Scheint klar

By , 14/11/2012 08:02

Wer oder was ist hier, ich möchte schon wieder erwähnen: im übertragenen Sinne, dargestellt?

Schien klar

Ein paar Hinweise zur Erhellung:
1. Wurde in Bologna und Stuttgart “gezogen”
2. Präzisiert: gräzisiert
3. Die Frau blieb, als sie Witwe geworden war, dem Milieu treu. Auch beim zweiten Mal.

Die Lösung sieht, wer den Text innerhalb der eckigen Klammern durch Markieren lesbar macht.

[wir sehen eine Oekolamp a.D.

Johannes Oekolampad, 1482-1531 / zu den Hinweisen:
1. Studierte ebendort
2. Hiess ursprünglich Johannes Heussgen (“Hausschein”)
3. Wibrandis Rosenblatt heiratete nach Oekolampads Tod zunächst Wolfgang Capito, nach dessen Tod wiederum Martin Bucer. Damit war sie, hintereinander, die Ehefrau dreier Reformatoren.
Die gezeigte Kerze habe ich einzig und allein für diesen Blogbeitrag gekauft und abbrennen lassen. Ich bitte dies zu würdigen.
]

Wird bei Gelegenheit fortgeführt.

Innen und aussen

By , 09/11/2012 04:36

Gestern Donnerstag, in der Zehn-Uhr-Pause: Zwei Sek-B-Schüler diskutieren darüber, wie die Bibel wohl entstanden sei und was es mit der Gottheit Jesu und den Wundern auf sich habe, und wollen auch von mir, pausenaufsichtshalber in der Nähe stehend, Einiges dazu wissen. [1] Besonders einer der beiden, ein stolzer Katholik, fällt durch seine blitzsaubere Argumentation und seine wachen Fragen auf. Dahinter muss eine durchwegs gelungene Katechese, privat und/oder institutionell, stecken. Ich bin beeindruckt.

Am Nachmittag desselben Tages, in einem Seminar an der Fakultät: Eine Studentin der Religionswissenschaft lässt verlauten, das sogenannte “christliche Menschenbild” sei nicht per se ein christliches, sondern werde auch von “normalen Menschen” geteilt. Freud hätte seine Freude, und auch wir Theologiestudenten lachen mit über die sprachliche Unaufmerksamkeit im Eifer des Gefechts.

An diesen Beispielen lässt sich zweierlei ablesen: Man kann, frei nach Watzlawick, nicht keine Haltung zur Religion und zu gläubigen Menschen haben – und bisweilen legt ein vierzehnjähriger Innenperspektivler eine grössere Differenziertheit an den Tag als jemand, der sich der beobachtenden Distanz rühmen möchte.

[1] Ich nehme an, sie sehen mich in der Rolle des Lehrers, denn ich oute mich weiterhin nicht als angehender Pfarrer. Nicht auszuschliessen allerdings, dass die Schüler mich einmal geguglt haben.

Personal-Wesen

By , 04/11/2012 17:26

Ich würde ja gerne einfach studieren und etwas Geld verdienen daneben. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist mein Beruf – und deshalb habe ich das Personalwesen vor dreieinhalb Jahren ja hinter mir gelassen.

Und jetzt?

Jetzt stehen zunächst einmal zwei Tage an, die gut ausgefüllt sind mit Probevorlesungen von Bewerbern auf den Zürcher Lehrstuhl für Systematische Theologie. Diese Vorlesungen und die jeweils daran anschliessenden Gespräche werde ich als Studentenvertreter begleiten und am Dienstagabend in der Fakultätsversammlung mitbewerten. (Genau: Nicht nur in den USA wird in der Nacht auf Mittwoch gewählt!)

Und dann: zurück zum studentischen Kerngeschäft, konkret: der ausstehenden Seminararbeit? Nein:

Schon am Mittwoch geht es weiter in der eingeschlagenen Richtung, mit Bewerbungsgesprächen in meiner Kirchgemeinde: Wir suchen eine Hauswartin, einen Hauswart für unser Oekumenisches Zentrum.

Und weil aller guten Dinge drei sind, besuche ich am Freitag mit der Klasse den Lehrlingswettbewerb

Es scheint zu gelten: einmal Personalwesen, immer Personal-Wesen.

Aber es ist und bleibt halt auch einfach, und deshalb melde ich mich auch weiterhin gerne für Aufgaben in diesem Bereich, ein interessantes Metier!

Vertrauen in den Zeiten des Cholerab

By , 29/10/2012 16:08

“Vorbeugen ist besser als heilen” – das finden bekanntlich selbst wir vertrauensseligen Kirchenleute. In den vergangenen drei Wochen galt auch bei mir höchste Sicherheitsstufe. Nicht auszudenken, das Tagewerk bzw. Untertage-Werk wäre über Nacht von der Festplatte verschwunden, oder der Laptop und der allabendlich ausgedruckte “Stand der Dinge” hätten sich bei einem Wohnungsbrand beide in Nichts aufgelöst!

Aber ich habe den Gratis-E-Mail-Account meiner Jugend ja nicht allein aus Nostalgiegründen behalten. Zur Archivierung von “hot mails” eignet er sich weiterhin bestens:

Mails oben
Mails unten

Und – ja: Wäre damals schon absehbar gewesen, dass ich davon einen Screenshot online stelle, hätte ich die Klammer im Betreff des E-Mails vom 26.10.2012, 6.45 Uhr, bestimmt, wie es sich gehört, geschlossen

Den Titel dieses Beitrags muss ich nicht erklären, oder?

In trockenen Tüchern

By , 29/10/2012 12:27

Drei Tage lang soll Jona im Bauch des Fisches gewesen sein, bevor er wieder aufs Trockene gespieen wurde. Ganze drei Wochen verbrachte ich in den Eingeweiden der Zentralbibliothek. Nun ist es bereits vollbracht: Die Bachelorarbeit, für die ich mindestens die doppelte Schreibzeit veranschlagt hatte, steht nicht nur seit heute – sie liegt mittlerweile auch schon beim Dozenten. [1]

Das war, wie man sich denken kann, eine intensive Zeit. Wer gerne ausgiebig schläft, sollte sich ebensowenig ein Vorbild an mir nehmen wie diejenigen, welche nicht eine bessere Hälfte haben, die selbst viel rackert und also das nötige Verständnis für solcherlei Übungen mitbringt.

Ich freue mich jedenfalls, diese Arbeit noch vor dem Kirchgemeinde-Modul des Praxissemesters und zudem noch einiges früher als geplant abgeschlossen zu haben; die dadurch “gewonnene” Zeit werde ich nun in eine Master-Seminararbeit investieren. Wenn ich schon im richtigen Modus bin…

[1] Ich habe mich von den Kommentatorinnen und Kommentatoren in diesem Blog davon überzeugen lassen, dass ich die weitestverbreitete Schreibweise für den “Streit um das Apostolikum”, “Apostolikumstreit” (ohne Binnen-S), verwenden sollte. Vielen Dank für Euren Gegenwind!

Credorische Streitfrage

By , 22/10/2012 12:55

Seit genau zwei Wochen schreibe ich nun im Schweisse meines Angesichts an meiner Bachelorarbeit, sechs Tage pro Woche von früh bis spät in der ZB, sonntags zu Hause – und das Zwischenergebnis kann sich, wie ich finde, sehen lassen. Schon erstaunlich, was möglich ist, wenn man sich einmal nicht ablenken lässt von dem, was an der Oberfläche geschieht (und allmorgendlich anständig behemdet die Wohnung verlässt, um sich selbst zu signalisieren: Das Ganze ist ein Job und kein Akt der Selbstverwirklichung).

Ich komme also ganz gut klar.

Aber wenn hier schon immer wieder auch Theologinnen und Theologen lesen, wäre ich dankbar, wenn ich etwas theologisches Kernwissen abzapfen dürfte: Kann mich wohl jemand von Ihnen und Euch verbindlich wissen lassen – ob es Apostolikumstreit oder Apostolikumsstreit heisst?

Ich tendiere deutlich zu letzterem, bin aber verunsichert dadurch, dass ausgerechnet die Standardlektüre zum Thema und die RGG zu einem anderen Schluss kommen.

Titelträume

By , 17/10/2012 06:40

Wenn ich mich eh schon durch die Bücher kämpfe, kann ich, dachte ich mir, gleich auch über dieselben gehen. Und so habe ich letzte Woche all meine bisher erworbenen Kreditpunkte zusammengekratzt, mir auf die Schulter geklopft – und den Antrag auf Studienabschluss eingereicht. Der Antrag steht zwar noch unter dem Vorbehalt, dass die Bachelorarbeit bis Ende des Semesters fertig ist und auch tatsächlich angenommen wird; an beidem zweifle ich nach der ersten Schreibwoche, die ebenso speditiv wie konzentriert verlief, aber nicht im Geringsten.

Schon bald also kann ich mich “Bachelor in Theologie” nennen. Werde ich aber nicht tun, denn der Titel ist in der Praxis – Kirche, Universität, ausserhalb – und in meinem eigenen Verständnis soviel wert wie fast jeder andere Bachelorabschluss auch: nichts. Und das zu Recht. Aber ich benötige das Zeugnis halt, um in ein paar Semestern den Masterabschluss zu beantragen. (Dieser zählt dann wenigstens in Kirche und Uni etwas.)

Drei gewinnt

By , 12/10/2012 06:31

Für die erste Taufe wurde ich schon vor einiger Zeit angefragt. Ich musste absagen – war und bin noch nicht so weit. Diese Woche nun die Anfrage einer ehemaligen Arbeitskollegin, ob ich wohl sie und ihren Freund trauen könne. Wieder: “noch nicht”. Irgendwann werde aber auch ich schwach, und so steht für mich fest: Der Erste, der mich wegen einer Abdankung anfragt, bekommt eine Zusage!

Underground theology

By , 09/10/2012 06:48

Die sieben Wochen bis zum Beginn des Kirchgemeinde-Moduls des Praxissemesters werden es in sich haben: Ich will in dieser Zeit, endlich!, meine Bachelorarbeit schreiben. Das wird eine intensive Angelegenheit – und eine düstere noch dazu: Weil die Zentralbibliothek Publikationen, die über hundert Jahre alt sind (was bei Quellentexten im Bereich der Kirchengeschichte rasch der Fall ist), lieber nicht ausleiht, leiste ich seit gestern und bis auf Weiteres fünf-, sechsmal pro Woche aktiven Bücherbesuchsdienst im Keller der ZB. Das Positive daran: Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass ich dort, in der Abgeschiedenheit von Magazin null-vier, die Ruhe finde, die ich für eine solche Arbeit benötige.

In eigener Sache: Lokalzeitung berichtet

By , 05/10/2012 11:32

Viel habe ich schon selbst über mein Diakonie-Praktikum geschrieben. In der letzten Woche meines kurzen Einsatzes im Altersheim wurde ich darüberhinaus von der Lokalzeitung der Gemeinde, in der ich das Praxissemester absolviere, dem “Zolliker Boten”, um ein Gespräch über das Praktikum und meine Eindrücke gebeten. Das Resultat ist in der heutigen Ausgabe abgedruckt (Nr. 40, 5.10.2012). Dank freundlicher Genehmigung durch den Verlag kann ich den Text hier wiedergeben (auch als pdf verfügbar – inkl. Föteli):

“Die Menschen in ihrem Leben begleiten”

Der 32-jährige Reto Studer hat ein Ziel: Er will ein Pfarramt übernehmen. Doch bis es soweit ist, hat er noch einen langen Weg vor sich. In den vergangenen drei Wochen arbeitete er als Praktikant im Altersheim Rebwies.

Nein, wie ein Pfarrer sieht Reto Studer nicht aus – eher wie ein Pfleger. Denn anstelle eines Talars trägt er weisse Hosen und ein blaues Polo-Shirt mit der Aufschrift “Altersheim Rebwies”. Dies hat seinen Grund: Seit drei Wochen absolviert er ein Praktikum im Rahmen seines kirchlichen Praxissemesters. Reto Studer hat mittlerweile drei Jahre Theologiestudium hinter sich. Das Praxissemester liegt zwischen Bachelor- und Masterstudium und besteht aus insgesamt vier Praktika. Im Altersheim Rebwies wird Reto Studer im Bereich der Diakonie eingesetzt.

Für den jungen Mann war die Aufnahme des Theologiestudiums ein gut überlegter Schritt. Seinen ersten Studienabschluss hat Reto Studer schon länger in der Tasche. Er erwarb das Lizenziat in Medienwissenschaften und Staatsrecht. Eher per Zufall, so erzählt er, landete er daraufhin im Personalbereich. Drei Jahre lang arbeitete er im Headhunting. Und nun will er also Pfarrer werden. Weshalb dieser Schritt? “Ich beschäftigte mich schon immer mit existentiellen Fragen. Über die Zeit verstärkte sich dann der Wunsch, diesen Fragen mehr Raum zu geben und ein Theologiestudium anzuhängen.” Er habe sich aber lange überlegt, ob dies der richtige Schritt sei. Denn er wollte kein Risiko eingehen – und kannte auch die Klischees über die Theologie: “Wie viele andere hatte ich das Vorurteil, Theologen führten ein etwas vergeistigtes Leben.” Deshalb entschloss er sich, zunächst während eines Jahres berufsbegleitend Hebräisch zu lernen. “In jenem Jahr wollte ich auch herausfinden, was für Menschen an der Theologischen Fakultät ein- und ausgehen. Und ich war positiv überrascht”, erinnert er sich an den Beginn der Ausbildung. Viele der Studierenden wählten Theologie als Zweitausbildung, das habe er nicht erwartet. Fasziniert sei er auch vom breiten Spektrum der Studierenden. “Von der Hausfrau über Pensionierte, die nur einige Fächer belegen, bis zu den Studierenden, die direkt vom Gymnasium kommen, sind alle vertreten. So kommt es immer wieder zu guten und spannenden Diskussionen. Ich glaube, diese Offenheit traut man Theologiestudenten nicht immer zu.” Nach dem “Probejahr” war er überzeugt, dass das Theologiestudium das Richtige für ihn sei.

Eine sehr spannende Aufgabe

Drei Wochen lang arbeitete Reto Studer nun im Altersheim Rebwies. Neben seinen seelsorgerlichen Aufgaben war er auch bei der Essensausgabe dabei, er half in der Cafeteria und in der Spätschicht, oder sang mit den Pensionären. Während all dieser Arbeiten suchte er immer wieder das Gespräch mit den Bewohnern, die teilweise aber auch von sich aus auf ihn zugekommen seien. Berührungsängste habe es auf beiden Seiten nicht gegeben, sein Status als “angehender Pfarrer” habe, nicht nur im übertragenen Sinn, viele Türen geöffnet: Mehrere Senioren habe er auch, aus Eigeninitiative oder auf Anraten der Pflegerinnen oder der Altersheimleitung, in ihren Zimmern besucht, um dort ausführlichere Gespräche mit ihnen zu führen – über Gott und die Welt. Oder auch einfach, um etwas mit ihnen zu unternehmen. Er erzählt vom Ausflug mit einer Pensionärin: “Ich spazierte mit der Dame an einen Ort, an dem sie früher, als junge Frau, oft war. Sie erzählte mir, dass dieser Ort für sie der Inbegriff von Heimat sei. Ohne meine Begleitung wäre sie nicht dorthin zurückgekehrt. Noch Tage danach war sie mir dafür einfach nur dankbar.” Oder da war das Gespräch mit dem Herrn, der im einen Moment mit Tränen in den Augen von seiner verstorbenen Frau erzählte und gleich danach lachend davon, dass er im Altersheim der Hahn im Korb sei. Solche Erfahrungen und Gespräche seien sehr berührend.

Wäre er als junger angehender Pfarrer eigentlich nicht bei den Jugendlichen besser aufgehoben? Reto Studer lacht und meint: “Ich unterrichte zwar im Nebenjob auf der Sekundarstufe – aber gerade nach meinen eindrücklichen Erfahrungen im Altersheim sehe ich mich durchaus auch bei den älteren Menschen. Für mich ist letztlich die Mischung spannend.”

Ein Pfarramt übernehmen

Die drei Wochen im Altersheim Rebwies sind seit Mittwoch vorbei. Im Dezember und Januar wird Reto Studer an Seite der Zolliker Pfarrerin Anne-Käthi Rüegg-Schweizer die vier zentralen Handlungsfelder des Pfarrberufs kennen lernen – auch das ein Teil des Praxissemesters. Er wird in diesen acht Wochen die Pfarrerin begleiten, Gottesdienste und den Unterricht mitgestalten, die Seelsorge und den Gemeindeaufbau kennenlernen. Dann geht es zurück an die Uni, wo ihn das Masterstudium erwartet.

Nach dem Studienabschluss wird Reto Studer das einjährige Lernvikariat absolvieren, bevor er ordiniert werden kann und als Pfarrer wählbar ist. Kommt er für das Vikariat zurück nach Zollikon? “Nein, das ist nicht erlaubt. Ich darf für das Vikariat nicht an denselben Ort, an dem ich das Praxissemester verbracht habe.” Einerseits sei das schade, weil er in Zollikon sehr gut aufgenommen worden sei, anderseits sei es aber auch gut so: “Jetzt bin ich Praktikant. Wenn ich später hierher zurückkäme, wäre ich Vikar. Das sind zwei verschiedene Rollen, die nicht vermischt werden sollten. Ausserdem sollen wir in der Ausbildung verschiedene Kirchgemeinden kennenzulernen.” Eines ist für Reto Studer sicher: “Ich strebe ein Pfarramt mit möglichst vielfältigen Aufgaben an. Ich möchte die Menschen in ihrem Leben begleiten und dabei alle Aspekte pfarramtlicher Tätigkeit abdecken.”

(Erschienen in: “Zolliker Bote”, Nr. 40, 5.10.2012, S. 9; Autorin: Sabine Linder-Binswanger)

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