Category: Theologie

Drei gewinnt, zum Zweiten

By , 28/11/2012 19:25

Wieder gesund, startete ich heute ins Kirchgemeinde-Modul des Praxissemesters. Was gibt es da Schöneres, als meine Praktikumsleiterin zur Andacht in dem Altersheim zu begleiten, in dem ich im September/Oktober das Diakonie-Praktikum absolviert habe? Wer meine Berichte über jene drei Wochen in Erinnerung hat, wird nicht erstaunt sein darüber, dass ich eine Stunde zu früh da war. Ein Versehen – aber wahrscheinlich auch ein Zeichen. Und es war dann ja auch schön!

Dank meiner überfrühen Ankunft konnte ich schon vor der Andacht die ersten Update-Schwatze führen. Als ich mich dabei von einer bestimmten Dame verabschiedete, meinte sie, dass es da etwas gäbe, was sie nach den früheren gemeinsamen Gesprächen gerne mit mir besprechen würde. Kein Problem: Ich hatte vorab mit “meiner” Pfarrerin vereinbart, dass ich nach dem gottesdienstlichen Teil noch ein wenig bleiben dürfe, um die im Herbst begonnenen Seelsorgegespräche fortzuführen. Und so suchte ich die besagte Seniorin am früheren Nachmittag in ihrem Zimmer auf. Die Fehde mit der Tischnachbarin? Beendet. Aber der geliebte Mann, mit dem sie 53 Jahre lang verheiratet war und der vor ein paar Jahren verstarb, fehlt ihr immer mehr. (Mehr zur Vorgeschichte hier). Schliesslich dann ein zaghaftes Heranwagen an die sie belastende Frage: Früher habe sie einen sehr guten Pfarrer gekannt… der aber nicht mehr lebe… und nun wisse sie nicht, wer… sie einmal bestatten würde… nicht kirchlich, aber… jemand müsse doch ein paar Worte sagen, wenn dereinst… ihre Urne zu jener ihres Mannes gelegt werde… und da habe sie schon bei den letzten Gesprächen gedacht, dass… ich… vielleicht? Aber wahrscheinlich sei es vermessen, dies zu fragen.

Nein, es ist nicht vermessen. Und eigentlich kann ich ja gar nicht ablehnen. Oder?

Praxis-Portefeuille, zweiter Teil

By , 27/11/2012 09:34

Heute setze ich mein kirchliches Praxissemester fort. Nach dem Diakonie-Modul, das ich im September in einem Altersheim absolviert habe – Berichte dazu hier, hier, hier, hier, hier und hier –, und einer rund zweimonatigen Pause (wegen Dispensation von den Modulen “Wirtschaft” und “Schule”), die ich mit dem Verfassen meiner Bachelorarbeit und von ein paar Seiten einer Seminararbeit zugebracht habe, geht es nun ab heute Dienstag in der Kirchgemeinde weiter – eigentlich. Wäre ich bloss nicht so stark erkältet! [1] Sobald ich wieder gesund bin, wahrschein- und hoffentlich morgen, stosse ich aber dazu.

Das Programm dieses Praktikums wird sehr vielfältig sein – und sich in vielerlei Hinsicht, auch in Bezug auf die bedienten Miljös, von dem unterscheiden, was ich als Kirchenpfleger in einer ländlichen Gemeinde kenne. Mögen mir, um beim bewährten Bild zu bleiben…

Blättchen

…ein paar neue Blättchen wachsen.

Ich bin gespannt und freue mich!

Zur Erinnerung noch einmal der Hinweis für alle, mit denen ich im Praxissemester zu tun haben darf (auch wenn es m.E. selbstverständlich ist): Es muss sich niemand, sei es in der Kirchgemeinde oder unter den Mitpraktikanten, sorgen, dass ich in diesem Blog Vertrauliches ausplaudere oder sonstwie Heikles schreiben könnte. Natürlich lässt sich das Praxissemester in meinen Texten nicht aussparen – ich werde aber in einem allgemeinen Sinne von meinen Erfahrungen schreiben (wie ich dies z.B. auch als Kirchenpfleger tue). Und im Zweifelsfall bitte ich die betreffenden Personen vorab um ihr Einverständnis.

[1] Nein, (allein-)schuld ist bestimmt nicht das Christbaum-Schmücken! Nachdem die lieben Schülerlein am Donnerstag und Freitag durchgehend gehustet hatten, benötigte es am Samstag wohl nicht mehr viel…

Schein als Sein

By , 25/11/2012 15:07

Im Wohnquartier meiner Kindheit ist vor etwa vier Jahren ein Paar in eines der alten Einfamilienwürfelchen eingezogen. Ob die beiden Neuen wollten oder nicht: Für zwei, drei alteingesessene Nachbarsfamilien stand fest, dass die grosse Tanne in ihrem Garten, schön exponiert an der Strasse gelegen, auch fortan, unter den neuen Besitzern, alljährlich mit elektrischen Kerzen für die Adventszeit gepimpt werden sollte.

Und so legten sämtliche Interessierten, selbstverständlich in Absprache mit den Neuen (welche für all die Alteingesessenen wahrscheinlich noch Jahrzehnte lang “die Neuen” sein werden), Geld zusammen für die Kerzen und mieten auch gemeinsam das Liftfahrzeug, welches für das Schmücken bzw. Entschmücken des Baumes mittlerweile notwendig ist. Endnovember für Endnovember wird seither in nachbarschaftlicher Gemeinschaftsarbeit die Tanne bekerzt.

Von diesem Happening, an dem auch meine Eltern beteiligt sind und das mit einem gemeinsamen Wienerli-Essen endet, hatte ich schon viel gehört, gestern nun war ich dabei. Schon eindrücklich: gut zehn Meter Baum, sechzehn Lichterketten à zwanzig Lämpchen, vier Stunden Arbeit (zwei Männer im Liftkorb, zwei unten, die Frauen schnatternd daneben) – und der Baum, der schon immer dort gestanden hatte, “stand”.

Dabei hatte ich, “unten”, zur Bereitstellung der Ketten für die Dekorateure, eingeteilt, ein schönes Déjà-vu: Liess der Nachbarsjunge früher an einem Stück Schnur alte Spielzeugautos und dergleichen aus seinem im ersten Stock gelegenen Kinderzimmer herunter (als Geschenk für uns Kleineren), so nahm ich von ihm, der vor einigen Jahren als Familienvater in sein ehemaliges Elternhaus zurückgekehrt ist und als Schmückender oben im Lift stand, jetzt die herunterbaumelnden Netzstecker-Enden all der Ketten entgegen, die er zuvor, Kerze für Kerze, an die Äste angeknipst hatte.

Der Baum ist also geschmückt, der Sentimentalitätsmodus eingeschaltet – meinetwegen kann der Advent in seiner immer wieder einmal auch säkularen Besinnlichkeit adveniren!

Studentenfutter

By , 19/11/2012 12:53

Barth hält mich seminararbeitstechnisch gerade ziemlich schön auf htraB. So sieht sie also aus, meine theologische Existenz heute – und morgen.

Scheint klar

By , 14/11/2012 08:02

Wer oder was ist hier, ich möchte schon wieder erwähnen: im übertragenen Sinne, dargestellt?

Schien klar

Ein paar Hinweise zur Erhellung:
1. Wurde in Bologna und Stuttgart “gezogen”
2. Präzisiert: gräzisiert
3. Die Frau blieb, als sie Witwe geworden war, dem Milieu treu. Auch beim zweiten Mal.

Die Lösung sieht, wer den Text innerhalb der eckigen Klammern durch Markieren lesbar macht.

[wir sehen eine Oekolamp a.D.

Johannes Oekolampad, 1482-1531 / zu den Hinweisen:
1. Studierte ebendort
2. Hiess ursprünglich Johannes Heussgen (“Hausschein”)
3. Wibrandis Rosenblatt heiratete nach Oekolampads Tod zunächst Wolfgang Capito, nach dessen Tod wiederum Martin Bucer. Damit war sie, hintereinander, die Ehefrau dreier Reformatoren.
Die gezeigte Kerze habe ich einzig und allein für diesen Blogbeitrag gekauft und abbrennen lassen. Ich bitte dies zu würdigen.
]

Wird bei Gelegenheit fortgeführt.

Innen und aussen

By , 09/11/2012 04:36

Gestern Donnerstag, in der Zehn-Uhr-Pause: Zwei Sek-B-Schüler diskutieren darüber, wie die Bibel wohl entstanden sei und was es mit der Gottheit Jesu und den Wundern auf sich habe, und wollen auch von mir, pausenaufsichtshalber in der Nähe stehend, Einiges dazu wissen. [1] Besonders einer der beiden, ein stolzer Katholik, fällt durch seine blitzsaubere Argumentation und seine wachen Fragen auf. Dahinter muss eine durchwegs gelungene Katechese, privat und/oder institutionell, stecken. Ich bin beeindruckt.

Am Nachmittag desselben Tages, in einem Seminar an der Fakultät: Eine Studentin der Religionswissenschaft lässt verlauten, das sogenannte “christliche Menschenbild” sei nicht per se ein christliches, sondern werde auch von “normalen Menschen” geteilt. Freud hätte seine Freude, und auch wir Theologiestudenten lachen mit über die sprachliche Unaufmerksamkeit im Eifer des Gefechts.

An diesen Beispielen lässt sich zweierlei ablesen: Man kann, frei nach Watzlawick, nicht keine Haltung zur Religion und zu gläubigen Menschen haben – und bisweilen legt ein vierzehnjähriger Innenperspektivler eine grössere Differenziertheit an den Tag als jemand, der sich der beobachtenden Distanz rühmen möchte.

[1] Ich nehme an, sie sehen mich in der Rolle des Lehrers, denn ich oute mich weiterhin nicht als angehender Pfarrer. Nicht auszuschliessen allerdings, dass die Schüler mich einmal geguglt haben.

Personal-Wesen

By , 04/11/2012 17:26

Ich würde ja gerne einfach studieren und etwas Geld verdienen daneben. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist mein Beruf – und deshalb habe ich das Personalwesen vor dreieinhalb Jahren ja hinter mir gelassen.

Und jetzt?

Jetzt stehen zunächst einmal zwei Tage an, die gut ausgefüllt sind mit Probevorlesungen von Bewerbern auf den Zürcher Lehrstuhl für Systematische Theologie. Diese Vorlesungen und die jeweils daran anschliessenden Gespräche werde ich als Studentenvertreter begleiten und am Dienstagabend in der Fakultätsversammlung mitbewerten. (Genau: Nicht nur in den USA wird in der Nacht auf Mittwoch gewählt!)

Und dann: zurück zum studentischen Kerngeschäft, konkret: der ausstehenden Seminararbeit? Nein:

Schon am Mittwoch geht es weiter in der eingeschlagenen Richtung, mit Bewerbungsgesprächen in meiner Kirchgemeinde: Wir suchen eine Hauswartin, einen Hauswart für unser Oekumenisches Zentrum.

Und weil aller guten Dinge drei sind, besuche ich am Freitag mit der Klasse den Lehrlingswettbewerb

Es scheint zu gelten: einmal Personalwesen, immer Personal-Wesen.

Aber es ist und bleibt halt auch einfach, und deshalb melde ich mich auch weiterhin gerne für Aufgaben in diesem Bereich, ein interessantes Metier!

Vertrauen in den Zeiten des Cholerab

By , 29/10/2012 16:08

“Vorbeugen ist besser als heilen” – das finden bekanntlich selbst wir vertrauensseligen Kirchenleute. In den vergangenen drei Wochen galt auch bei mir höchste Sicherheitsstufe. Nicht auszudenken, das Tagewerk bzw. Untertage-Werk wäre über Nacht von der Festplatte verschwunden, oder der Laptop und der allabendlich ausgedruckte “Stand der Dinge” hätten sich bei einem Wohnungsbrand beide in Nichts aufgelöst!

Aber ich habe den Gratis-E-Mail-Account meiner Jugend ja nicht allein aus Nostalgiegründen behalten. Zur Archivierung von “hot mails” eignet er sich weiterhin bestens:

Mails oben
Mails unten

Und – ja: Wäre damals schon absehbar gewesen, dass ich davon einen Screenshot online stelle, hätte ich die Klammer im Betreff des E-Mails vom 26.10.2012, 6.45 Uhr, bestimmt, wie es sich gehört, geschlossen

Den Titel dieses Beitrags muss ich nicht erklären, oder?

In trockenen Tüchern

By , 29/10/2012 12:27

Drei Tage lang soll Jona im Bauch des Fisches gewesen sein, bevor er wieder aufs Trockene gespieen wurde. Ganze drei Wochen verbrachte ich in den Eingeweiden der Zentralbibliothek. Nun ist es bereits vollbracht: Die Bachelorarbeit, für die ich mindestens die doppelte Schreibzeit veranschlagt hatte, steht nicht nur seit heute – sie liegt mittlerweile auch schon beim Dozenten. [1]

Das war, wie man sich denken kann, eine intensive Zeit. Wer gerne ausgiebig schläft, sollte sich ebensowenig ein Vorbild an mir nehmen wie diejenigen, welche nicht eine bessere Hälfte haben, die selbst viel rackert und also das nötige Verständnis für solcherlei Übungen mitbringt.

Ich freue mich jedenfalls, diese Arbeit noch vor dem Kirchgemeinde-Modul des Praxissemesters und zudem noch einiges früher als geplant abgeschlossen zu haben; die dadurch “gewonnene” Zeit werde ich nun in eine Master-Seminararbeit investieren. Wenn ich schon im richtigen Modus bin…

[1] Ich habe mich von den Kommentatorinnen und Kommentatoren in diesem Blog davon überzeugen lassen, dass ich die weitestverbreitete Schreibweise für den “Streit um das Apostolikum”, “Apostolikumstreit” (ohne Binnen-S), verwenden sollte. Vielen Dank für Euren Gegenwind!

Credorische Streitfrage

By , 22/10/2012 12:55

Seit genau zwei Wochen schreibe ich nun im Schweisse meines Angesichts an meiner Bachelorarbeit, sechs Tage pro Woche von früh bis spät in der ZB, sonntags zu Hause – und das Zwischenergebnis kann sich, wie ich finde, sehen lassen. Schon erstaunlich, was möglich ist, wenn man sich einmal nicht ablenken lässt von dem, was an der Oberfläche geschieht (und allmorgendlich anständig behemdet die Wohnung verlässt, um sich selbst zu signalisieren: Das Ganze ist ein Job und kein Akt der Selbstverwirklichung).

Ich komme also ganz gut klar.

Aber wenn hier schon immer wieder auch Theologinnen und Theologen lesen, wäre ich dankbar, wenn ich etwas theologisches Kernwissen abzapfen dürfte: Kann mich wohl jemand von Ihnen und Euch verbindlich wissen lassen – ob es Apostolikumstreit oder Apostolikumsstreit heisst?

Ich tendiere deutlich zu letzterem, bin aber verunsichert dadurch, dass ausgerechnet die Standardlektüre zum Thema und die RGG zu einem anderen Schluss kommen.

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