Category: Theologie

Rostlaster

By , 12/08/2013 07:26

Nein, ich bin nicht weg – sondern nach der erzwungenen Pause im Juli einfach noch nicht wieder recht auf Touren gekommen. Wie bei einer stillstehenden Lokomotive, die (physisch) in Bewegung gebracht werden muss, bedarf dies in meinem Fall (mental) grosser Kraft – mit der Trägheit ist es bei grossen Massen wie bei mir nämlich so eine Sache. Aber ich kriege dieses Laster in den Griff – sicher!

A propos: Hier ein Bild eines Lasters, den ich vor ein paar Wochen auf dem Weg an die Uni passiert habe:

Laster

Wenn mir die letzten Monate allerdings etwas wieder einmal sehr eindrücklich vor Augen führten (und die in die Details Eingeweihten werden diesen Schluss nachvollziehen), dann dies: dass ich nicht der Pilot meines Lebens bin. Ich sitze im besten Fall auf der Beifahrerseite – gespannt zu sehen, wohin die Reise geht.

Der letzte ausstehende Essay schreibt sich aber natürlich trotzdem nicht von selbst.

Fünfe grade

By , 23/07/2013 08:28

Manchmal ist der Gedankenweg, der vom Profanen zum Philosophischen führt, ein kurzer, die Verbindung des einen mit dem anderen eine plötzliche:

Wir tigern an den Stäben hin und her, aber niemand bemerkt uns. Hinter den Stäben liegt ein öder Fabrikplatz, begrenzt durch nackte Fabrikwände. Keine Bewegung – und von Walo weit und breit keine Spur. Nach ziemlich langen drei viertel Stunden, die wir am Tor wartend wie Bettler verbringen, steht er unversehens neben uns.
“Walo, wo hast denn du dich rumgetrieben die ganze Zeit?”
“Ich habe mir einen Sonnenbrand geholt.”
“Hm, wo denn?”
“Im Gras.”
Weil Walo bereits seit morgens um halb sechs unterwegs ist, musste er seine gesetzlich verordnete Zwangspause absolvieren. So hat sich die verschmähte Tankfüllung in Genua über einen Abend, eine Nacht und einen langen Morgen gerächt. Doch jetzt ist unser Vorsprung auf null geschmolzen. So vergeht unsere Zeit. Ob schnell, ob langsam, schliesslich stehen wir alle vor dem genau gleichen Tor.

(Aus: Markus Maeder, Vom Herzchirurgen zum Fernfahrer – Der Spurwechsel des Dr. med. Markus Studer. Ein Bordbuch, Wörterseh Verlag, Gockhausen 2008, S. 56)

Die Erfahrungen der vergangenen Monate sind mir eine Lehre fürs Leben: Ich werde die zwei Semester, die das Theologiestudium noch dauert, gelassener angehen – und manches Andere auch.

Ankommen tue ich sowieso.

Spital-Seelsorge

By , 12/07/2013 12:38

So – nach einer längeren und unfreiwilligen Pause kann ich nun hoffentlich wieder häufiger schreiben. Um die zumindest andeutende Berichterstattung über mein körperliches Wohlbefinden abzuschliessen: Ich war letzte Woche unter dem Skalpell und bin jetzt wieder zu Hause, fit und munter – und den definitiven Befund, nachträglich, abwartend. Aber es scheint so, als ob wieder alles “in Ordnung” sei.

Vielen Dank allen Seelsorgerinnen und Seelsorgern in dieser langen Zeit der Ungewissheit und Unwissenheit, die sich dann doch noch bis gestern hinzogen (und auch noch ein wenig andauern). Damit sind nun nicht die Pfarrer gemeint, die es am Unispital gibt, denn von ihnen habe ich während meines stationären Aufenthalts keinen gesehen, aber ich danke, etwas weiter gefasst:

Dem Anästhesisten, der mir am Abend vor der Operation eigentlich nur noch rasch sämtliche Narkoserisiken erklären wollte und mich, nach einem Nachmittag voller Abklärungen in grossen Geräten und durch ernst dreinschauende Ärzte, aufgelöst in meinem Zimmer vorfand – und der dann perfekt reagierte, indem er dies der richtigen Person berichtete. Nämlich:

Der Assistenzärztin, die mich teilweise vor- und nachbetreute und die, als ich die genannte Krise schob, so gegen halb acht Uhr abends, ein weiteres Mal in meinem Zimmer erschien, um mir die Operation Schritt für Schritt zu erläutern und die entsprechenden Risiken, welche durchaus nicht ganz ohne sind und waren, noch einmal geduldig einzuordnen zu helfen. Das werde ich ihr nicht vergessen.

Dem leitenden Arzt, der mich auf dem Tisch hatte und dabei nicht nur grossartige Arbeit verrichtete (das auch!), der Filigrankünstler, sondern in den wenigen Minuten, in denen ich ihn jeweils sah (er hatte mich im Gegensatz dazu ja etwas länger vor sich), auch eine beruhigende Gelassenheit ausstrahlte, insbesondere am frühen Morgen des Operationstages.

Den Pflegerinnen und Pflegern, die, so mein Eindruck, allesamt mehr taten, als einen Job zu verrichten. Das Umfeld ist nun wahrlich kein schönes, aber was sie daraus machten, mit ihrer Sorgfalt, ihrem Nachfragen, ihrem Humor (doch, bisweilen gab es auch Grund zu lachen), ist beachtlich. Am liebsten nie mehr – aber sonst, theoretisch: gerne wieder.

Den wenigen Freunden und Kollegen und den Dozenten, die ich vorab informierte und die sich immer wieder nach meinem Wohlbefinden erkundigten und mir, dies im Falle der Dozenten, im Vorfeld auch unkompliziert die eine oder andere Freistunde ermöglichten für Abklärungen und zum Nachdenken. Das hat, wie auch die Erkundigungen aus Bubikon, sehr geholfen!

Besonders aber natürlich meinen Eltern und Geschwistern und meiner viel, viel besseren Hälfte, die allesamt mitgefiebert, streckenweise auch mitgelitten haben. Denn seien wir ehrlich: Der Satz, wonach geteiltes Leid halbes Leid sei, ist in dieser Absolutheit Blödsinn – das Leid wirft sich mit seinem vollen Gewicht auf jeden der davon Erfahrenden, der am Ende ebenso einzeln und allein damit umgehen muss wie der Kranke.

Wie gesagt: Das wäre (wohl) geschafft. Jetzt wächst, um Willy Brandt zu zitieren, (wieder) zusammen, was zusammengehört – und danach soll es in meinem Leben und hier mit Erfreulicherem weitergehen.

Gut und artig

By , 26/06/2013 15:11

A propos “gut und artig”: Die Welt ist nicht verloren. Mein erstes Handy, ein wunderbar unelegantes Nokia 3210, damals, im Dezember 1999, kurz vor der RS angeschafft? Ein paar Jahre später im Bus liegen lassen – nie zurückbekommen. Mein erstes richtig eigenes Laptop? Zu Beginn des Theologiestudiums, blöderweise voller nirgendwo sonst gesicherter Notizen für ein mir gerade bevorstehendes Referat, im Tram liegen lassen – ebenfalls für immer verschollen. Sicher: dumm von mir, beides, der ich schusselig bin, und, ebenso beides, enttäuschend von den Mitmenschen, welche die Funde hätten in den dafür vorgesehenen Büros hinterlegen können und, finde ich, sollen.

Ich muss gestehen, ich habe mich nicht geändert: In den letzten zwölf Monaten habe ich meinen guten alten “Chuck” im Bubiker Bus vergessen, am Schul-Skitag in Flumserberg meinen Schlüsselbund verhühnert und darüberhinaus, gerade erst letzte Woche, meinen Memory Stick irgendwo in Bubikon liegen lassen. Nur: Alle diese Dinge wurden ab- und mir zurückgegeben.

Liegt das am ländlichen Umfeld? Oder haben sich die Zeiten, zum Guten, geändert? Ich weiss es nicht. Es ist aber schon rührend, welche Reise mein kleiner Memory Stick, so ganz ohne Schutz meiner Hosentasche, hinter sich hat – quer durch drei schöne Kone dieses Kantons: in Bubi- verloren, in Hombrechti- vom lieben ehrlichen Finder abgeschickt, und zwar nach Zolli-, zu meiner ehemaligen Praktikumsleiterin (der Finder hatte ihre Adresse in einem abgelegten Gottesdienstplan entdeckt) – und von dort zurück nach Bubi-.

Wie gesagt: Die Welt ist nicht verloren – oder, etwas kleiner: Es gibt noch gute und artige Menschen. Muss auch einmal gesagt sein.

Gut und böse

By , 15/06/2013 16:16

Ist die Abwesenheit von Krieg schon Frieden? Einer, der nicht gegen uns ist, unausgesprochen für uns? Ist einer, der kein Bösewicht ist, deswegen bereits ein Freund?

Nein, eigentlich nicht. Doch wenn man einige Wochen lang im Ungewissen gelebt hat, wird aus dem eben noch potentiell Bösartigen durch eine simple gute Nachricht auf einen Schlag nicht einfach ein halbwegs okayes Ding, sondern gleich ein Guter und Artiger.

Sobald demnächst die Relationen wieder stimmen, muss er natürlich trotzdem raus – der Sauhund. Aber heute wird angestossen.

Trostwasser

By , 14/06/2013 11:56

Im Wartebereich des Krankenhauses.

Trost

Pfingstwünderchen

By , 22/05/2013 11:17

Nach einer längeren Blog-Pause bin ich wieder hier. In der Zwischenzeit sind sowohl drei Wochen Studium vergangen als auch ein Pfingst-Gottesdienst gehalten: Wenn die ehemalige Praktikumsleiterin anfragt, ob man bereit sei, das Wagnis einer Dialogpredigt einzugehen, sagt man nicht Nein, nicht? Nein.

Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass die Zusammenarbeit mit (manchen) Pfarrämtlern dermassen unkompliziert und vertrauensvoll sein kann – und dass, “für mich”, auch eine Bewohnerin und ein Bewohner meines EPS-Altersheims (hier schon eingeführt: als “die Tapfere” bzw. “der Sänger”) vorbeikamen. Da nach dem Gottesdienst ein Taxi auf sie wartete, konnte ich nicht mehr mit ihnen sprechen – zumindest nicht direkt im Anschluss. Aber weil sie einer Generation angehören, die sich zu verabschieden pflegt, meldeten sich beide später noch telefonisch bei mir (ab).

Sie, die oft mit “diesem Gott” hadert und die Andacht im Altersheim bis anhin nicht besuchte, will ebendies nun übrigens ändern: “Der Gottesdienst hat mir so gut getan!”

Hach – Pfingsten!

Zeitgewinn

By , 29/04/2013 17:26

Gibt es Schöneres, als am Morgen nach der herbstnächtlichen Zeitumstellung zu merken, dass einem eine volle Stunde geschenkt wurde? Nun – vielleicht dies: bei der Vorbereitung für einen Gottesdienst in der Ex-Praktikumsgemeinde festzustellen, dass man sich, nichtsdenkend, den Pfingst-Anlass am Auffahrtsdatum eingetragen hat – und also zehn Tage Gär-Zeit gewonnen zu haben!

Kyriosität

By , 24/04/2013 12:32

Ob ich mich über das Fischli freue, das am Handtuchspender in der, ausgerechnet, Theologischen Fakultät prangt? Ich trockne meine Hände in Unschuld und bekenne: Ja, ἰχ θύς!

Fischli

Nein, ich bekomme kein Geld vom Hersteller und Vendor des Geräts. Gerne erwähne ich deshalb, dass an unserer Fakultät, wunderbare Typenvermehrung, verschiedene Modelle zum Einsatz kommen (die, yo!, -na türlich allesamt gleich gut sind).

Rück und vor

By , 16/04/2013 10:07

Mit gewissen Dingen “ist es dann auch mal gut”. Dazu gehört auch der Hinweis auf meinen erstberuflichen Hintergrund. Anderseits: Wenn die Rubrik der Gemeindebeilage meiner ehemaligen Praktikumsgemeinde Zollikon zum “reformiert”, in der ich mich verewigen soll, schon “Umwege” heisst, dann bietet es sich halt doch an, im Text – einzige Vorgabe: plus/minus 1500 Zeichen – auf diese meine Vergangenheit einzugehen.

Hier nun meine Fingerübung, die in der “refo”-Nummer 6/2013 (vom 8.3.2013) erschien:

Rückwärts verstehen

Von dem dänischen Philosophen und Theologen Søren Kierkegaard ist der Satz überliefert, dass man vorwärts leben müsse, das Leben aber erst rückwärts verstehen könne. Eine, wie ich finde, zutreffende Beobachtung – auch auf meinen eigenen Werdegang bezogen:

Wenn ich mein bisheriges Leben etwas prosaisch als eine Reihe von eigenen Entscheidungen und deren Folgen anschaue, so kann ich sagen: Ich lebe vorwärts. Nach dem Studium der Publizistikwissenschaften und des Staatsrechts habe ich drei Jahre lang in der Managementberatung gearbeitet – zunächst übrigens in Zollikon. Danach habe ich mich entschieden, ein Theologiestudium anzuhängen und mich zum Pfarrer auszubilden.

Sollte ich dereinst tatsächlich ein Pfarramt antreten, so wäre dies also auf einem grösseren Umweg geschehen – genauso, wie ich interessanterweise auf einem Umweg nach Zollikon zurückgekehrt bin: wenigstens vorübergehend, für ein kirchliches Praktikum im vergangenen Semester.

Vorwärts lebend, nach vorne blickend, könnte ich nun sagen: Ich habe mein altes Leben hinter mir gelassen. Weshalb also “musste” ich überhaupt in der Wirtschaft arbeiten? Warum um Himmels willen nahm ich nicht den direkten Weg?

Aber ich verstehe rückwärts: Wenn ich zurückschaue, sehe ich, dass ich von den Erfahrungen, die ich in jenen drei intensiven Jahren machen durfte, auch heute noch profitiere und auch in Zukunft noch profitieren werde. Vom Studium direkt ins Pfarramt? Als reiner Studiosus in eine Gemeinde voller Lebenserfahrung? Nein – auf meine Kenntnis der freien Wildbahn kann und will ich nicht verzichten!

Nachdem die Erfahrung in der “freien Wildbahn” nun aber schon länger zurückliegt, als sie dauerte, will ich, dies sei abschliessend angemerkt, vorerst aufhören, rückwärts zu verstehen und mich stattdessen auf das Vorwärts-Leben konzentrieren – und nach einer dem Verfassen zweier Uni-Essays förderlichen Schreibpause auch endlich wieder darüber berichten. Versprochen!

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