Zuspruch und Wirklichkeit

By , 22/07/2012 08:58

Zeichnen konnte ich nie – das ist, ob ich will oder nicht, eine Tatsache. Ich habe Kindheitswerke von mir im Keller liegen, die Sie sich weder vorstellen können noch vorstellen wollen. Und doch hätten mir meine Eltern nie direkt gesagt, dass ich ein mieser Zeichner bin. Im Gegenteil, manchmal erhielt ich sogar ein kleines Lob für meine Kritzeleien. Wenn man das Gegenüber gern hat, drückt man halt das eine oder andere Auge zu und ist man bereit, den Anspruch, die Erwartungen zu senken. Das ist schön – macht die bewertete Leistung aber nicht besser.

Deshalb: Denkt daran, liebe Mitstudentinnen und Mitstudenten an der Theologischen Fakultät, wenn auch Ihr regelmässig Bestnoten bekommt: Die Damen und Herren Dozenten mögen uns wahrscheinlich “nur” – richtig gut sind wir deswegen (erwiesenermassen) noch lange nicht.

Auf leisen Sohlen

By , 17/07/2012 05:22

Noch einmal zu meiner Philosophiearbeit, die ich in der Stille einer Jugendunterkunft vorangetrieben habe – und damit zu einem weiteren Bilderrätsel:

Der Autor, mit dem ich mich in der Arbeit beschäftigte, ist im folgenden Bild, ich möchte erwähnen: im übertragenen Sinne, dargestellt. Um wen handelt es sich?

Schlapphut

Ein paar Hinweise für die Weisheitsliebenden:
1. Ist Philosoph, aber auch Theologe – allerdings von der anderen “Partei”.
2. Würde sich als Person bezeichnen. Definitiv.
3. “Schlapphut” wäre, theoretisch, möglich. Weiteres mit “S”?

Die Lösung sieht, wer den Text innerhalb der eckigen Klammern durch Markieren lesbar macht.

[wir sehen einen (Tür-)Spion, d.h. einen Spaemann

Robert Spaemann, geb. 1927 / zu den Hinweisen:
1. Studierte u.a. auch katholische Theologie.
2. Beschäftigte sich intensiv mit dem Personbegriff, z.B. in “Personen. Versuche über den Unterschied zwischen ‘etwas’ und ‘jemand'”. Diesem gemäss sind ausnahmslos alle Menschen Personen (im Gegensatz etwa zu Peter Singers Konzeption, nach der, vereinfacht gesagt, weder alle noch ausschliesslich Menschen Personen sind).
3. Ist nun klar, nicht?
Das Bild zeigt das ausgeklügelte Überwachungssystem meiner Wohnung.
]

Wird bei Gelegenheit fortgeführt.

Geschüttelt und gerührt

By , 12/07/2012 06:13

Ich war ja nicht immer Theologiestudent und kirchenverständig. Unter uns: Ohne sanften Druck wäre nichts gewesen mit kirchlicher Sozialisation. Während ich die Sonntagsschule, jeweils, doch!, dienstags stattindend, ganz gerne besuchte (als Primarschüler ist man ja zumeist pflegeleicht), musste ich mich stellenweise überwinden, die Jugendgottesdienste – damals arglos “Jugo” genannt – zu besuchen, und auch die für die Konfirmation vorausgesetzten zwölf, oder waren es fünfzehn?, Gottesdienstbesuche hinzubekommen, fiel mir nicht leicht. Als mein Konf-Pfarrer vorschlug, gemeinsam ein Konzert des lokalen Ten Sings zu besuchen, und uns wissen liess, wir könnten diesen Abend umstandslos als Gottesdienst-Äquivalent anrechnen lassen, stand deshalb fest: Ich bin dabei!

Ein paar Wochen nach jenem 24.9.1995 war ich dann, begeistert vom Gesehenen und Gehörten, wirklich dabei – als Mitglied. Gut fünf Jahre war ich im Ten Sing aktiv, und in dieser Zeit habe ich einige Highlights meiner Jugend, und irgendwie auch meines Lebens, erleben dürfen. [1] Die Chorproben gehörten dazu, das Theaterspielen, klar, besonders natürlich die Auftritte – auf der grossen 1997er Tournee, auf die ich noch zu sprechen kommen werde, war auch ein Soloauftritt darunter: mit “All Shook Up” von meiner Jugend- und Immer-noch-Liebe Elvis. [2] Meine Eltern hatten mir hierzu übrigens ein schweineteures, gelbes Jackett gesponsert, das den berühmten Gold-Lamé-Suit imitieren sollte. Im Nachhinein hochnotpeinlich. Aber eben auch schön.

Eine herrliche Zeit war das! Besonders die acht Tage vom 12. bis 19. Juli 1997 (Daten, an die ich mich auch heute noch ohne Nachschauen erinnere): Im Rahmen unserer Tournee mit dem Programm “Life on Stage” verbrachten wir eine grossartige Woche in süddeutschen Landen. Heute auf den Tag vor fünfzehn Jahren ging es los! Untergebracht in Eberstadt, absolvierten wir in jener Woche insgesamt vier Auftritte mit unserer gut zweistündigen Show: in einem Jugendgottesdienst in Stetten am Morgen des einen Tages (hier nur ein paar wenige Lieder), am Abend dann im Martin-Luther-Haus in Schorndorf, später in der Woche auf dem Marktplatz unseres Herbergsortes Eberstadt und zuletzt im Freizeitheim “Alte Säge” in Breitenberg (nahe Hermann Hesses Calw). Besonders an letztgenanntem Ort wurden wir vom jungen Publikum, Ferienlager-Jugendlichen, wie veritable Stars bejubelt. Wir mussten nach den Zugaben, die wir, angesteckt von der Stimmung, allesamt viel zu schnell sangen, sogar Autogramme geben, und ich war sogar, echt jetzt!, in der privilegierten Lage, ein kleines, abgeliebtes Plüschtier entgegennehmen zu dürfen. [3]

Sie ahnen es: Für mich, damals eine Rampensau vor dem Herrn (oder Herrn?), bedeuteten die Holzbretter der Bühnen in Ebnat-Kappel, Vaduz, Greifensee, in der deutschen Provinz, in Dietikon und in “unserem” Dübendorf – später dann, mit einem anderen Programm, Zürich und wiederum Dübendorf – für jeweils zwei Stunden tatsächlich, der Redewendung entsprechend, die Welt.

Ich habe dem Ten Sing viel zu verdanken: Wo wäre ich als sing-, spiel-, schreibbegeisterter Jugendlicher (wir unterhielten mit dem “Neuen NotenSpalter” eine Vereinszeitschrift, die eine rechte Zeit lang monatlich erschien und für den ich fleissig Berichte und, noch fleissiger, Unfug schrieb [4]) besser aufgehoben gewesen als unter sich selbstorganisierenden Gleichgesinnten, die in einem wohlwollenden Umfeld nach dem Trial-and-Error-Prinzip unendlich viel ausprobieren konnten – immer von einer grossartigen, da geduldigen und von sich aus nichts fordernden Kirchenpflege unterstützt und “gedeckt”? Ich war vielleicht nie freier als damals – und bin heute überzeugt, dass diese Erfahrung den Nährboden für meine spätere neuerliche Annäherung an die Kirche schuf.

Den Ten Sing Dübendorf, der zu Hoch-Zeiten vierzig oder mehr Mitglieder hatte, gibt es längst nicht mehr. Vereine und andere Freiwilligen-Gruppen stehen und fallen mit den Menschen, die sich dafür interessieren und begeistern lassen und vielleicht sogar bereit sind, Verantwortung für Gesamtbelange zu übernehmen. Manchmal ist es auch gut, wenn etwas stirbt und dafür etwas anderes wächst. Alles hat, wie es so schön heisst, seine Zeit.

Ich bin jedenfalls dankbar dafür, dass ich damals, als die Zeit des Ten Sings war, dabei sein durfte, als ein Rädchen im grossen Motor. Und ich wünsche allen Jugendlichen, dass sie eine Freizeitbeschäftigung ausüben dürfen, die sie so begeistert und absorbiert, wie dies bei mir, bei uns der Fall war – und dass sie darin ähnlich bestärkt werden und sich einer ähnlichen Unterstützung gewiss sein dürfen wie ich, wie wir damals. Vielleicht ebenfalls von Seiten einer Kirchgemeinde, die ihre Jugendangebote nicht am Reissbrett konzipiert, sondern, im für alle Seiten besten Fall, minimal-invasiv fördert, was von der Zielgruppe gewünscht wird – auch, oder ganz besonders dann, wenn es sich dabei um Kirche an der Peripherie handelt.

[1] Sind, bei Lichte betrachtet, Jugendhighlights nicht immer Lebenshighlights?
[2] Die Aufmerksamen unter Ihnen haben im verlinkten Kinderzimmer-Bild, um 1998 entstanden, auch das Pult entdeckt, von dem hier die Rede war. Die Posters habe ich übrigens nicht mehr. (Ach ja, und: Die Überschrift dieses Eintrags versucht, wie Sie vielleicht gemerkt haben, den Elvistitel aufzunehmen.)
[3] Nein, als Pfarrer werde ich solcherlei kaum erleben.
[4] Übrigens, liebe Kolleginnen und Kollegen: Mir fehlen in meiner Sammlung die Ausgaben 3/1997, 4/1997, 8/1997 und 7/1998 (falls es die letztgenannte überhaupt gab). Könnte wohl jemand mit Kopien aushelfen?

Gewidmet all denen, die sich damals für unseren Ten Sing einsetzten. Und denen, die Jugendarbeit, heute und morgen, immer von den Jungen und deren Bedürfnissen her denken.

Stille nach dem Sturm

By , 10/07/2012 08:49

Nirgends könnte es stiller sein als dort, wo gewöhnlicherweise gejubelt und getrubelt wird. Wenn das Laute sich von jenen Orten verzogen hat, bleibt eine Ruhe zurück, die grösser ist als andere, fest etablierte Ruhen. Der Kontrast macht es aus. So rückte ich, einfacher Gefreiter, zu WK-Zeiten sonntagabends jeweils ein paar Stunden früher als verlangt wieder ein, um in der Unterkunft, an dem Ort, an dem es dann eine Woche lang laut sein würde, noch einmal durchzuatmen. [1] Und genauso habe ich letzte Woche im Klassenlager die Nächte genossen: Ich traf zwar erst am Mittwochnachmittag in Appenzell ein, doch die beiden Nächte, die ich da verbrachte, gehören zu den stillsten seit Monaten – naja: als dann endlich Ruhe eingekehrt war auf den Gängen. Die Phase von Mitternacht bis zwei Uhr morgens habe ich zweimal sinnvoll genutzt, ungestört, in völliger Stille: dafür, an einer Philosophie-Proseminararbeit weiterzuschreiben, die sich zu Hause noch sehr erfolgreich gegen mich gesträubt hatte (oder war es umgekehrt?). Am Samstag musste ich nur noch ein bisschen daran feilen, mittlerweile ist sie eingereicht – die letzte kleine Arbeit meines Bachelorstudiums.

Nun steht lediglich noch die Bachelorarbeit aus. Um auch hier nichts anbrennen zu lassen und konzentriert ans Ziel zu kommen, sollte ich mich vielleicht darum bemühen, sie in der nächtlichen Stille des Höbs Zürich-Kloten schreiben zu dürfen.

[1] Das Verb “durchatmen” ist hier im übertragenen Sinn zu verstehen. Wer einmal für längere Zeit unter der Erdoberfläche wohnte, weiss das.

KOrporate Identity

By , 06/07/2012 05:38

Wir Reformierten sind, entgegen landläufiger Klischees, ein lockeres, zutiefst entspanntes Völklein. Immer? Nicht immer – aber in der Regel. Belege gefällig? Hier, die Kirchenordnung der Zürcher Landeskirche:

a. Aufgenommene, die noch nicht getauft sind, empfangen als Zeichen ihrer Zugehörigkeit zur Gemeinde Jesu Christi in der Regel die Taufe. (Art 25. Abs. 3 KO)

b. Pfarrerinnen und Pfarrer tragen in der Regel den Talar. (Art. 36 Abs. 4 KO)

c. Im Gottesdienst werden in der Regel die Zürcher Bibel und das Gesangbuch der Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz verwendet. (Art. 37 Abs. 1 KO)

d. Die Taufe findet in der Regel in einem Gemeindegottesdienst statt. Die Gemeinde bezeugt durch ihre Anwesenheit ihre Mitverantwortung für das Leben der Getauften und nimmt sie in ihre Fürbitte auf. (Art. 46 Abs. 1 KO)

e. Das Abendmahl wird in der Regel zwölf Mal im Jahr gefeiert, namentlich an Weihnachten, Karfreitag, Ostern, Pfingsten, am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag sowie am Reformationssonntag. (Art. 50 KO)

f. Es ist die Regel, dass die Konfirmandinnen und Konfirmanden getauft sind. (Art. 78 Abs. 2 KO)

Erkennt man uns (Zürcher) Reformierte tatsächlich an der Ausnahme, die die Regel bestätigt? Oder ist diese Beobachtung bereits zu absolut gesetzt – und gilt nur in der Regel?

Fortsetzungen folgen.

Nebensaison

By , 02/07/2012 10:05

Das Hobby zum Beruf zu haben und den Beruf zum Hobby, kann gefährlich sein. Das dürften all diejenigen bestätigen können, die nicht wissen, wann genug ist. Aber nicht ausbrennen möchte ich, sondern brennen für etwas. Das setzt genügend Sauerstoff-Nachschub voraus, und den hole ich mir beim freien Schreiben, hie und da – und, immer, in der Musik: ich höre sie, ich sammle sie, und seit Frühling spiele ich sie auch wieder.

Meine Gitarre, logisch: Holz!, ist zum Glück genauso geduldig wie meine Nachbarn: immer wieder einmal ein unreiner Akkord? Wird verziehen. Sonntägliches Üben? Passt schon. Ein Weihnachtslied im Sommer? Nur zu. Und so kann es vorkommen, dass ich, wenn mir das aufgegebene Übungsmaterial fad wird, in Eigenregie ein paar schöne 3/4- bzw. 6/8-Zupfmuster einstudiere. Anhand von “Stille Nacht”. An einem Sonntag. Im Juli. [1]

Aber – abgesehen davon, dass Weihnachten für mich sowieso immer “stattfindet”: Solcherlei antizyklisches Verhalten ist wohl auch angezeigt, wenn es an Heiligabend etwas werden soll mit dem Einmannorchester vor versammelter Familienschar. Man will sich ja nicht blamieren!

[1] Ich befinde mich damit immerhin in bester Gesellschaft: Gordon Lightfoot hat seinen “Song for a Winter’s Night” ja auch, “leichtfüssig”, wie es der Name sagt, eines stürmischen Juliabends geschrieben, Elvis “Blue Christmas” u.a. einmal an einem Konzert im Memphis-Juli gesungen. (Naja: “Juli” und “Yuletide” – passt eigentlich bestens!)

Paradiesgärtlein

By , 26/06/2012 09:13

Wer oder was ist hier, ich möchte erwähnen: im übertragenen Sinne, dargestellt?

Paradiesgärtlein

Ein paar Hinweise für die Harten:
1. Johann Arndt ist nicht die gemeinte Person.
2. Joh 11,4
3. Oft getarnt, oft gedeckt

Die Lösung sieht, wer den Text innerhalb der eckigen Klammern durch Markieren lesbar macht.

[wir sehen einen Kierkegaard

Søren Kierkegaard, 1813-1855 / zu den Hinweisen:
1. Gesucht ist eine Person.
2. Autor von, u.a., “Die Krankheit zum Tode”
3. Publizierte oft unter Pseudonymen
Das Bild zeigt übrigens einen Teil des “Kirchengartens” Bubikon.
]

Wird bei Gelegenheit fortgeführt. (Momoll.)

…denn “amoi gengan alle Türln zua”

By , 21/06/2012 12:10

Dass man sich auch in jungen Jahren mit dem Tod auseinandersetzt, war für mich immer selbstverständlich. Deshalb bin ich jeweils überrascht, wenn Gleichaltrige, aber auch Ältere als ich, eines Tages urplötzlich, Knall auf Fall, realisieren, dass auch sie einmal gehen müssen. Das Leben ist ohne Freund Hein, den gehassliebten, hassgeliebten Sensenmann, doch gar nicht denkbar!

Der österreichische Dichter und Liedermacher Georg Danzer hätte mir vermutlich zugestimmt. Schon als 29-Jähriger stellte er sich das eigene Sterben und den Verdruss darüber in einem hinreissenden kleinen Lied vor, in schönster Wiener Mundart:

Des kaun do no ned ollas gwes’n sein

Des kaun do no ned ollas gwes’n sein,
da war do no was, des wass i ganz genau.
Z’erst kummst auf die Welt,
und dann sollst wieder geh’ –
grad dann, wannst glaubst,
es fangt erst ollas au.

Des kaun do no ned ollas gwes’n sein,
na, na, des kaun i afoch ned glaubn.
Oder sollt’ i vielleicht,
oder sollt’ i vielleicht
zum Leb’n vergessn hab’n?

(Text und Musik: Georg Danzer, Rechte: Edition Giraffe, Wien; zu finden auf dem Album “Ollas leiwand” [ugs. “alles super”] aus dem Jahr 1975)

Vielleicht auch aus diesem Geist heraus, im Wissen um die eigene Endlichkeit, veröffentlichte Georg Danzer in den vier Jahrzehnten seines Schaffens Album um Album, über weite Strecken im Jahrestakt. Sein Werk auf einen Nenner zu bringen, scheint mir dabei unmöglich. Jedenfalls ist es nicht recht, ihn auf den lustigen Austropop-Schurli zu reduzieren, als der er oft gesehen wird: Im Laufe der Zeit hat er dermassen vieles besungen, in so verschiedenen Facetten und Farben, mal so zart wie überhaupt nur möglich, mal mit hintergründigem Humor, mal kraftmeierisch und derb… Längst nicht jedes Lied gefällt mir, oder zumindest nicht zu jeder Zeit – aber im Bereich des Persönlichen, das Existenzielle Betreffenden, manchmal nahe an der Schmerzgrenze, ist Danzer für mich unschlagbar. [1]

Die bittersüsssaure Ironie des Schicksals war es auch: Als Danzer den Titel “A letztes Liad” veröffentlichte, wollte der Schreiber/Sänger damit lediglich seine neueste Platte ausklingen lassen. Doch es kam anders: Das “letzte Lied” wurde sein allerletztes, finales – “i muass jetzt geh, s’tuat ma lad, es war scheh!” [2]

Heute vor fünf Jahren, am 21.6.2007, ist Georg Danzer verstorben.

Um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen: “zum Leb’n vergess’n”, oder hat das stetige Todes-Gedenken geholfen, das Dasein bewusst auszufüllen? “Ehrlich gesagt, ich habe so viel vom Leben gekriegt, dass ich es nicht adäquat finde, mehr zu verlangen.” [3]

Ich bin dankbar, Danzer wenigstens einmal live erlebt zu haben: am 26.7.2003 im Rahmen von “Live at Sunset” im Hof des Landesmuseums Zürich (hier gibt es Fotos), als ein Drittel von Austria 3, mit seinen Spezis Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich. Einen anderen, wenn auch postumen Auftritt habe ich ihm verschafft: in Fussnote 8 einer Ethik-Proseminarbeit.

[1] Ich denke hier an Lieder wie “Der Tschik”, “Lass mi amoi no d’Sunn aufgeh’ segn”, “Die Freiheit”, “Stau auf da Tangenten” oder “Sie”.
[2] Aus: “A letztes Liad”, Text und Musik: Georg Danzer, Rechte: Edition Giraffe, Wien; zu finden auf dem Album “Träumer” aus dem Jahr 2006. Auch die Titelzeile dieses Eintrags ist diesem Lied entnommen:
“Amoi kommt die letzte Überfuhr,
amoi hat a jeder Trottel gnua,
amoi gengan alle Türln zua,
und ma is a klana Bua,
hat nix zum Verliern.”

Auch wenn das Album mehrere Lieder enthält, die ums Sterben, den Abschied, den Tod kreisen: Danzer wusste zur Zeit der Aufnahmen noch nichts von seiner schweren Krankheit. Das Thema “Leben” beschäftigte ihn tatsächlich einfach sehr.

[3] Zitiert aus dem (viel zu kurzen) Interviewbuch “Jetzt oder nie”, Georg Danzer im Gespräch mit Christian Seiler, Amalthea Signum Verlag, Wien 2006, S. 119.

Durch die Mitte

By , 19/06/2012 08:58

“Und wieder einmal neigen sich Semesterferien dem Ende zu”, schrieb ich vor gut vier Monaten. Seit letzter Woche gilt: Das vierzehnwöchige Veranstaltungsintermezzo und die anschliessende Prüfungszeit sind vorbei, “und schon wieder haben wir Semesterferien”. Läppische drei Vorlesungen habe ich zuletzt noch besuchen müssen, um mein Bachelor-Konto zu füllen (die Bachelorarbeit steht aber noch aus), eine einzige Prüfung nur galt es zu schreiben – und doch bin ich müde.

Müde einerseits wegen des kirchenpolitischen Begleitprogramms des vergangenen Halbjahres, das viel Zeit und Gehirnschmalz forderte. Anderseits, und gewiss vor allem, auf dieselbe Art müde wie der schwimmende Seeüberquerer in der Mitte des Gewässers: Das Ufer, an dem er losschwamm, mag ja schon weit weg sein – die Strecke, die vor ihm liegt, ist noch einmal ganz genau so lang, und die Bewegungen sind immer dieselben und die Muskeln müde und das Wasser kalt. Zurück? Bringt doch nichts! Nach vorne? Klar! Aber eben: Das dauert. Die Mitte des Sees, sinnbildlich gesprochen, habe auch ich jetzt erreicht: Sechs Semester liegen hinter mir, bestimmt noch einmal sechs Semester (inkl. des kirchlich organisierten Praxissemesters) vor mir. Zu senior für die Anfängersachen, zu junior für grössere Unternehmungen und für den Abschluss sowieso – mittendrin halt.

Da gibt es nur eines: zügig die ausstehende Philosophie-Proseminararbeit schreiben, dann Vorbereiten und zumindest Inangriffnahme der Bachelorarbeit – und im Herbst ab ins Praxissemester, will heissen: hinaus (bzw. hinein) in die Mikrokosmoi Kirchgemeinde und Altersheim. Auf das Uni-lose, dafür praxisrelevante(re) Halbjahr freue ich mich. Und wenn alles gut geht, werde ich danach gewiss frischen Geistes an die Fakultät zurückkehren, mit einem Zielufer – dem Pfarramt, so hoffe ich – vor Augen, das noch heller leuchtet und stärker anzieht als bis anhin schon. Dann fällt der Schwumm dahin auch automatisch wieder etwas leichter.

Geschenkidee

By , 14/06/2012 09:36

Vorhin auf Twitter gesehen:

Losungen schenken

Danke der Nachfrage – mir nicht. Ich weiss ja, wo das endet.

(Kritische Geister ahnen, dass das Zitat aus dem Zusammenhang gerissen bzw. der zweite Teil eines Doppel-Tweets ist – ähnlich dem hier, das ich am 4.5.2012 abgespeichert habe.)

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