Sollen und Nicht-Können

By , 11/05/2012 21:54

Mittlerweile gibt es ja zu fast jedem Thema ein eigenes Nachdiplomstudium mit entsprechendem Zertifikat – nun auch, angeboten vom Zentrum für Kirchenentwicklung und der Abteilung Aus- und Weiterbildung der Zürcher Landeskirche, ein Certificate in Advanced Studies (CAS) mit dem Titel “Pfarrerin/Pfarrer-Sein als Herausforderung der Gesellschaft”.

Ohne an dieser Stelle eine Diskussion über Sinn und Unsinn dessen vom Zaun brechen zu wollen, dass heute jeder aufwendigere Weiterbildungskurs ein “Studiengang” sein muss: Bin ich der Einzige, der aus der im Titel verwendeten Formulierung nicht schlau wird? “Pfarrerin/Pfarrer-Sein als Herausforderung der Gesellschaft” – was bzw. wer soll eine Herausforderung für wen bzw. wofür sein?

Sprachlich denkbar sind etwa:
a. Pfarrerin/Pfarrer-Sein als Herausforderung für die Gesellschaft
b. Pfarrerin/Pfarrer-Sein als von der Gesellschaft an Pfarrer gestellte Herausforderung
c. Pfarrerin/Pfarrer-Sein in der Gesellschaft als Herausforderung (für Pfarrer)
Ich bin überzeugt: Der Turmerlebnis-erprobte Genitiv-Spezialist Luther hätte seine wahre Freude!

Die Informationen zum Kurs bringen schliesslich die Auflösung: Die Teilnehmer, konkret: Pfarrerinnen-slash-Pfarrer, sollen lernen, sich “auf theologisch verantwortete Weise in den gesellschaftlichen Debatten sicht- und hörbar zu machen” (mehr dazu hier). Also: nicht statisch zu verstehendes Pfarrer-Sein als, im Sinne von: gleichbedeutend mit, Herausforderung, sondern ein konkretes pfarramtliches Wirken zur (!) Herausforderung der Gesellschaft.

Dies wirft sogleich aber eine umso grössere Frage auf, nun inhaltlicher Natur: Sollte solch ein Nachdiplom-Studiengang nicht nur scheinbar, sondern tatsächlich notwendig sein – wäre dies nicht ein Armutszeugnis für unsere Kirche und die in ihr wirkenden Theologen (inkl. -nachwuchs)? “Die Gesellschaft herausfordern” ist doch seit eh und je eine der zentralen Aufgaben der verkündigenden Kirche! Ist ihr, ist uns die Fähigkeit dazu wirklich, teils zumindest, abhanden gekommen? Was ist da, ganz vorsichtig und zurückhaltend gefragt, in den vergangenen Jahren in der Ausbildung, durchaus auch an der Uni und im Privaten, schief gelaufen?

Ein blaues Wunder

By , 06/05/2012 14:41

Heute, direkt vor dem Gottesdienst: Als ich meinen schönen, dunkelblauen Veston öffne, um es mir auf der Bank gemütlich zu machen, löst sich der untere der beiden Knöpfe. Nach dem Gottesdienst (mit Predigt zum Thema “Gotteslob wirkt Wunder”), zu Hause, fällt beim Ablegen des, durchaus nicht ganz günstigen, Jacketts dann gleich auch noch der zweite Knopf ab.

Wie gross ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass Derartiges geschieht? Keine Frage: Das muss, besonders in Anbetracht des Predigtthemas, ein Wunder sein! Nicht für mich, nein – aber für die Schneiderin, die nun einen Doppelauftrag erhält. Ist halt immer eine Frage der Perspektive.

Bildersturm

By , 04/05/2012 07:46

Im Moment geht wieder einmal das Studium vor: endlich, nach mehrfachem Aufschieben, den allerletzten Grundkurs abschliessen – Kirchengeschichte der Reformation und Neuzeit. Verschiedene Lehrmittel sind denkbar. Ganz sicher gilt dabei aber, was ich hier “mit letzer Tinte”, wie man mittlerweile zu sagen pflegt, schreibe:

“Mit vollem
Einsatz”
lesen
heisst:
Mit halbem
Einsatz lernen.

Das soll mir Mahnung genug sein. In diesem Sinne: Hauschild und Vorlesungsnotizen, ich komme!

Was gesagt werden muss: Ich finde den Zwingli-Comic, eine von vielen Arbeitshilfen für das Zürcher rpg-Angebot im 5.-7. Schuljahr (JuKi), recht gelungen.

Ana(b)log

By , 30/04/2012 12:48

Texte elektronisch in die Welt hinauszuschicken, ist schön – mache ich sehr gerne. Aber ganz ehrlich: Es ist dann doch noch ein bisschen erhebender, alle paar Wochen die neuen Blog-Einträge auszudrucken und der lieben Grossmutter gebündelt per hundskommuner Briefpost zukommen zu lassen.

Ein wenig beneide ich sie schon, die Altvorderen, für die “Brief und Siegel” mehr war als eine Redewendung, schreibe ich – online.

In der zweiten Hälfte offensiver

By , 25/04/2012 15:14

Heute vor zwei Jahren, an einem schönen Sonntag im April, feierte ich gleichzeitig einen runden Geburtstag und eine ebenfalls runde Wiederwahl in die Bubiker Kirchenpflege. Nun ist also schon Halbzeit – wohl, hoffentlich, nicht meines Lebens, ganz sicher aber der laufenden vierjährigen Legislaturperiode.

Zugleich neigt sich wahrscheinlich auch meine Bubiker Zeit der zweiten (und damit, die Rechner unter Ihnen ahnen es, letzten) Hälfte zu. Denn auch wenn diese wunderschöne, lebhafte Oberländer Gemeinde in den viereinhalb Jahren, in denen ich nun hier wohne und lebe, zu meiner Heimat geworden ist: Irgendwann, eben: in gut viereinhalb Jahren, nach Studium und Vikariat, werde ich sie verlassen müssen, sollte ich andernorts eine höherprozentige Pfarrstelle antreten – die Wohnsitzpflicht, die ich unterstütze, will es so.

Höchste Zeit also, mich bei allem kommunalen Engagement verstärkt nach aussen zu orientieren! Und so erwarten mich im neuen Lebensjahr nicht nur das semiobligatorische kirchliche Praxissemester, das ich zur Horizonterweiterung in einer urbanen Kirchgemeinde absolvieren werde – nein, ich freue mich auch sehr darauf, im Sommer und später einige Pfarrerinnen und Pfarrer ausserhalb der Bezirksgrenzen persönlich kennenzulernen: Praktiker, auf die ich über Facebook und durch Kommentare im Blog aufmerksam wurde und von denen ich gerne noch viel mehr erfahren möchte – über sie persönlich, ihren Werdegang, ihre Erfahrungen mit und in der Kirche, unter Kollegen wie in der Arbeit mit der Gemeinde, und noch vieles mehr.

Auf diese aktiv gesuchten Begegnungen im neuen Lebensjahr und die Impulse, die sie mir gewiss geben werden, bin ich gespannt.

Verzettelt

By , 20/04/2012 16:35

Die Bubiker Gottesdienste werden, wie diejenigen der anderen Gemeinden in unserem Bezirk auch, jeweils einen Tag vorher im “Zürcher Oberländer” beworben. Im sogenannten “Kirchenzettel” wird beispielsweise vermerkt, wer predigt, und zu welchem Thema, und welche Musikerinnen und Musiker den Gottesdienst mitgestalten. Zuständig sowohl für die Formulierung als auch für die Auftragserteilung an den ZO ist die jeweilige Pfarrperson.

Im Falle des vergangenen Gottesdienstes war es nun so, dass im eingereichten Kirchenzettel der Name der engagierten Sopranistin falsch geschrieben war. Erstaunlicherweise hat die Zeitung diesen Fehler entdeckt und in Rücksprache mit dem verantwortlichen Pfarrer korrigiert. (Kompliment!) Umso peinlicher ist es dann allerdings, wenn aus der “Predigt” im Entwurf in der gedruckten Ausgabe eine “Predgit” wird.

Alles soll geprüft werden – klar. Aber der Satz, lieber ZO, geht mit einem entscheidenden Hinweis weiter: “das Gute behaltet” (1. Thess 5,21)!

Bloke on the Water

By , 16/04/2012 06:47

In den Kommentaren zu einem der letzten Beiträge, “In dubio – pro reto?”, hat sich eine engagierte und interessante Diskussion zum Thema Pfarrbild entsponnen (hier nachzulesen). Es sollen sogar Telefondrähte geglüht haben deswegen…

Natürlich: Die Frage nach dem “richtigen” Verständnis des Pfarr- bzw. Bischofsamts ist so alt wie das Amt selbst. Neu ist solcherlei Nachdenken also gewiss nicht. Weil es hier und jetzt aber konkret Sie und Sie und Sie und mich betrifft, ist es eben doch lohnenswert, wenn nicht unabdingbar, sich immer wieder Gedanken zum eigenen Amtsverständnis zu machen. Und diese sind dann eben doch neu – für uns und die Zeit, in der wir leben.

Für die Bubiker Gemeindebeilage des “reformiert”, den “Chileblick”, schrieb ich im Mai 2011 eine kleine Kolumne, die sich mit ebensolchen Ansprüchen an Pfarramts-Inhaberinnen und -Inhaber beschäftigt. Als Präsident der Pfarrwahlkommission war es mir ein Anliegen, der Kirchgemeinde, die mir diese ehrenvolle Aufgabe anvertraut hatte, zu signalisieren, dass, egal, wen wir letztlich vorschlügen, im Pfarramt auch in Zukunft mit Wasser gekocht würde. [1]

A propos “Wasser” – hier der Text, den ich aus aktuellem Anlass noch einmal hervorkramte:

Ohne Tadel soll er sein, besonnen und gastfreundlich. Weder ein Säufer noch ein Schläger, weder parteiisch noch streitsüchtig noch geldgierig. Ach ja, und seine Familie sollte er fest im Griff haben – der ideale Bischof, wie der Apostel Paulus ihn sich in den Anfangszeiten des Christentums ausmalt (in 1 Tim 3).

Heute und hier, im Bubikon des Frühlings 2011, müssen nun auch wir Rechenschaft ablegen über unsere Vorstellungen vom Wunschpfarrer: ganz konkret, auf unsere Gemeinde bezogen. Die Pfarrwahlkommission befasst sich in diesen Monaten genau damit, und auch Sie mögen bisweilen darüber nachdenken.

Paulus liefert dazu einige Anhaltspunkte, die sich bestens auf das Pfarramt von heute übertragen lassen. Einerseits. Anderseits: Mit seinem „Stellenbeschrieb“ stehen wir erst am Anfang der Diskussion – denn wie weit muss Gastfreundlichkeit gehen? Kann als Verkündigerin gewinnend sein, wer nicht parteiisch ist? Was machen wir mit einem Bewerber, der gar keine Familie hat, die er im Griff haben könnte? Und: Welche Bubikon-spezifischen Vorgaben, die Paulus nicht nennt, sind zusätzlich zu erfüllen?

Ich bin sehr dafür, dass wir an einen Pfarrer, eine Pfarrerin hohe fachliche und menschliche Ansprüche stellen – möchte aber anregen, dass wir uns nicht scheuen davor, diese Ansprüche immer wieder in Frage zu stellen. Gestatten wir einem Bewerber doch, nicht alle gewünschten Qualitäten gleichermassen mitzubringen! Akzeptieren wir zudem, dass auch ein in Bubikon bis anhin unbekannter Weg zum Ziel führen kann! Nicht dass ein neuer Amtsinhaber schon nach kurzer Zeit seufzen muss: „Wenn ich übers Wasser laufe, sagen meine Kritiker: Nicht mal schwimmen kann er.“

Das abschliessende Zitat wird übrigens Berti Vogts zugeschrieben – bei ihm, dem “Terrier”, hat es, bei aller Kritik an seinem Fussballverständnis, immerhin für einen Welt- und zwei Europameister-Titel gereicht. Dass die Schauspielerei nicht seins ist, mag man ihm da gerne verzeihen.

Und wieviel – und was – verzeihen wir einem Pfarrer, einer Pfarrerin? Und wo bleiben wir unnachgiebig, ja: wo müssen wir unnachgiebig bleiben? [2]

[1] Ich unterstelle dem neu gewählten Herrn Pfarrer, der gestern feierlich ins Amt eingesetzt wurde, jetzt einfach einmal, dass dies zutrifft. Sonst möge er das Gegenteil beweisen.
[2] Für den eher schlecht geratenen Scherz im Titel bitte ich um Verständnis. Er kam mir in den Sinn, als ich letzte Woche nach meiner ersten Gitarrenlektion überhaupt das Riff zu “Smoke on the Water” übte.

Für Andi – es ist schön, dass wir Dich haben!

Feier im Anzug

By , 12/04/2012 17:18

So: Anzug aus der Reinigung abgeholt, Wein-Umbestellung abgenickt, Ansprachen weitgehend fertig geschrieben – die Einsetzungsfeier für unseren neuen Herrn Pfarrer kann kommen.

Ab Sonntagabend gibt es in Bubikon also keine Pfarrwahlkommission mehr, ist diese Kirchen-Geschichte Kirchengeschichte. Aber ich bin und bleibe stolz darauf, dass ich dieser tollen Truppe vorstehen durfte. Und dass wir einen ebensolchen Pfarrer gewinnen konnten.

Keine Ahnung, wodurch dies in nächster Zeit getoppt werden könnte. (Mein Gefühl sagt mir: definitiv nicht durch die Philosophie-Proseminararbeit.)

Unsterblich blamiert – zu Ostern

By , 08/04/2012 07:30

In meinem Startsemester als Theologiestudent nahm ich an einer Dogmatik-Übung teil, in deren Rahmen ich, ein wenigwissender, aber immerhin wissensdurstiger Anfänger, in einer Schnellbleiche erste Eindrücke von den wichtigsten Glaubenslehrern der vergangenen tausend Jahre gewinnen durfte. (Ich präzisiere: es handelte sich um eine Ultraschnellbleiche.)

Da das Ende des Semesters mehr oder weniger mit Weihnachten zusammenfiel, lasen wir am letzten Termin jener Veranstaltung keine abstrakte dogmatische Abhandlung mehr – sondern eine Weihnachtspredigt eines Dogmatikers. Die Wahl fiel auf Eberhard Jüngel. Und weil bei mir einen Stein im Brett hat, wer verständlich verkündigt und Jochen Klepper zitiert, hinterliess diese Predigt einen bleibenden positiven Eindruck.

Kurz darauf besorgte ich mir, gewissermassen auf Vorrat, die siebenbändige Zusammenstellung ausgewählter Jüngel-Predigten (mehr dazu hier). Zugegeben: Komplett gelesen habe ich die Bände noch nicht – aber ich nehme sie immer wieder einmal zur Hand, wenn der Anlass es gebietet. Und heute ist, habe ich entschieden, solch ein Tag.

Was also hat der begnadete Dogmatiker und ebenso begnadete Prediger Jüngel zu Ostern zu sagen?

[… D]ie Ostergeschichte sollte in der Tat jedermann, sollte die ganze Welt zum Lachen reizen. Man kann sich mit ihr gar nicht ernsthaft, gar nicht sachgemäss befassen, ohne angesteckt zu werden von dem befreienden Lachen, zu dem Gott diese von Todeskrämpfen bedrohte Welt am Ostermorgen provoziert hat. […] Ja, selbst die Verneinung, selbst die Ablehnung der Osterbotschaft geht nicht ohne Gelächter ab. Die Situation ist nun einmal grotesk. Sie reizt zum Lachen: die einen, weil es für sie einfach lächerlich ist, dass ein Toter leben soll; die anderen, weil ihr Glaube begriffen hat, dass der Tod wenigstens für dieses eine Mal unsterblich blamiert worden ist. Und einmal unsterblich blamiert heisst für immer blamiert.

Doch merkwürdig: Das Gelächter des Unglaubens über die Ostergeschichte ist weithin zu hören. Es kichert in allen möglichen und unmöglichen Ecken der Welt. Doch vom Ostergelächter der Christen hört man wenig oder nichts. Statt dessen hört man viel Gezänk und Nörgelei rund um die frohe Nachricht von der Auferstehung Jesu Christi herum. Anstatt sich des lebendigen Herrn zu freuen, möchte man lieber beweisen, dass er wirklich nicht tot ist, möchte man das Groteske der Situation aus der Welt schaffen und gar zu gern einen Tatsachenbeweis dafür liefern, dass Jesu Leib am Ostermorgen tatsächlich nicht im Grabe lag. Man interessiert sich weit mehr für das leere Grab als für den auferstandenen Herrn und den auferweckenden Gott.

(Aus: Jüngel, Eberhard: Predigten [Band 2: Geistesgegenwart], Radius-Verlag, Stuttgart 2003, 89f. – die Osterpredigt, aus der das Zitat stammt, findet sich auf S. 88-94)

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein frohes Osterfest! Vergessen wir das Lachen nicht, besonders heute – wir haben allen Grund dazu.

Übrigens: Zu diesem Thema findet sich im aktuellen “reformiert” ein lesenswertes Interview mit Prof. Pierre Bühler (online hier abrufbar). Entgegen aller Vorurteile sind es offenbar ausgerechnet die Dogmatiker, die das Lachen kultivieren.

Auf dem Holzweg – zu Karfreitag

By , 06/04/2012 01:56

Über das Weihnachtsereignis kann jeder, aber auch wirklich jeder schreiben. Christkind, Friede auf Erden (und den Menschen ein Wohlgefallen), Lieder aus, eigentlich, längst vergangenen Tagen – es gibt kaum eine Menschenseele, die von Weihnachten nicht auf die eine oder andere Weise angesprochen und berührt ist.

Bei Karfreitag und Ostern liegen die Dinge ein wenig anders. Sperrig ist die Botschaft, missverständlich (und umstritten) der Sündenbegriff, schwer nachvollziehbar die Notwendigkeit des Sühnetods, unangenehm die Gewalt – und dann erst: Auferstehung von den Toten? Schwierig. Auch ich, das gebe ich unumwunden zu, arbeite mich daran noch ab, in der Hoffnung, irgendwann in eigenen Worten davon schreiben und reden zu können, was Karfreitag und Ostern für mich, für Sie, für uns bedeuten können. Bis es so weit ist, überlasse ich das Feld denjenigen, die hierin erwiesenermassen kompetenter sind.

Der Theologe, Pfarrer und Dichter Lothar Zenetti ist, daran besteht kein Zweifel, solch ein Mann. Er stellt in seinem aktuellen Gedichtband, “Auf Seiner Spur”, den ich nur empfehlen kann, einen ganz besonderen inneren (oder äusseren?) Zusammenhang in der Lebensgeschichte Jesu dar, der das zarte Weihnachten mit dem ruppigen Karfreitags-Geschehen verbindet – und er tut dies noch dazu mit wohltuender Leichtigkeit:

Der Holzweg

Zugegeben,
wir sind auf dem
Holzweg,
wenn wir ihm folgen.

Auf diesem mühsamen Weg
vom Holz der Krippe
im ärmlichen Stall
zum Holz des Kreuzes,
dem Marterpfahl,
an dem er litt.

Dazwischen
der harte Alltag des
Zimmermanns: Holz,
Balken und Latten ringsum.
Bretter, die die Welt
bedeuten. Das war
seine Welt. Holzgeruch
über Jahre hin.

Und nun also ich:
mit dem Brett
vor dem Kopf und dem
Balken im Auge.
Und ich (lacht nur),
ich will ihm nachgehn.

(aus: Lothar Zenetti: Auf Seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht, © Matthias-Grünewald-Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2011, S. 108 – unter der ISBN 978-3-7867-2878-8 zu einem Preis von Euro 14,90 im Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich.)

Es ist ein kleines, ein zaghaftes, ein “minderwertiges” Nachgehen, natürlich, mit beschränkten, halt eben menschlichen, Möglichkeiten – am Holzstock gewissermassen. Aber kommt es am Ende nicht auf den Willen an?

Ihnen allen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich einen besinnlichen Karfreitag.

An dieser Stelle möchte ich dem Matthias-Grünewald-Verlag (zu dem, wenn ich das so sagen darf, das Holz-Motiv ganz gut passt) ein Kränzchen winden. Am Dienstag, 3.4., hatte ich dort um 13.31 Uhr angefragt, ob sie mir das Wiedergaberecht für obenstehendes Gedicht erteilen würden – bereits 19 Minuten später lag die Genehmigung vor. Herzlichen Dank für beides: Genehmigung und Tempo!

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