Category: Theologie

Kaisers Money, leider

By , 27/03/2013 08:07

Kopieren in der Zentralbibliothek, im Glaskubus, der die im Lesesaal Lern-, Arbeit- und Internettelnden vor dem Gerätelärm schützt. Neben mir, an einem in diesem Kopier-Terrarium stationierten Computer, füllt ein Herr seine elektronische Steuererklärung aus – und schickt Stossgebet um Stossgebet gen Himmel.

Eine etwas gar eigenwillige Interpretation des Jesus-Worts: “Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!” (Mt 22,21). Nicht?

Eine frühe – eine gute Wahl

By , 14/03/2013 07:04

Immerhin noch drei Semester – das laufende, in der fünften Woche stehende, eingerechnet – dauert mein Studium. Das heisst: In fünfzehn Monaten werde ich alle nötigen Module besucht, alle Leistungsnachweise erbracht, alle Kreditpunkte eingesammelt haben, kurz: bereit sein zur Entgegennahme des Master-Diploms – damit in achtzehn Monaten, im August 2014, das einjährige Vikariat beginnen kann.

Zu früh, einen Vikariatsleiter, eine Vikariatsgemeinde zu suchen? Nun, sämtliche Einwände kämen zu spät: Ich bin in diesen Tagen fündig geworden. Erfahrener, sympathischer Pfarrer, kleine Gemeinde, “ein wenig draussen” – passt!

Ich gebe es zu: Dieses Mal habe ich im Titel absichtlich mit einer Doppeldeutigkeit gespielt.

Zeichen deuten

By , 13/03/2013 12:50

Beim Vorbereiten für das Kierkegaard-Seminar las ich auch einen Aufsatz Gotthold Ephraim Lessings (“Über den Beweis des Geistes und der Kraft”, 1777), den der grosse Däne in den vorzubereitenden Textabschnitt aufgenommenen hatte. Gegen Ende heisst es da:

“Gesetzt es gäbe eine große nützliche mathematische Wahrheit, auf die der Erfinder durch einen offenbaren Trugschluß gekommen wäre: – (Wenn es dergleichen nicht gibt: so könnte es doch dergleichen geben.) – leugnete ich darum diese Wahrheit, entsagte ich darum, mich dieser Wahrheit zu bedienen, wäre ich darum ein undankbarer Lästerer des Erfinders, weil ich aus seinem anderweitigen Scharfsinne nicht beweisen wollte, es für beweislich daraus gar nicht hielt, daß der Trugschluß, durch den er auf die Wahrheit gestoßen, kein Trugschluss sein könne?”

(aus: Gotthold Ephraim Lessing, Über den Beweis des Geistes und der Kraft, in: ders.: Werke, Achter Band: Theologiekritische Schriften III / Philosophische Schriften, München: Carl Hanser Verlag 1979, S. 9-14, S. 14)

Was ich las? Nun: “Gesetzt, es gäbe eine grosse nützliche mathematische Wahrheit, auf die der Erfinder durch einen offenbaren Trugschluss gekommen wäre” – und jetzt stockte mir der Atem (noch bevor die Gefahr bestand, dass mich die Länge des Satzes aus der Puste bringt): Hatte Lessing hier der unschönen Vorstellung eines “offenbaren Trugschlusses” tatsächlich piktographisch Nachdruck verliehen?!

; – )

Noch ‘n Apple und ‘n i

By , 08/03/2013 12:48

Wer weiss, dass ich mich lieber in die Schlange vor dem SBB-Schalter einreihe, anstatt meine Fahrkarten an einem Touchscreen-Billettautomaten anzufordern, wird meine Begeisterung für die be-tastatur-ten Handys der Marke Blackberry nachvollziehen (wenn vielleicht auch nicht zwingend teilen) können. Gut zweieinhalb Jahre war ich denn auch recht glücklich mit meiner elektronischen Schwarz- bzw. Brombeere, die ich liebevoll Chuck nannte. [1] Leider aber häuften sich in letzter Zeit die technischen Probleme mit dem Gerät, weshalb ich mich notgedrungen erneut auf dem Handy- bzw. Smartphone-Markt umsah. Die Frage war: “Chuck II” – oder nun doch eine der tastaturlosen Volldisplay-Kacheln?

Kurz und knapp: letzteres. Mehr noch: Hatte ich mir im vergangenen Sommer entgegen früherer Aussagen (“nie einen Mac!”) bereits einen Laptop aus dem Hause Apple zugelegt (“das MacBook ist ja so wunderbar leicht!”), kaufte ich mir gestern ausgerechnet ein, eben: tastaturloses, also volldisplaygekacheltes, iPhone. Wenn das eine Prinzip schon über den Jordan ist… Ich Taste, pardon: taste, mich gerade an das neue Gerät heran. (Angenommen wissen darf es sich aber erst, wenn auch es von mir einen Namen bekommen hat.)

Und so – es folgt die Moral der Geschichte – stehen MacBook und iPhone nun in zweierlei Hinsicht als laute (aber immerhin formvollendete), durchaus auch theologisch wertvolle Ausrufezeichen in meinem Leben: Zum einen erinnern sie mich mit ihrem fruchtigen Logo täglich, stünd-lich!, an die Sündhaftigkeit meiner selbst – zum anderen sind sie ein unmissverständlicher, materieller Beleg dafür, dass dogmatische und “dogmatische” Sätze, seien sie noch so absolut gesetzt, üblicherweise nur von vorläufiger Gültigkeit sind.

Eines allerdings gilt unumstösslich: Ich bleibe beim iPhone 4S. Nie würde ich mir ein Smartphone von der Grösse des Fünfer-Modells zulegen. Nie!

Fortsetzung dürfte folgen.

[1] Dazu inspiriert haben mich die Macher der grossartigen Krankenhaus-Comedy/Drama-Serie “Scrubs”, die in Staffel 4, Folge 22 der Figur Dr. Cox die folgenden Worte an eine jugendliche Patientin in den Mund legten: “If this continues, you will be dead… and I’m not talking about the ‘oh my God, if I don’t get invited to the prom I’m going to die’ type of dead, I’m talking: ‘dead dead’. Is that clear enough for you? Because if it’s not I could of course text you on my Blackberry, or my Blueberry or my Chuck Berry, although technically Chuck Berry is a black berry.”

Gemischtes Doppel

By , 06/03/2013 20:12

Heute merkte der Dozent eines neutestamentlichen Seminars an, ich würde “wie Ratzinger” argumentieren, und in einem anderen Seminar haben wir uns einander Bälle zuwerfend kennengelernt (oder: uns einander kennenlernend Bälle zugeworfen).

Zwei verschiedene Erlebnisse mit ebenso verschiedenen Reaktionen meinerseits: Das eine hat mich zunächst etwas irritiert – mit dem Vergleich aber kann ich leben.

Ohne Netz und losen Boden

By , 01/03/2013 12:59

Falls Sie mich vermisst haben: Nein – ich bin nicht in eine Sommerresidenz entschwebt. Der Grund für die ungewohnte Blog-Pause ist ein ganz anderer: ein weitgehend voller Uni-Stundenplan. Hinter mir liegen zwei sehr intensive Wochen, vor mir dreizehn weitere ebensolche. Sechs Seminare, drei Vorlesungen, eine Übung, ab nächstem Montag noch die Leitung eines Tutorats – wenn man sich da seriös vorbereiten möchte…

Den effizientesten Arbeitstag erlebte ich übrigens am vergangenen Sonntag (bei mir a.k.a. “Tag des Lern”): Als der Computer meiner besseren Hälfte von einem auf den anderen Moment den Geist aufgegeben hatte, stellte ich ihr, barmherziger Samariter, der ich bin, mein Gerät zur Verfügung. Darauf blieb mir gar nichts anderes übrig, als internetlos und damit ablenkungsfrei zu lesen, zu lesen, zu lesen. Kant, Kierkegaard und Komplizen waren umzingelt! Mir wäre sogar noch Zeit geblieben, einen Blog-Eintrag zu schreiben. Aber ich hatte ja keinen Computer.

Richtungswechsel

By , 18/02/2013 08:10

Dieser Wegweiser steht direkt neben der Bushaltestelle, an der ich aussteigen musste, wenn ich meine liebe Praktikumsleiterin, notabene: die denkbar beste aller Praktikumsleiterinnen, im vergangenen halben Jahr für Besprechungen und den informellen Austausch besuchte:

Links oder rechts

Nach dem (fast) unilosen Praxissemester beginnt heute wieder das Studium – an der Fakultät.

Auch wenn mir die Tätigkeiten “links” sehr viel Freude gemacht und Befriedigung gegeben haben: Nun geht es also wieder nach “rechts” – mit viel frischem Schwung und der ermutigenden Erkenntnis, dass “das mit dem Pfarramt” machbar ist.

Etikettenschwindel

By , 14/02/2013 11:57

Der Montag wird zweifellos in die Geschichte der Katholischen Kirche eingehen – aber vielleicht auch in die Geschichte dieses Blogs: Gemäss Besucherstatistik hatte meine Seite an jenem Tag nämlich so viel Zulauf wie nie zuvor.

Ein Zufall? Nein – ich hege die Vermutung, dass die Rücktrittsankündigung Papst Benedikts XVI. und der Ansturm auf mein Blog zusammenhängen. Liegt letzterer etwa darin begründet, dass Menschen in Zeiten unvorhersehbaren Wandels Zuflucht in der Kontinuität suchen – und also Sie bei mir? Nö! Aber wer so frei ist, am Tag der päpstlichen Rücktrittsankündigung einen neuen Beitrag mit der Überschrift “Comic relief” zu versehen, weckt wohl Erwartungen…

Das war aber purer Zufall. Und zudem wissen Sie ja: Ich habe etwas gegen wohlfeile RKK-Kritik.

Sollte jemand diesen Beitrag nur deswegen abgerufen haben: Nein, hier geht es nicht um den aktuellen Fleischskandal. Schon wieder missverständlich getitelt?

Zirkelschluss

By , 19/01/2013 09:42

Begann das kirchliche Praxissemester, mit dem Diakonie-Modul, für mich im Altersheim, so endete es am Mittwoch, jetzt im Rahmen des Kirchgemeinde-Praktikums, auch ebenda – im selben Altersheim: mit dem Leiten eines Gottesdienstes (und einigen strahlenden Gesichtern). Der Kreis hat sich geschlossen. [1]

Die nächste Woche verbringe ich noch mit den Mitpraktikantinnen und Mitpraktikanten im Kloster Kappel, zum gemeinsamen Abschluss des Semesters. Aber die eigentliche Arbeit, das Einüben des pfarramtlichen Handwerks, genauer: von Teilen davon, ist nun beendet.

Welche Fragen das Praxissemester mir beantwortet hat und welche allenfalls neu aufgeworfen wurden, werde ich in Form eines kurzen Gesamtfazits darlegen – nach der Schlusswoche. [2]

Jetzt, über das Wochenende, noch ein Referätli fertig vorbereiten…

[1] Kann sich eigentlich ein Kreis schliessen – oder entsteht ein solcher nicht überhaupt erst durch das Schliessen?
[2] Die in Fussnote 1 gestellte Frage wird dabei, soviel sei jetzt schon verraten, keine Rolle spielen.

Den Rabatt ehren

By , 15/01/2013 13:36

Noch einmal zum Thema meiner ersten Predigt: “Sehen und Bezeugen” ist ja durchaus nicht nur biblischen Figuren wie Johannes dem Täufer möglich, sondern auch uns allen, im Kleinen. Möglich, dass Nachfolge dafür ein zu grosses Wort ist – wie wäre es mit Nachvolge?

Nachvolge

Obiges Muster hat sich rein zufällig ergeben. In Zukunft werde ich es aber vorsätzlich wiederholen. Ob bei demjenigen, der meine Volg-Rabattheftli auswertet, etwas davon im Unterbewusstsein hängen bleibt?

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