Büchlein, das halt gerade in Reichweite liegt. Er schlägt es etwa in der Mitte auf, wo sein Blick rasch auf Fussnote 45 fällt [1] – und kann es nicht fassen: Gibt es Dinge, die es nicht gibt?!

[1] Bukowski, Peter: Die Bibel ins Gespräch bringen. Erwägungen zu einer Grundfrage der Seelsorge, Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlagsgesellschaft, 1994 (8. Auflage 2011). Die genannte Fussnote findet sich auf Seite 54.

Wohn-Ton, kartonesisch

By , 23/01/2015 17:40

Singen... …und Wohnen

Nachgetragenes PS: Irgendwie beruhigend für mich Normalsterblichen – selbst in einer Kommunität wie Montmirail wird schmutzige Wäsche gewaschen.

Zum Paaretaufen

By , 14/01/2015 14:45

Nach einer Woche Vikariatskurs zum Gemeindeaufbau nun eine Kurswoche “Kasualien”. Als wir in den ersten Tagen die Taufe besprechen, erhalte ich von meinem Vikariatsleiter in recht kurzem Abstand zwei E-Mails: Es kündigen sich meine ersten beiden Taufen an. Ja-haaa – wenn man den Täufel an die Wand malt…

Jetzt: Thema Abdankung.

Mal sehen.

Auf Wü-hüüü-der-sehen!

By , 02/01/2015 13:11

Vorsätze habe ich nur zwei oder drei für dieses neue Jahr. Aber noch ein paar Nachsätze zum letzten:

Im Oktober erschien im “Notabene”, der Zeitschrift der Zürcher Landeskirche für Mitarbeiter, Ehrenamtliche und Freiwillige, ein anregender Artikel zum Thema des Kirchenaustritts und der “Kunst der Verabschiedung”. [1] Die Frage, die darin behandelt wird: Wie bestätigt man Kirchenaustritte “richtig”? [2] Eine Kunst, hier den richtigen Ton zu treffen – führwahr!

Heute früh, als ich mich meinem Neujahrs-Vorsatz gemäss, Ballast abzuwerfen, aus dem Newsletter eines grossen Kreuz-Linger Foto-Dienstleisters ausgetragen hatte, erinnerte ich mich umgehend wieder an jenen Artikel. Weshalb – das sehen Sie am besten selbst.

Jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen… Das kriegen wir besser hin, nicht?

[1] Der Artikel ist hier online erhältlich (Nr. 8/2014, S. 8f.).
[2] Und das natürlich unabhängig von der Art, wie die Kirchenaustritts-Schreiben im Einzelfall formuliert sind. Über Nachtritts-Austritte habe ich bereits einmal geschrieben.

Lob, Ehr und Preis

By , 04/10/2014 09:58

“Etwas grösser” als die Bachelor-Sause werde die Diplomfeier zum Masterabschluss sicher, schrieb ich vor ein paar Tagen. Zugegeben: Der Wunsch war hier der Vater, die Hoffnung die Mutter des Gedankens.

Doch – was soll ich sagen? Er war dann in der Tat ein grosses Fest, der gestrige Feier-Abend.

Vater Wunsch und Mutter Hoffnung zeugten nämlich ein Zeugn… eine besondere Überraschung: Meine Frau, die gleichzeitig ihren Studienabschluss (ebenfalls in Theologie) feierte, und ich erhielten beide, ex aequo, den Preis der Alumni-Organisation der Theologischen Fakultät, der dieses Jahr zum ersten Mal vergeben wurde – für unsere, wie es hiess, “ausgezeichneten Masterarbeiten”.

Ebendies, ausgezeichnet, sind sie jetzt unbestritten. Darüber freuen wir uns sehr.

Der Titel meiner Untersuchung, “Hinaus ins Leben, fest und sicher!” (ein ziemlich repräsentatives Bitzius-Zitat), lenkt meinen Blick allerdings auch direkt nach vorn: Nächste Woche geht es nämlich auf Konf-Reise. Hinausinslebener gehts gar nicht! [1]

[1] Meine Frau beschäftigte sich in ihrer Abschlussarbeit übrigens, aus systematisch-theologischer Sicht, mit dem Tod. Da haben sich also “zwei gefunden”, nicht?

Fach-Simpelei

By , 02/10/2014 12:48

Mir könnte es nicht besser gehen in meiner Vikariatsgemeinde. Ich darf suchen und versuchen – und werde oft auch fündig. Heute sogar in der Gemeinschaftsküche des Pfarrhauses.

Diese Schublade verspricht nun wirklich alles zu beinhalten, was das sehnende Herz des angehenden Pfarrers begehrt:

Schöpfer und Rüstzeug

(Nein, ich habe die Schublade noch nicht geöffnet. Wir stehen ja erst am Anfang des Monats drei!)

Sechsundzwanzig waagrecht

By , 23/09/2014 10:33

An den Wochenenden wird gearbeitet, klar. Aber sonntagabends (oder, je nach Zeitmanagement, montags) wird dann ein Kreuzworträtsel gelöst. Genauer: das Rätsel aller Rätsel – dasjenige aus dem Tagi-Magi, von Trudy Müller-Bosshard. Meine Schwester, ebenfalls rätselnd, löst mir zu diesem Zweck seit einiger Zeit Jahr für Jahr ein Abo des Sams-Tages-Anzeigers.

26w ist diese Woche ja leicht!”, dachte ich vorgestern: “Älteres Semester unter den Hochschulabgängern”. Sechs Buchstaben. Voilà:


(Aus: “Das Magazin”, Nr. 38, 20.9.-26.9.2014, S. 36; Autorin: Trudy Müller-Bosshard)

War dann am Ende aber ERE… EMERIT.

Egal: Ich – als Schon-Vikar aber Noch-nicht-offiziell-Master – freue mich schon sehr auf die Diplomfeier vom 3. Oktober. Diese wird dann sicher auch etwas “grösser” als die Bachelor-Sause.

Königsweg

By , 18/09/2014 14:29

Gestern durfte ich als Vikar gut vier Dutzend Seniorinnen und Senioren meiner Vikariatsgemeinde auf ihrer Ausfahrt ins Emmental begleiten. Unter anderem besuchten wir das Gotthelf-Zentrum in Lützelflüh – für mich, der sich in der Masterarbeit mit dem Gotthelf-Sohn Albert Bitzius jr. auseinandersetzte, sehr reizvoll.

Reizvoll waren aber natürlich auch die kleinen Kontakte und die grossen Gespräche, die sich bisweilen aus ersteren entspinnen. Beim Mittagessen etwa sass ich neben einer Dame, die sich beim Plaudern über ihre musikalischen Vorlieben als Elvis-Fan outete. Darauf meinte ich: “Oh, bin ich auch!” Und sie, trocken: “So? Wissen Sie denn, wie Elvis’ Bruder hiess?” – “Klar, Jesse Garon. Sein Zwillingsbruder, tot geboren.”

Nun, was soll ich sagen? Ich muss den “Test” bestanden haben, denn vom King und dem Tod zu Gott und dem Alter war es jetzt nur noch ein kleiner Schritt.

In eigener Sache: Abgabe des “Tagebuchs”

By , 12/09/2014 12:27

Sieben “Tagebuch”-Einträge habe ich für die “Reformierte Presse” bisher verfasst. Es werden leider nicht mehr mehr. Nachdem ich im August fast über Nacht vom Vizepräsidenten meiner Kirchenpflege zu deren Ad-interims-Präsidenten mutierte und – im Vikariat – auch sonst schon recht gut ausgelastet bin, habe ich die RP-Redaktion gebeten, mein Ämtli anderweitig zu vergeben. Ich bin sehr dankbar, dass mir dies so kurzfristig ermöglicht wurde.

Den Ausstieg aus dem Kolumnisten-Team finde ich bedauerlich. Doch es ist halt so: Das Vikariat geht vor, und die Arbeit in der Kirchenpflege, in die ich erst im März wiedergewählt wurde, will auch seriös getan sein. Also muss – der Tag hat auch für mich nur 24 Stunden – Anderes wegfallen, und darunter nun eben: die Kolumne.

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