Category: Studium

Zu einfach

By , 07/12/2012 11:29

Letztes Wochenende besuchte ich in meiner Praktikumsgemeinde ein paar, na gut: ein Paar, Gottesdienste und ein Konzert, gewissermassen zur Akklimatisierung. (Damit meine ich nicht primär, dass ich in meinen guten alten Ordonnanzschuhen durch den Schnee stapfte.)

Einer der Gottesdienste fand abends statt. Weil die Busse ab Wolfhausen an den Wochenenden nur recht schüchtern verkehren, war ich an jenem Tag einiges zu früh in Zürich – und konnte da dafür noch etwas Kleines essen. Also bestellte ich bei meinem Lieblingsamerikaner etwas zum Mitnehmen, zahlte, nahm das Rückgeld von 2.50 Franken entgegen – und hörte von der Kassierin den Satz: “Können Sie ja gleich zwei Franken für die kranken Kinder spenden!”

Mit der flegelhaften Leichtigkeit dessen, der gerade eben eine Seminararbeit zu Barth fertiggestellt hat, erlaubte ich mir eine frivole Umkehrung von dessen wohl bekanntester Aussage, dachte mir folglich: “Ich kann, soll nicht” – und antwortete mit einem, immerhin wieder urbarthianischen, “Nein!”.

Neinso billig, so forsch kommt niemand an mein Kollektenscherflein. Advent hin, Burger-Gemeinde her.

Praxis-Portefeuille, zweiter Teil

By , 27/11/2012 09:34

Heute setze ich mein kirchliches Praxissemester fort. Nach dem Diakonie-Modul, das ich im September in einem Altersheim absolviert habe – Berichte dazu hier, hier, hier, hier, hier und hier –, und einer rund zweimonatigen Pause (wegen Dispensation von den Modulen “Wirtschaft” und “Schule”), die ich mit dem Verfassen meiner Bachelorarbeit und von ein paar Seiten einer Seminararbeit zugebracht habe, geht es nun ab heute Dienstag in der Kirchgemeinde weiter – eigentlich. Wäre ich bloss nicht so stark erkältet! [1] Sobald ich wieder gesund bin, wahrschein- und hoffentlich morgen, stosse ich aber dazu.

Das Programm dieses Praktikums wird sehr vielfältig sein – und sich in vielerlei Hinsicht, auch in Bezug auf die bedienten Miljös, von dem unterscheiden, was ich als Kirchenpfleger in einer ländlichen Gemeinde kenne. Mögen mir, um beim bewährten Bild zu bleiben…

Blättchen

…ein paar neue Blättchen wachsen.

Ich bin gespannt und freue mich!

Zur Erinnerung noch einmal der Hinweis für alle, mit denen ich im Praxissemester zu tun haben darf (auch wenn es m.E. selbstverständlich ist): Es muss sich niemand, sei es in der Kirchgemeinde oder unter den Mitpraktikanten, sorgen, dass ich in diesem Blog Vertrauliches ausplaudere oder sonstwie Heikles schreiben könnte. Natürlich lässt sich das Praxissemester in meinen Texten nicht aussparen – ich werde aber in einem allgemeinen Sinne von meinen Erfahrungen schreiben (wie ich dies z.B. auch als Kirchenpfleger tue). Und im Zweifelsfall bitte ich die betreffenden Personen vorab um ihr Einverständnis.

[1] Nein, (allein-)schuld ist bestimmt nicht das Christbaum-Schmücken! Nachdem die lieben Schülerlein am Donnerstag und Freitag durchgehend gehustet hatten, benötigte es am Samstag wohl nicht mehr viel…

Studentenfutter

By , 19/11/2012 12:53

Barth hält mich seminararbeitstechnisch gerade ziemlich schön auf htraB. So sieht sie also aus, meine theologische Existenz heute – und morgen.

Innen und aussen

By , 09/11/2012 04:36

Gestern Donnerstag, in der Zehn-Uhr-Pause: Zwei Sek-B-Schüler diskutieren darüber, wie die Bibel wohl entstanden sei und was es mit der Gottheit Jesu und den Wundern auf sich habe, und wollen auch von mir, pausenaufsichtshalber in der Nähe stehend, Einiges dazu wissen. [1] Besonders einer der beiden, ein stolzer Katholik, fällt durch seine blitzsaubere Argumentation und seine wachen Fragen auf. Dahinter muss eine durchwegs gelungene Katechese, privat und/oder institutionell, stecken. Ich bin beeindruckt.

Am Nachmittag desselben Tages, in einem Seminar an der Fakultät: Eine Studentin der Religionswissenschaft lässt verlauten, das sogenannte “christliche Menschenbild” sei nicht per se ein christliches, sondern werde auch von “normalen Menschen” geteilt. Freud hätte seine Freude, und auch wir Theologiestudenten lachen mit über die sprachliche Unaufmerksamkeit im Eifer des Gefechts.

An diesen Beispielen lässt sich zweierlei ablesen: Man kann, frei nach Watzlawick, nicht keine Haltung zur Religion und zu gläubigen Menschen haben – und bisweilen legt ein vierzehnjähriger Innenperspektivler eine grössere Differenziertheit an den Tag als jemand, der sich der beobachtenden Distanz rühmen möchte.

[1] Ich nehme an, sie sehen mich in der Rolle des Lehrers, denn ich oute mich weiterhin nicht als angehender Pfarrer. Nicht auszuschliessen allerdings, dass die Schüler mich einmal geguglt haben.

Personal-Wesen

By , 04/11/2012 17:26

Ich würde ja gerne einfach studieren und etwas Geld verdienen daneben. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist mein Beruf – und deshalb habe ich das Personalwesen vor dreieinhalb Jahren ja hinter mir gelassen.

Und jetzt?

Jetzt stehen zunächst einmal zwei Tage an, die gut ausgefüllt sind mit Probevorlesungen von Bewerbern auf den Zürcher Lehrstuhl für Systematische Theologie. Diese Vorlesungen und die jeweils daran anschliessenden Gespräche werde ich als Studentenvertreter begleiten und am Dienstagabend in der Fakultätsversammlung mitbewerten. (Genau: Nicht nur in den USA wird in der Nacht auf Mittwoch gewählt!)

Und dann: zurück zum studentischen Kerngeschäft, konkret: der ausstehenden Seminararbeit? Nein:

Schon am Mittwoch geht es weiter in der eingeschlagenen Richtung, mit Bewerbungsgesprächen in meiner Kirchgemeinde: Wir suchen eine Hauswartin, einen Hauswart für unser Oekumenisches Zentrum.

Und weil aller guten Dinge drei sind, besuche ich am Freitag mit der Klasse den Lehrlingswettbewerb

Es scheint zu gelten: einmal Personalwesen, immer Personal-Wesen.

Aber es ist und bleibt halt auch einfach, und deshalb melde ich mich auch weiterhin gerne für Aufgaben in diesem Bereich, ein interessantes Metier!

Vertrauen in den Zeiten des Cholerab

By , 29/10/2012 16:08

“Vorbeugen ist besser als heilen” – das finden bekanntlich selbst wir vertrauensseligen Kirchenleute. In den vergangenen drei Wochen galt auch bei mir höchste Sicherheitsstufe. Nicht auszudenken, das Tagewerk bzw. Untertage-Werk wäre über Nacht von der Festplatte verschwunden, oder der Laptop und der allabendlich ausgedruckte “Stand der Dinge” hätten sich bei einem Wohnungsbrand beide in Nichts aufgelöst!

Aber ich habe den Gratis-E-Mail-Account meiner Jugend ja nicht allein aus Nostalgiegründen behalten. Zur Archivierung von “hot mails” eignet er sich weiterhin bestens:

Mails oben
Mails unten

Und – ja: Wäre damals schon absehbar gewesen, dass ich davon einen Screenshot online stelle, hätte ich die Klammer im Betreff des E-Mails vom 26.10.2012, 6.45 Uhr, bestimmt, wie es sich gehört, geschlossen

Den Titel dieses Beitrags muss ich nicht erklären, oder?

In trockenen Tüchern

By , 29/10/2012 12:27

Drei Tage lang soll Jona im Bauch des Fisches gewesen sein, bevor er wieder aufs Trockene gespieen wurde. Ganze drei Wochen verbrachte ich in den Eingeweiden der Zentralbibliothek. Nun ist es bereits vollbracht: Die Bachelorarbeit, für die ich mindestens die doppelte Schreibzeit veranschlagt hatte, steht nicht nur seit heute – sie liegt mittlerweile auch schon beim Dozenten. [1]

Das war, wie man sich denken kann, eine intensive Zeit. Wer gerne ausgiebig schläft, sollte sich ebensowenig ein Vorbild an mir nehmen wie diejenigen, welche nicht eine bessere Hälfte haben, die selbst viel rackert und also das nötige Verständnis für solcherlei Übungen mitbringt.

Ich freue mich jedenfalls, diese Arbeit noch vor dem Kirchgemeinde-Modul des Praxissemesters und zudem noch einiges früher als geplant abgeschlossen zu haben; die dadurch “gewonnene” Zeit werde ich nun in eine Master-Seminararbeit investieren. Wenn ich schon im richtigen Modus bin…

[1] Ich habe mich von den Kommentatorinnen und Kommentatoren in diesem Blog davon überzeugen lassen, dass ich die weitestverbreitete Schreibweise für den “Streit um das Apostolikum”, “Apostolikumstreit” (ohne Binnen-S), verwenden sollte. Vielen Dank für Euren Gegenwind!

Credorische Streitfrage

By , 22/10/2012 12:55

Seit genau zwei Wochen schreibe ich nun im Schweisse meines Angesichts an meiner Bachelorarbeit, sechs Tage pro Woche von früh bis spät in der ZB, sonntags zu Hause – und das Zwischenergebnis kann sich, wie ich finde, sehen lassen. Schon erstaunlich, was möglich ist, wenn man sich einmal nicht ablenken lässt von dem, was an der Oberfläche geschieht (und allmorgendlich anständig behemdet die Wohnung verlässt, um sich selbst zu signalisieren: Das Ganze ist ein Job und kein Akt der Selbstverwirklichung).

Ich komme also ganz gut klar.

Aber wenn hier schon immer wieder auch Theologinnen und Theologen lesen, wäre ich dankbar, wenn ich etwas theologisches Kernwissen abzapfen dürfte: Kann mich wohl jemand von Ihnen und Euch verbindlich wissen lassen – ob es Apostolikumstreit oder Apostolikumsstreit heisst?

Ich tendiere deutlich zu letzterem, bin aber verunsichert dadurch, dass ausgerechnet die Standardlektüre zum Thema und die RGG zu einem anderen Schluss kommen.

Titelträume

By , 17/10/2012 06:40

Wenn ich mich eh schon durch die Bücher kämpfe, kann ich, dachte ich mir, gleich auch über dieselben gehen. Und so habe ich letzte Woche all meine bisher erworbenen Kreditpunkte zusammengekratzt, mir auf die Schulter geklopft – und den Antrag auf Studienabschluss eingereicht. Der Antrag steht zwar noch unter dem Vorbehalt, dass die Bachelorarbeit bis Ende des Semesters fertig ist und auch tatsächlich angenommen wird; an beidem zweifle ich nach der ersten Schreibwoche, die ebenso speditiv wie konzentriert verlief, aber nicht im Geringsten.

Schon bald also kann ich mich “Bachelor in Theologie” nennen. Werde ich aber nicht tun, denn der Titel ist in der Praxis – Kirche, Universität, ausserhalb – und in meinem eigenen Verständnis soviel wert wie fast jeder andere Bachelorabschluss auch: nichts. Und das zu Recht. Aber ich benötige das Zeugnis halt, um in ein paar Semestern den Masterabschluss zu beantragen. (Dieser zählt dann wenigstens in Kirche und Uni etwas.)

Drei gewinnt

By , 12/10/2012 06:31

Für die erste Taufe wurde ich schon vor einiger Zeit angefragt. Ich musste absagen – war und bin noch nicht so weit. Diese Woche nun die Anfrage einer ehemaligen Arbeitskollegin, ob ich wohl sie und ihren Freund trauen könne. Wieder: “noch nicht”. Irgendwann werde aber auch ich schwach, und so steht für mich fest: Der Erste, der mich wegen einer Abdankung anfragt, bekommt eine Zusage!

Panorama Theme by Themocracy