Category: Theologie

Nebensaison

By , 02/07/2012 10:05

Das Hobby zum Beruf zu haben und den Beruf zum Hobby, kann gefährlich sein. Das dürften all diejenigen bestätigen können, die nicht wissen, wann genug ist. Aber nicht ausbrennen möchte ich, sondern brennen für etwas. Das setzt genügend Sauerstoff-Nachschub voraus, und den hole ich mir beim freien Schreiben, hie und da – und, immer, in der Musik: ich höre sie, ich sammle sie, und seit Frühling spiele ich sie auch wieder.

Meine Gitarre, logisch: Holz!, ist zum Glück genauso geduldig wie meine Nachbarn: immer wieder einmal ein unreiner Akkord? Wird verziehen. Sonntägliches Üben? Passt schon. Ein Weihnachtslied im Sommer? Nur zu. Und so kann es vorkommen, dass ich, wenn mir das aufgegebene Übungsmaterial fad wird, in Eigenregie ein paar schöne 3/4- bzw. 6/8-Zupfmuster einstudiere. Anhand von “Stille Nacht”. An einem Sonntag. Im Juli. [1]

Aber – abgesehen davon, dass Weihnachten für mich sowieso immer “stattfindet”: Solcherlei antizyklisches Verhalten ist wohl auch angezeigt, wenn es an Heiligabend etwas werden soll mit dem Einmannorchester vor versammelter Familienschar. Man will sich ja nicht blamieren!

[1] Ich befinde mich damit immerhin in bester Gesellschaft: Gordon Lightfoot hat seinen “Song for a Winter’s Night” ja auch, “leichtfüssig”, wie es der Name sagt, eines stürmischen Juliabends geschrieben, Elvis “Blue Christmas” u.a. einmal an einem Konzert im Memphis-Juli gesungen. (Naja: “Juli” und “Yuletide” – passt eigentlich bestens!)

Paradiesgärtlein

By , 26/06/2012 09:13

Wer oder was ist hier, ich möchte erwähnen: im übertragenen Sinne, dargestellt?

Paradiesgärtlein

Ein paar Hinweise für die Harten:
1. Johann Arndt ist nicht die gemeinte Person.
2. Joh 11,4
3. Oft getarnt, oft gedeckt

Die Lösung sieht, wer den Text innerhalb der eckigen Klammern durch Markieren lesbar macht.

[wir sehen einen Kierkegaard

Søren Kierkegaard, 1813-1855 / zu den Hinweisen:
1. Gesucht ist eine Person.
2. Autor von, u.a., “Die Krankheit zum Tode”
3. Publizierte oft unter Pseudonymen
Das Bild zeigt übrigens einen Teil des “Kirchengartens” Bubikon.
]

Wird bei Gelegenheit fortgeführt. (Momoll.)

…denn “amoi gengan alle Türln zua”

By , 21/06/2012 12:10

Dass man sich auch in jungen Jahren mit dem Tod auseinandersetzt, war für mich immer selbstverständlich. Deshalb bin ich jeweils überrascht, wenn Gleichaltrige, aber auch Ältere als ich, eines Tages urplötzlich, Knall auf Fall, realisieren, dass auch sie einmal gehen müssen. Das Leben ist ohne Freund Hein, den gehassliebten, hassgeliebten Sensenmann, doch gar nicht denkbar!

Der österreichische Dichter und Liedermacher Georg Danzer hätte mir vermutlich zugestimmt. Schon als 29-Jähriger stellte er sich das eigene Sterben und den Verdruss darüber in einem hinreissenden kleinen Lied vor, in schönster Wiener Mundart:

Des kaun do no ned ollas gwes’n sein

Des kaun do no ned ollas gwes’n sein,
da war do no was, des wass i ganz genau.
Z’erst kummst auf die Welt,
und dann sollst wieder geh’ –
grad dann, wannst glaubst,
es fangt erst ollas au.

Des kaun do no ned ollas gwes’n sein,
na, na, des kaun i afoch ned glaubn.
Oder sollt’ i vielleicht,
oder sollt’ i vielleicht
zum Leb’n vergessn hab’n?

(Text und Musik: Georg Danzer, Rechte: Edition Giraffe, Wien; zu finden auf dem Album “Ollas leiwand” [ugs. “alles super”] aus dem Jahr 1975)

Vielleicht auch aus diesem Geist heraus, im Wissen um die eigene Endlichkeit, veröffentlichte Georg Danzer in den vier Jahrzehnten seines Schaffens Album um Album, über weite Strecken im Jahrestakt. Sein Werk auf einen Nenner zu bringen, scheint mir dabei unmöglich. Jedenfalls ist es nicht recht, ihn auf den lustigen Austropop-Schurli zu reduzieren, als der er oft gesehen wird: Im Laufe der Zeit hat er dermassen vieles besungen, in so verschiedenen Facetten und Farben, mal so zart wie überhaupt nur möglich, mal mit hintergründigem Humor, mal kraftmeierisch und derb… Längst nicht jedes Lied gefällt mir, oder zumindest nicht zu jeder Zeit – aber im Bereich des Persönlichen, das Existenzielle Betreffenden, manchmal nahe an der Schmerzgrenze, ist Danzer für mich unschlagbar. [1]

Die bittersüsssaure Ironie des Schicksals war es auch: Als Danzer den Titel “A letztes Liad” veröffentlichte, wollte der Schreiber/Sänger damit lediglich seine neueste Platte ausklingen lassen. Doch es kam anders: Das “letzte Lied” wurde sein allerletztes, finales – “i muass jetzt geh, s’tuat ma lad, es war scheh!” [2]

Heute vor fünf Jahren, am 21.6.2007, ist Georg Danzer verstorben.

Um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen: “zum Leb’n vergess’n”, oder hat das stetige Todes-Gedenken geholfen, das Dasein bewusst auszufüllen? “Ehrlich gesagt, ich habe so viel vom Leben gekriegt, dass ich es nicht adäquat finde, mehr zu verlangen.” [3]

Ich bin dankbar, Danzer wenigstens einmal live erlebt zu haben: am 26.7.2003 im Rahmen von “Live at Sunset” im Hof des Landesmuseums Zürich (hier gibt es Fotos), als ein Drittel von Austria 3, mit seinen Spezis Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich. Einen anderen, wenn auch postumen Auftritt habe ich ihm verschafft: in Fussnote 8 einer Ethik-Proseminarbeit.

[1] Ich denke hier an Lieder wie “Der Tschik”, “Lass mi amoi no d’Sunn aufgeh’ segn”, “Die Freiheit”, “Stau auf da Tangenten” oder “Sie”.
[2] Aus: “A letztes Liad”, Text und Musik: Georg Danzer, Rechte: Edition Giraffe, Wien; zu finden auf dem Album “Träumer” aus dem Jahr 2006. Auch die Titelzeile dieses Eintrags ist diesem Lied entnommen:
“Amoi kommt die letzte Überfuhr,
amoi hat a jeder Trottel gnua,
amoi gengan alle Türln zua,
und ma is a klana Bua,
hat nix zum Verliern.”

Auch wenn das Album mehrere Lieder enthält, die ums Sterben, den Abschied, den Tod kreisen: Danzer wusste zur Zeit der Aufnahmen noch nichts von seiner schweren Krankheit. Das Thema “Leben” beschäftigte ihn tatsächlich einfach sehr.

[3] Zitiert aus dem (viel zu kurzen) Interviewbuch “Jetzt oder nie”, Georg Danzer im Gespräch mit Christian Seiler, Amalthea Signum Verlag, Wien 2006, S. 119.

Durch die Mitte

By , 19/06/2012 08:58

“Und wieder einmal neigen sich Semesterferien dem Ende zu”, schrieb ich vor gut vier Monaten. Seit letzter Woche gilt: Das vierzehnwöchige Veranstaltungsintermezzo und die anschliessende Prüfungszeit sind vorbei, “und schon wieder haben wir Semesterferien”. Läppische drei Vorlesungen habe ich zuletzt noch besuchen müssen, um mein Bachelor-Konto zu füllen (die Bachelorarbeit steht aber noch aus), eine einzige Prüfung nur galt es zu schreiben – und doch bin ich müde.

Müde einerseits wegen des kirchenpolitischen Begleitprogramms des vergangenen Halbjahres, das viel Zeit und Gehirnschmalz forderte. Anderseits, und gewiss vor allem, auf dieselbe Art müde wie der schwimmende Seeüberquerer in der Mitte des Gewässers: Das Ufer, an dem er losschwamm, mag ja schon weit weg sein – die Strecke, die vor ihm liegt, ist noch einmal ganz genau so lang, und die Bewegungen sind immer dieselben und die Muskeln müde und das Wasser kalt. Zurück? Bringt doch nichts! Nach vorne? Klar! Aber eben: Das dauert. Die Mitte des Sees, sinnbildlich gesprochen, habe auch ich jetzt erreicht: Sechs Semester liegen hinter mir, bestimmt noch einmal sechs Semester (inkl. des kirchlich organisierten Praxissemesters) vor mir. Zu senior für die Anfängersachen, zu junior für grössere Unternehmungen und für den Abschluss sowieso – mittendrin halt.

Da gibt es nur eines: zügig die ausstehende Philosophie-Proseminararbeit schreiben, dann Vorbereiten und zumindest Inangriffnahme der Bachelorarbeit – und im Herbst ab ins Praxissemester, will heissen: hinaus (bzw. hinein) in die Mikrokosmoi Kirchgemeinde und Altersheim. Auf das Uni-lose, dafür praxisrelevante(re) Halbjahr freue ich mich. Und wenn alles gut geht, werde ich danach gewiss frischen Geistes an die Fakultät zurückkehren, mit einem Zielufer – dem Pfarramt, so hoffe ich – vor Augen, das noch heller leuchtet und stärker anzieht als bis anhin schon. Dann fällt der Schwumm dahin auch automatisch wieder etwas leichter.

Geschenkidee

By , 14/06/2012 09:36

Vorhin auf Twitter gesehen:

Losungen schenken

Danke der Nachfrage – mir nicht. Ich weiss ja, wo das endet.

(Kritische Geister ahnen, dass das Zitat aus dem Zusammenhang gerissen bzw. der zweite Teil eines Doppel-Tweets ist – ähnlich dem hier, das ich am 4.5.2012 abgespeichert habe.)

Tischgemeinschaft, zum Gedächtnis

By , 12/06/2012 08:47

Es ist tatsächlich das Holz, das einen am Treuesten durchs Leben begleitet.

Pünktlich zum Schulstart, vor der 1. Klasse, hatte ich mein eigenes Pult bekommen: auf der linken Seite ein vierschubladriger Korpus, abschliessbar, darüber eine weisse Tischplatte, beides aus massivem Holz, in der Waagrechten gehalten von zwei Metallbeinen auf der rechten Seite. Offensichtlich beste Wertarbeit: Das Möbelstück begleitete mich durch Primarschule, Gymnasium und Studium, folgte mir aus dem Kinderzimmer in meine Wohnungen in Zürich, Effretikon, Bubikon, Wolfhausen und noch einmal Wolfhausen. Ungezählte Stunden habe ich daran gesessen, ebenso viele Prüfungen daran vorbereitet, Arbeiten geschrieben – und dabei immer wieder einmal, dann, wenn auch Fleiss keinen Preis mehr versprechen wollte, auf Holz geklopft. Äusserlich wie neu, erzählte bis zuletzt allein das Innenleben eine sichtbare Geschichte: Auf dem Innenboden der zweiten Schublade von oben befand sich, unterste Schublade!, ein dunkler Fleck, von einem Sandwich herrührend, das dort, einsam und vergessen, vor Jahren einige Zeit lang vor sich hin gegärt hatte. (Die feinen Bissspuren in der Tischplatte waren dahingegen nur imaginär.)

Irgendwann aber siegen Komfort- und Platzanspruch über Sentimenta-, Loya- und andere -litäten, und so habe ich mein treues, mein teures Pult vor Kurzem, nach über einem Vierteljahrhundert in meinem Dienst, durch eine überlange Planke auf vier Beinen, ohne Korpus und noch ganz ohne Seele, ersetzt – und zunächst in den Keller gestellt, kürzlich nun, aus Platzgründen, für immer weggebracht. Unter uns: Mein Herz hat leise geweint, als wir die Entsorgungsstelle mit leerem Kofferraum verliessen.

Zuviel Wehmut, zuviel Überhöhung? Meinetwegen. Fühlen Sie sich frei, meine Erinnerungsfetzen, mit dem gebotenen Respekt!, zu entmythologisieren. Ich kann das nicht – es geht hier, hoc erat Korpus meum, um mein Pult, Mann!

Für sich gemeinsam – zu Pfingsten

By , 27/05/2012 07:47

Ich mag leicht übertrieben haben, als ich in einem früheren Text das Jerusalem-Seminar von letztem Jahr als atemraubende Schnitzeljagd von Scherbengrab zu Scherbengrab charakterisierte. Ein bitzeli stimmte das aber schon.

Jedenfalls: Hin und wieder hatten wir auch Gelegenheit, das Land allein oder in Gruppen auf eigene Faust zu erkunden. Besonders gerne erinnere ich mich hierbei an den Besuch Bethlehems – für mich die Offenbarung der ganzen Reise. Aus unorthodoxem Grund allerdings: Es war nämlich nicht, wie ich gerne sagen würde, die Geburtskirche, die mich so nachhaltig beeindruckte, sondern ein an und für sich stinknormaler lutherischer Gottesdienst, zu dem wir vom Pastor eingeladen worden waren.

Weshalb? Weil ich hier zum ersten ersten Mal nicht erdachte, sondern konkret, live, erfuhr, was Oekumene im Sinne einer weltumspannenden Christenheit bedeuten kann: Von der auf Arabisch gehaltenen Predigt verstand ich natürlich nichts – aber die Lieder, ebenfalls in arabischer Sprache, waren mir von der Melodie her bestens vertraut, und auch wenn die Anwesenden das Apostolikum und das Unservater in ihren je eigenen, mir völlig fremden Sprachen herunter- bzw. hinaufbeteten, hatte ich doch den Eindruck, dass ich sie alle in meiner Muttersprache reden hörte (Apg 2).

Jeder für sich das eigene und doch gemeinsam dasselbe – einen Moment lang habe ich nichts und doch alles verstanden.

Frohe Pfingsten wünsche ich Ihnen – und viele solcher Pfingstereig- und -erlebnisse, heute und sowieso.

Matheologisches

By , 22/05/2012 07:26

Noch drei Wochen bis zur nächsten (und für längere Zeit letzten) Prüfung. Ich mag es, ein vernünftiges Mass an Lernstoff intensiv zu bearbeiten, gerne auch in schriftlichen Arbeiten, und habe im Gegenzug weniger Freude daran, annähernd unübersichtlich viel Stoff nur oberflächlich ins Gehirn zu hämmern – doch genau das ist bei Grundkursen notwendig, und genau deswegen schwimme ich im Moment noch ein wenig.

Immerhin: Letzte Woche wurde eine Liste möglicher Essaythemen ausgeteilt, so dass wir wissen, in welche Richtung wir lernen müssen. Von den zwölf angegebenen Themenkomplexen werden dann, in Ergänzung zu einem Block von Multiple-Choice-Fragen, deren drei zur Wahl gestellt – eines davon ist zu bearbeiten.

Jetzt möchte der Homo Oeconomicus in mir, ein fauler, opportunistischer Schweinehund, (sicheren) Aufwand und (erhofften) Ertrag in ein vernünftiges Verhältnis bringen. Deshalb habe ich vorhin meine Kenntnisse in der Wahrscheinlichkeitsrechnung reaktiviert – und bin dabei zu einer ermutigenden Erkenntnis gekommen: Wenn ich von den zwölf möglichen Themen sieben, also gerade einmal eines mehr als die Hälfte, vorbereite, beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass an der Prüfung mindestens eines der im Vorfeld zum genaueren Studium auserkorenen zur Wahl steht, stattliche 95.5 Prozent.

Können die naturwissenschaftlich Bewanderten unter uns die Richtigkeit meiner Kalkulation – ich rechnete 1-5*4*3/12/11/10 – bestätigen? Und könnten die Theologinnen und Theologen, die hier lesen, mich vielleicht wissen lassen, ob ich das Restrisiko in Kauf nehmen und es einfach fatalistisch-gelassen als Zeichen von oben betrachten sollte, wenn am Ende, mit einer Wahrscheinlichkeit von gerade einmal 4.5 Prozent, doch ausschliesslich Unvorbereitetes vorgeschlagen wird?

Suchen, was droben ist – zu Auffahrt

By , 17/05/2012 10:54

Im Zuge meiner Lernanstrengungen in Kirchengeschichte habe ich zurzeit auch intensiv mit verschiedenen Katechismen aus der Reformationszeit zu tun. Auch wenn dafür bisweilen ein gerüttelt Mass extrinsischer Motivation notwendig ist – es ist schön und tut wohl, beim Quellenstudium festzustellen, dass, wenngleich natürlich vor anderen Hintergründen, die Fragen damals, vor gut vierhundertfünfzig, fünfhundert Jahren, im Grunde genommen dieselben waren wie heute. So schlimm kann es also nicht stehen um uns! Es gibt keinen Grund für uns bisweilen unverstandene Theolögchen, eingesessene wie angehende, zu verzagen oder gar zu resignieren: solange noch, wie früher auch, Fragen gestellt werden…

Hier eine aus dem Heidelberger Katechismus von 1563, passend zum heutigen Feiertag:

“Frage 49: Was nützt uns die Himmelfahrt Christi?

Erstens:
Er ist im Himmel
vor dem Angesicht seines Vaters
unser Fürsprecher.

Zweitens:
Wir haben durch unseren Bruder Jesus Christus
im Himmel die Gewissheit,
dass er als das Haupt uns, seine Glieder,
auch zu sich nehmen wird.

Drittens:
Er, sitzend zur Rechten Gottes,
sendet seinen Geist zu uns,
der uns die Kraft gibt,
zu suchen, was droben ist,
und nicht das, was auf Erden gilt.”

(Aus: Evang.-ref. Kirche/Lippische Landeskirche/Reformierter Bund [Hg.]: Heidelberger Katechismus [1563], revidierte Ausgabe, Neukirchener Verlagsgesellschaft, 4. Auflage, Neukirchen-Vluyn 1997, S. 33 – online hier verfügbar)

“Suchen, was droben ist” – welch simpel-schöne Formulierung (aus Kol 3,1f.) für das, was auch mich, intrinsisch motivierend, umtreibt.

Ich wünsche Ihnen und Dir, mir und uns die angesprochene Kraft für das weitere Suchen – und damit für die beharrliche Arbeit am eigenen Privat-Katechismus, dem eigenen Verständnis dessen, was “da oben” sein mag. Ich bleibe, um es im Tagi-Jargon zu sagen, dran.

Meinen deutschen Freunden (die Freundinnen sind für einmal explizit nicht mitgemeint), welche das Datum der Himmelfahrt Christi traditionellerweise für ein Himmelfahrtskommando namens Herrentagspartie nutzen, sei mit Nachdruck gesagt: Der Heidelberger Katechismus meint mit “Geist” etwas ganz und gar Alkoholfreies.

Sollen und Nicht-Können

By , 11/05/2012 21:54

Mittlerweile gibt es ja zu fast jedem Thema ein eigenes Nachdiplomstudium mit entsprechendem Zertifikat – nun auch, angeboten vom Zentrum für Kirchenentwicklung und der Abteilung Aus- und Weiterbildung der Zürcher Landeskirche, ein Certificate in Advanced Studies (CAS) mit dem Titel “Pfarrerin/Pfarrer-Sein als Herausforderung der Gesellschaft”.

Ohne an dieser Stelle eine Diskussion über Sinn und Unsinn dessen vom Zaun brechen zu wollen, dass heute jeder aufwendigere Weiterbildungskurs ein “Studiengang” sein muss: Bin ich der Einzige, der aus der im Titel verwendeten Formulierung nicht schlau wird? “Pfarrerin/Pfarrer-Sein als Herausforderung der Gesellschaft” – was bzw. wer soll eine Herausforderung für wen bzw. wofür sein?

Sprachlich denkbar sind etwa:
a. Pfarrerin/Pfarrer-Sein als Herausforderung für die Gesellschaft
b. Pfarrerin/Pfarrer-Sein als von der Gesellschaft an Pfarrer gestellte Herausforderung
c. Pfarrerin/Pfarrer-Sein in der Gesellschaft als Herausforderung (für Pfarrer)
Ich bin überzeugt: Der Turmerlebnis-erprobte Genitiv-Spezialist Luther hätte seine wahre Freude!

Die Informationen zum Kurs bringen schliesslich die Auflösung: Die Teilnehmer, konkret: Pfarrerinnen-slash-Pfarrer, sollen lernen, sich “auf theologisch verantwortete Weise in den gesellschaftlichen Debatten sicht- und hörbar zu machen” (mehr dazu hier). Also: nicht statisch zu verstehendes Pfarrer-Sein als, im Sinne von: gleichbedeutend mit, Herausforderung, sondern ein konkretes pfarramtliches Wirken zur (!) Herausforderung der Gesellschaft.

Dies wirft sogleich aber eine umso grössere Frage auf, nun inhaltlicher Natur: Sollte solch ein Nachdiplom-Studiengang nicht nur scheinbar, sondern tatsächlich notwendig sein – wäre dies nicht ein Armutszeugnis für unsere Kirche und die in ihr wirkenden Theologen (inkl. -nachwuchs)? “Die Gesellschaft herausfordern” ist doch seit eh und je eine der zentralen Aufgaben der verkündigenden Kirche! Ist ihr, ist uns die Fähigkeit dazu wirklich, teils zumindest, abhanden gekommen? Was ist da, ganz vorsichtig und zurückhaltend gefragt, in den vergangenen Jahren in der Ausbildung, durchaus auch an der Uni und im Privaten, schief gelaufen?

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