Category: Theologie

Ein blaues Wunder

By , 06/05/2012 14:41

Heute, direkt vor dem Gottesdienst: Als ich meinen schönen, dunkelblauen Veston öffne, um es mir auf der Bank gemütlich zu machen, löst sich der untere der beiden Knöpfe. Nach dem Gottesdienst (mit Predigt zum Thema “Gotteslob wirkt Wunder”), zu Hause, fällt beim Ablegen des, durchaus nicht ganz günstigen, Jacketts dann gleich auch noch der zweite Knopf ab.

Wie gross ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass Derartiges geschieht? Keine Frage: Das muss, besonders in Anbetracht des Predigtthemas, ein Wunder sein! Nicht für mich, nein – aber für die Schneiderin, die nun einen Doppelauftrag erhält. Ist halt immer eine Frage der Perspektive.

Bildersturm

By , 04/05/2012 07:46

Im Moment geht wieder einmal das Studium vor: endlich, nach mehrfachem Aufschieben, den allerletzten Grundkurs abschliessen – Kirchengeschichte der Reformation und Neuzeit. Verschiedene Lehrmittel sind denkbar. Ganz sicher gilt dabei aber, was ich hier “mit letzer Tinte”, wie man mittlerweile zu sagen pflegt, schreibe:

“Mit vollem
Einsatz”
lesen
heisst:
Mit halbem
Einsatz lernen.

Das soll mir Mahnung genug sein. In diesem Sinne: Hauschild und Vorlesungsnotizen, ich komme!

Was gesagt werden muss: Ich finde den Zwingli-Comic, eine von vielen Arbeitshilfen für das Zürcher rpg-Angebot im 5.-7. Schuljahr (JuKi), recht gelungen.

Ana(b)log

By , 30/04/2012 12:48

Texte elektronisch in die Welt hinauszuschicken, ist schön – mache ich sehr gerne. Aber ganz ehrlich: Es ist dann doch noch ein bisschen erhebender, alle paar Wochen die neuen Blog-Einträge auszudrucken und der lieben Grossmutter gebündelt per hundskommuner Briefpost zukommen zu lassen.

Ein wenig beneide ich sie schon, die Altvorderen, für die “Brief und Siegel” mehr war als eine Redewendung, schreibe ich – online.

Bloke on the Water

By , 16/04/2012 06:47

In den Kommentaren zu einem der letzten Beiträge, “In dubio – pro reto?”, hat sich eine engagierte und interessante Diskussion zum Thema Pfarrbild entsponnen (hier nachzulesen). Es sollen sogar Telefondrähte geglüht haben deswegen…

Natürlich: Die Frage nach dem “richtigen” Verständnis des Pfarr- bzw. Bischofsamts ist so alt wie das Amt selbst. Neu ist solcherlei Nachdenken also gewiss nicht. Weil es hier und jetzt aber konkret Sie und Sie und Sie und mich betrifft, ist es eben doch lohnenswert, wenn nicht unabdingbar, sich immer wieder Gedanken zum eigenen Amtsverständnis zu machen. Und diese sind dann eben doch neu – für uns und die Zeit, in der wir leben.

Für die Bubiker Gemeindebeilage des “reformiert”, den “Chileblick”, schrieb ich im Mai 2011 eine kleine Kolumne, die sich mit ebensolchen Ansprüchen an Pfarramts-Inhaberinnen und -Inhaber beschäftigt. Als Präsident der Pfarrwahlkommission war es mir ein Anliegen, der Kirchgemeinde, die mir diese ehrenvolle Aufgabe anvertraut hatte, zu signalisieren, dass, egal, wen wir letztlich vorschlügen, im Pfarramt auch in Zukunft mit Wasser gekocht würde. [1]

A propos “Wasser” – hier der Text, den ich aus aktuellem Anlass noch einmal hervorkramte:

Ohne Tadel soll er sein, besonnen und gastfreundlich. Weder ein Säufer noch ein Schläger, weder parteiisch noch streitsüchtig noch geldgierig. Ach ja, und seine Familie sollte er fest im Griff haben – der ideale Bischof, wie der Apostel Paulus ihn sich in den Anfangszeiten des Christentums ausmalt (in 1 Tim 3).

Heute und hier, im Bubikon des Frühlings 2011, müssen nun auch wir Rechenschaft ablegen über unsere Vorstellungen vom Wunschpfarrer: ganz konkret, auf unsere Gemeinde bezogen. Die Pfarrwahlkommission befasst sich in diesen Monaten genau damit, und auch Sie mögen bisweilen darüber nachdenken.

Paulus liefert dazu einige Anhaltspunkte, die sich bestens auf das Pfarramt von heute übertragen lassen. Einerseits. Anderseits: Mit seinem „Stellenbeschrieb“ stehen wir erst am Anfang der Diskussion – denn wie weit muss Gastfreundlichkeit gehen? Kann als Verkündigerin gewinnend sein, wer nicht parteiisch ist? Was machen wir mit einem Bewerber, der gar keine Familie hat, die er im Griff haben könnte? Und: Welche Bubikon-spezifischen Vorgaben, die Paulus nicht nennt, sind zusätzlich zu erfüllen?

Ich bin sehr dafür, dass wir an einen Pfarrer, eine Pfarrerin hohe fachliche und menschliche Ansprüche stellen – möchte aber anregen, dass wir uns nicht scheuen davor, diese Ansprüche immer wieder in Frage zu stellen. Gestatten wir einem Bewerber doch, nicht alle gewünschten Qualitäten gleichermassen mitzubringen! Akzeptieren wir zudem, dass auch ein in Bubikon bis anhin unbekannter Weg zum Ziel führen kann! Nicht dass ein neuer Amtsinhaber schon nach kurzer Zeit seufzen muss: „Wenn ich übers Wasser laufe, sagen meine Kritiker: Nicht mal schwimmen kann er.“

Das abschliessende Zitat wird übrigens Berti Vogts zugeschrieben – bei ihm, dem “Terrier”, hat es, bei aller Kritik an seinem Fussballverständnis, immerhin für einen Welt- und zwei Europameister-Titel gereicht. Dass die Schauspielerei nicht seins ist, mag man ihm da gerne verzeihen.

Und wieviel – und was – verzeihen wir einem Pfarrer, einer Pfarrerin? Und wo bleiben wir unnachgiebig, ja: wo müssen wir unnachgiebig bleiben? [2]

[1] Ich unterstelle dem neu gewählten Herrn Pfarrer, der gestern feierlich ins Amt eingesetzt wurde, jetzt einfach einmal, dass dies zutrifft. Sonst möge er das Gegenteil beweisen.
[2] Für den eher schlecht geratenen Scherz im Titel bitte ich um Verständnis. Er kam mir in den Sinn, als ich letzte Woche nach meiner ersten Gitarrenlektion überhaupt das Riff zu “Smoke on the Water” übte.

Für Andi – es ist schön, dass wir Dich haben!

Unsterblich blamiert – zu Ostern

By , 08/04/2012 07:30

In meinem Startsemester als Theologiestudent nahm ich an einer Dogmatik-Übung teil, in deren Rahmen ich, ein wenigwissender, aber immerhin wissensdurstiger Anfänger, in einer Schnellbleiche erste Eindrücke von den wichtigsten Glaubenslehrern der vergangenen tausend Jahre gewinnen durfte. (Ich präzisiere: es handelte sich um eine Ultraschnellbleiche.)

Da das Ende des Semesters mehr oder weniger mit Weihnachten zusammenfiel, lasen wir am letzten Termin jener Veranstaltung keine abstrakte dogmatische Abhandlung mehr – sondern eine Weihnachtspredigt eines Dogmatikers. Die Wahl fiel auf Eberhard Jüngel. Und weil bei mir einen Stein im Brett hat, wer verständlich verkündigt und Jochen Klepper zitiert, hinterliess diese Predigt einen bleibenden positiven Eindruck.

Kurz darauf besorgte ich mir, gewissermassen auf Vorrat, die siebenbändige Zusammenstellung ausgewählter Jüngel-Predigten (mehr dazu hier). Zugegeben: Komplett gelesen habe ich die Bände noch nicht – aber ich nehme sie immer wieder einmal zur Hand, wenn der Anlass es gebietet. Und heute ist, habe ich entschieden, solch ein Tag.

Was also hat der begnadete Dogmatiker und ebenso begnadete Prediger Jüngel zu Ostern zu sagen?

[… D]ie Ostergeschichte sollte in der Tat jedermann, sollte die ganze Welt zum Lachen reizen. Man kann sich mit ihr gar nicht ernsthaft, gar nicht sachgemäss befassen, ohne angesteckt zu werden von dem befreienden Lachen, zu dem Gott diese von Todeskrämpfen bedrohte Welt am Ostermorgen provoziert hat. […] Ja, selbst die Verneinung, selbst die Ablehnung der Osterbotschaft geht nicht ohne Gelächter ab. Die Situation ist nun einmal grotesk. Sie reizt zum Lachen: die einen, weil es für sie einfach lächerlich ist, dass ein Toter leben soll; die anderen, weil ihr Glaube begriffen hat, dass der Tod wenigstens für dieses eine Mal unsterblich blamiert worden ist. Und einmal unsterblich blamiert heisst für immer blamiert.

Doch merkwürdig: Das Gelächter des Unglaubens über die Ostergeschichte ist weithin zu hören. Es kichert in allen möglichen und unmöglichen Ecken der Welt. Doch vom Ostergelächter der Christen hört man wenig oder nichts. Statt dessen hört man viel Gezänk und Nörgelei rund um die frohe Nachricht von der Auferstehung Jesu Christi herum. Anstatt sich des lebendigen Herrn zu freuen, möchte man lieber beweisen, dass er wirklich nicht tot ist, möchte man das Groteske der Situation aus der Welt schaffen und gar zu gern einen Tatsachenbeweis dafür liefern, dass Jesu Leib am Ostermorgen tatsächlich nicht im Grabe lag. Man interessiert sich weit mehr für das leere Grab als für den auferstandenen Herrn und den auferweckenden Gott.

(Aus: Jüngel, Eberhard: Predigten [Band 2: Geistesgegenwart], Radius-Verlag, Stuttgart 2003, 89f. – die Osterpredigt, aus der das Zitat stammt, findet sich auf S. 88-94)

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein frohes Osterfest! Vergessen wir das Lachen nicht, besonders heute – wir haben allen Grund dazu.

Übrigens: Zu diesem Thema findet sich im aktuellen “reformiert” ein lesenswertes Interview mit Prof. Pierre Bühler (online hier abrufbar). Entgegen aller Vorurteile sind es offenbar ausgerechnet die Dogmatiker, die das Lachen kultivieren.

Auf dem Holzweg – zu Karfreitag

By , 06/04/2012 01:56

Über das Weihnachtsereignis kann jeder, aber auch wirklich jeder schreiben. Christkind, Friede auf Erden (und den Menschen ein Wohlgefallen), Lieder aus, eigentlich, längst vergangenen Tagen – es gibt kaum eine Menschenseele, die von Weihnachten nicht auf die eine oder andere Weise angesprochen und berührt ist.

Bei Karfreitag und Ostern liegen die Dinge ein wenig anders. Sperrig ist die Botschaft, missverständlich (und umstritten) der Sündenbegriff, schwer nachvollziehbar die Notwendigkeit des Sühnetods, unangenehm die Gewalt – und dann erst: Auferstehung von den Toten? Schwierig. Auch ich, das gebe ich unumwunden zu, arbeite mich daran noch ab, in der Hoffnung, irgendwann in eigenen Worten davon schreiben und reden zu können, was Karfreitag und Ostern für mich, für Sie, für uns bedeuten können. Bis es so weit ist, überlasse ich das Feld denjenigen, die hierin erwiesenermassen kompetenter sind.

Der Theologe, Pfarrer und Dichter Lothar Zenetti ist, daran besteht kein Zweifel, solch ein Mann. Er stellt in seinem aktuellen Gedichtband, “Auf Seiner Spur”, den ich nur empfehlen kann, einen ganz besonderen inneren (oder äusseren?) Zusammenhang in der Lebensgeschichte Jesu dar, der das zarte Weihnachten mit dem ruppigen Karfreitags-Geschehen verbindet – und er tut dies noch dazu mit wohltuender Leichtigkeit:

Der Holzweg

Zugegeben,
wir sind auf dem
Holzweg,
wenn wir ihm folgen.

Auf diesem mühsamen Weg
vom Holz der Krippe
im ärmlichen Stall
zum Holz des Kreuzes,
dem Marterpfahl,
an dem er litt.

Dazwischen
der harte Alltag des
Zimmermanns: Holz,
Balken und Latten ringsum.
Bretter, die die Welt
bedeuten. Das war
seine Welt. Holzgeruch
über Jahre hin.

Und nun also ich:
mit dem Brett
vor dem Kopf und dem
Balken im Auge.
Und ich (lacht nur),
ich will ihm nachgehn.

(aus: Lothar Zenetti: Auf Seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht, © Matthias-Grünewald-Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2011, S. 108 – unter der ISBN 978-3-7867-2878-8 zu einem Preis von Euro 14,90 im Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich.)

Es ist ein kleines, ein zaghaftes, ein “minderwertiges” Nachgehen, natürlich, mit beschränkten, halt eben menschlichen, Möglichkeiten – am Holzstock gewissermassen. Aber kommt es am Ende nicht auf den Willen an?

Ihnen allen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich einen besinnlichen Karfreitag.

An dieser Stelle möchte ich dem Matthias-Grünewald-Verlag (zu dem, wenn ich das so sagen darf, das Holz-Motiv ganz gut passt) ein Kränzchen winden. Am Dienstag, 3.4., hatte ich dort um 13.31 Uhr angefragt, ob sie mir das Wiedergaberecht für obenstehendes Gedicht erteilen würden – bereits 19 Minuten später lag die Genehmigung vor. Herzlichen Dank für beides: Genehmigung und Tempo!

In dubio – pro reto?

By , 31/03/2012 11:52

Als mich vor ein paar Tagen ein Uni-Dozent fragte, ob ich es, “jetzt mal ehrlich!”, nie bereut hätte, einen einigermassen sicheren und anständig bezahlten Job aufgegeben und stattdessen das Theologiestudium aufgenommen zu haben, antwortete ich mit einem bestimmten, beinahe barthianischen Nein. So ist es – bereut habe ich es tatsächlich nie.

Das heisst nun aber beileibe nicht, dass ich meinen Entscheid nie hinterfragen und ihn nicht bisweilen sehr kritisch sehen würde. Manchmal zweifle ich sehr wohl – und sehr heftig. Dies nicht in erster Linie mit Blick auf meinen Lebensstandard, der ein ganz anderer wäre, wenn ich noch im alten Beruf arbeiten würde. Das Privileg des Studiums wiegt die Konsequenzen davon, je nach Stimmung mal mehr, mal weniger, auf. Nein – die Zweifel melden sich vor allem in Gestalt der Frage, wie es nach dem Abschluss weitergehen soll: Bin ich überhaupt, wie ich, vielleicht blauäugig, hoffe, für das Pfarramt geschaffen? Ein passabler und (zumindest meistens) interessierter Student ist ja nicht zwangsläufig auch ein vielversprechender angehender Pfarrer!

Die Frage, die da an den von mir schön zurechtgelegten und ausgemalten Plänen rüttelt, hat verschiedene Facetten:

Kann ich “das” einmal: Pfarrer sein? Werde ich mich zum Beispiel nach Studium und allfälligem Vikariat “kirchlich” verhalten und ausdrücken können und so von einer kirchlich-slash-religiös bestens sozialisierten Kerngemeinde akzeptiert und verstanden werden, ohne den Blick für die “kritischen Zugewandten”, den ich mir selbst noch attestiere und der mir sehr wichtig ist, zu verlieren? Bin ich für die Insider nicht zu kritisch – und für die Kritischen letztlich eben doch einfach ein Insider, der wenig bis nichts zu melden hat? Kann mir dieser Spagat gelingen? Aber auch:

Will ich überhaupt Pfarrer werden, mit allen Konsequenzen, die das Pfarrersein mit sich bringt? Ist die Kirche tatsächlich das richtige, das passende Arbeitsumfeld für mich? Bin ich nicht, um nur ein Beispiel zu nennen, ein zu grosser Perfektionist für ein Umfeld, in dem die Vermittlung zwischen Profis und Laien, zurecht, zum Wichtigsten gehört? (Ich bin auf dem Weg des Entspannter-Werdens. Aber eben immer noch ein Pedant.) Und, umgekehrt und genauso wichtig: Will die Kirche mich? Entspreche ich überhaupt “ihren” Vorstellungen? Damit zusammenhängend:

Muss es denn gleich ein Pfarramt sein? Reicht es nicht, ausserhalb der (institutionellen) Kirche, konkret: im privatwirtschaftlichen Erwerbsleben, “evangelisch” zu wirken – im Kleinen und ganz uninstitutionalisiert? Kirchliche, christliche Anliegen kann ich ja auch niederschwellig, gewissermassen als “kirchliche Exklave” (oder “Enklave”, je nachdem, woher man schaut), in der Wirtschaft unterstützen! Wenn es also ein Pfarramt sein muss: Woran erkenne ich, dass es das muss?

Sie sehen: Über meinem Weg scheint nicht immer die Sonne. Und doch, auch wenn ich gerade in dieser Woche wieder einmal viel gezweifelt habe, ohne konkreten Anlass übrigens – bereuen tue ich es nicht, diese grössere Wende vollzogen zu haben: Das Theologiestudium ist gut für mich. Ich hoffe nur, die Zweifel, die das Darüberhinaus betreffen, sind es auch.

Übrigens: Zumindest heute beantworte ich die drei Fragen nach dem Können, Wollen, Müssen, relativ positiv, mit “vielleicht”, “ja”, “ja”. Fortsetzung folgt aber bestimmt.

Äpfel und Birken

By , 26/03/2012 13:54

Am Freitag als Studentenvertreter an einer Sitzung der Fakultätsversammlung, am Samstag nach dem verpassten ersten Tag zumindest an der zweiten Hälfte der Kirchenpflegetagung auf der Boldern, am Sonntag an einem Familienfest mit ad-hoc-Diskussion über die theologischen Unterschiede zwischen Luther und Calvin – als angehender Theologe ist man gefordert. [1] Anderseits: Später wird das sicher noch heftiger. Eine homöopathische Annäherung an die pfarramtliche Tätigkeitsvielfalt ist also durchaus in meinem Interesse.

Jedenfalls: Das Tagungs- und Studienzentrum Boldern wird, wie bekannt, auf neue Weise weitergeführt, die Kirchenpflegetagungen finden ab nächstem Jahr, gutzwinglianisch, im Kloster Kappel statt. Und so gab man uns Teilnehmern nach einer Podiumsdiskussion mit dem emeritierten Ethik-Professor Johannes Fischer (für mich ein schönes Wiedersehen) und der Workshoparbeit zum Abschied von der Boldern je ein Päckchen Birkensamen mit. Das lässt hoffen: Weder die Welt noch die Boldern werden so rasch untergehen – sonst hätten wir stattdessen ein paar Apfelkerne mitbekommen.

[1] Zum Thema “Luther vs. Calvin” hat die EKD Entspannt-Schönes, schön Entspanntes online gestellt: hier nachlesen.

Skandal: Katholik vertritt katholische Lehre!

By , 17/03/2012 16:35

Dass die Kirche und ihr Wirken nicht mehr “stattfinden” in den Medien, ist eine falsche Annahme. Im Falle eines (echten oder vermeintlichen) Skandals, gerne bei unseren katholischen Freunden, wird sehr wohl berichtet. So zuletzt geschehen in den vergangenen zwei Wochen: Der Churer Bischof Vitus Huonder war wegen eines Hirtenbriefes in die Schlagzeilen geraten, in dem er u.a. (ich meine: nebenbei) verlesen haben wollte, dass wiederverheiratete Katholiken nicht zu den Sakramenten zugelassen seien. Ein Proteststurm im Blätterwald war die Folge.

Nun bin ich als Reformierter nicht dazu befugt, mich in innerkatholische Angelegenheiten einzumischen, und die katholische Kirche braucht mich ganz gewiss nicht als Verteidiger (was wohl auch kontraproduktiv wäre). Dennoch erlaube ich mir, die vieldiskutierte Passage aus dem gewiss wenig gelesenen Hirtenbrief in den Kontext zu stellen, in den sie gehört.

Bischof Huonder schrieb:

“Die Ehe ist ein hohes Gut, das erkannt, gepflegt, erhalten und geschützt werden will. […]
Jede Ehescheidung ist ein menschliches Drama. … Die
Folgen der Ehescheidung sind in mehrfacher Hinsicht schwer: Für das Paar selber, für die Kinder, sofern Kinder da sind, für die Gesellschaft, schliesslich auch für Glaubensgemeinschaft sowie die Gottesbeziehung. … Die Folgen für die Glaubensgemeinschaft und die Gottesbeziehung werden uns bewusst, wenn wir das Wort Gottes betrachten und uns in die Weisungen des Herrn vertiefen. Denn die Lehre des Herrn ist klar: Die Ehe ist unauslöslich. […]
Die Folgen für die Gottesbeziehung sind vor allem im Falle einer
Wiederverheiratung schmerzhaft, da wiederverheiratete Geschiedene nicht zu den Sakramenten zugelassen sind. Betroffene kommen nämlich durch ihre Entscheidung, eine neue Beziehung einzugehen, in eine Situation, die den Empfang der Sakramente verunmöglicht.”

(Aus: “Die Ehe soll von allen in Ehren gehalten werden” [Hebr 13,4] – Ein Wort zur Ehe heute, Hirtenbrief zur Fastenzeit von 2012 von Msgr. Dr. Vitus Huonder, S. 4/6f./8, auch online abrufbar)

Wenn in dieser Passage festgestellt wird, dass “wiederverheiratete Geschiedene nicht zu den Sakramenten zugelassen sind”, stellt sich natürlich die Ricola-Frage: Wer hat’s erfunden? Bischof Huonder, wie die Berichterstattung teilweise glauben machen wollte? Nein – es handelt sich dabei ganz einfach, “nur”, um die offizielle Lehrmeinung der römisch-katholischen Kirche, wie sie sich auch im “Katechismus der Katholischen Kirche” ausformuliert findet. Hier ein Auszug aus dessen Absatz Nr. 1650:

“In vielen Ländern gibt es heute zahlreiche Katholiken, die sich nach den zivilen Gesetzen scheiden lassen und eine neue, zivile Ehe schliessen. Die Kirche fühlt sich dem Wort Jesu Christi verpflichtet: ‘Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet’ (Mk 10,11-12). Die Kirche hält deshalb daran fest, dass sie, falls die Ehe gültig war, eine neue Verbindung nicht als gültig anerkennen kann. Falls Geschiedene zivil wiederverheiratet sind, befinden sie sich in einer Situation, die dem Gesetze Gottes objektiv widerspricht. Darum dürfen sie, solange diese Situation andauert, nicht die Kommunion empfangen.”

(Aus: Katechismus der Katholischen Kirche, R. Oldenbourg Verlag, München 1993, Absatz 1650, S. 442 – auch online abrufbar)

Halten wir also fest: Bischof Vitus Huonder wurde dafür kritisiert, dass er die altbekannte offizielle Lehrmeinung derjenigen Kirche, der er angehört und die er mitleitet, vertritt und dies auch von seinen Mitkatholiken fordert. Bin ich der Einzige, der… darüber staunt? [1]

Besonders bedauerlich finde ich, dass angesichts des Mediengetöses die eigentliche Kernaussage des Hirtenbriefs in den Hintergrund trat: Die Frage nach der Auflösung der Ehe ist ja nur ein Nebenschauplatz in dem elfseitigen Dokument – in erster Linie geht es Bischof Huonder, scheint es mir, darum, darauf hinzuweisen, dass die kirchliche Ehe, die immerhin sakramentalen Charakter hat, hochzuschätzen ist und deshalb nicht leichtfertig und aus einer Festlaune heraus eingegangen werden soll:

“Werden die Traupaare auf ihre geistig-seelische Reife genügend geprüft? Müsste nicht manche kirchliche Trauung abgesagt oder verschoben werden, weil die notwendigen Voraussetzungen für eine christliche Ehe fehlen? Treten Paare wirklich im Glauben an das Sakrament an den Traualtar? Wollen sie den Ehebund wirklich mit Blick auf Christus und auf dem Fundament seiner Lehre eingehen? Wenn wir die Ehe nur als eine rein gesellschaftliche Grösse betrachten und den Tag der Trauung als einen Event werten mit möglichst vielen Überraschungseffekten – darunter auch kirchlichen –, kommen wir an den gestellten Fragen vorbei. Alles ist ja dann in diesem Fall nicht so ernst zu nehmen und nicht auf Dauer angelegt.”

(aus: “Die Ehe soll von allen in Ehren gehalten werden” [Hebr 13,4] – Ein Wort zur Ehe heute, Hirtenbrief zur Fastenzeit von 2012 von Msgr. Dr. Vitus Huonder, S. 10, auch online abrufbar)

Ich bin überzeugt: Hätte Abt Martin Werlen Auszüge daraus getwittert – er wäre dafür gefeiert worden.

[1] Wie bereits eingangs geschrieben, möchte ich mich nicht inhaltlich zum Hirtenbrief äussern. Dass darüber eine innerkatholische Diskussion gestart wurde, über die teilweise auch in den Medien berichtet wurde, ist überhaupt nicht zu kritisieren (und möglicherweise auch im Interesse Bischof Huonders). Mich ärgert einzig und allein die mediale Stimmungsmache.

Heiland ohne h

By , 15/03/2012 17:03

Gestern beim Korrigieren einer Französisch-Voki-Prüfung gelesen: “eine Kirche”? – “une île”.

Gar nicht so falsch, im Guten wie im Schlechten. Nicht? (Den Punkt konnte ich aber nicht geben.)

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