Category: Studium

Kyriosität

By , 24/04/2013 12:32

Ob ich mich über das Fischli freue, das am Handtuchspender in der, ausgerechnet, Theologischen Fakultät prangt? Ich trockne meine Hände in Unschuld und bekenne: Ja, ἰχ θύς!

Fischli

Nein, ich bekomme kein Geld vom Hersteller und Vendor des Geräts. Gerne erwähne ich deshalb, dass an unserer Fakultät, wunderbare Typenvermehrung, verschiedene Modelle zum Einsatz kommen (die, yo!, -na türlich allesamt gleich gut sind).

Hitzefrei

By , 18/04/2013 16:57

Wenn, wie heute über Mittag, niemand das Hebräisch-Tutorat besucht, das ich leite, stellt sich unweigerlich die Frage: Sind die Neo-Hebräer so gut, dass sie eine zusätzliche Doppelstunde nicht benötigen – oder bin ich so schlecht, dass…?

Als ich mich, noch darüber sinnierend, daran gemacht habe, mir für die neu gewonnene Mittagspause etwas Kleines zu essen zu kaufen, bleibe ich im sonnendurchtränkten Niederdorf hängen – und habe damit, voilà, eine weitere Antwortmöglichkeit. Die wahrscheinlichste? Das ist mir, kaum gedacht, schon wieder egal, denn ich kann in der Hitze keinen klaren Gedanken Butterbrot.

Rück und vor

By , 16/04/2013 10:07

Mit gewissen Dingen “ist es dann auch mal gut”. Dazu gehört auch der Hinweis auf meinen erstberuflichen Hintergrund. Anderseits: Wenn die Rubrik der Gemeindebeilage meiner ehemaligen Praktikumsgemeinde Zollikon zum “reformiert”, in der ich mich verewigen soll, schon “Umwege” heisst, dann bietet es sich halt doch an, im Text – einzige Vorgabe: plus/minus 1500 Zeichen – auf diese meine Vergangenheit einzugehen.

Hier nun meine Fingerübung, die in der “refo”-Nummer 6/2013 (vom 8.3.2013) erschien:

Rückwärts verstehen

Von dem dänischen Philosophen und Theologen Søren Kierkegaard ist der Satz überliefert, dass man vorwärts leben müsse, das Leben aber erst rückwärts verstehen könne. Eine, wie ich finde, zutreffende Beobachtung – auch auf meinen eigenen Werdegang bezogen:

Wenn ich mein bisheriges Leben etwas prosaisch als eine Reihe von eigenen Entscheidungen und deren Folgen anschaue, so kann ich sagen: Ich lebe vorwärts. Nach dem Studium der Publizistikwissenschaften und des Staatsrechts habe ich drei Jahre lang in der Managementberatung gearbeitet – zunächst übrigens in Zollikon. Danach habe ich mich entschieden, ein Theologiestudium anzuhängen und mich zum Pfarrer auszubilden.

Sollte ich dereinst tatsächlich ein Pfarramt antreten, so wäre dies also auf einem grösseren Umweg geschehen – genauso, wie ich interessanterweise auf einem Umweg nach Zollikon zurückgekehrt bin: wenigstens vorübergehend, für ein kirchliches Praktikum im vergangenen Semester.

Vorwärts lebend, nach vorne blickend, könnte ich nun sagen: Ich habe mein altes Leben hinter mir gelassen. Weshalb also “musste” ich überhaupt in der Wirtschaft arbeiten? Warum um Himmels willen nahm ich nicht den direkten Weg?

Aber ich verstehe rückwärts: Wenn ich zurückschaue, sehe ich, dass ich von den Erfahrungen, die ich in jenen drei intensiven Jahren machen durfte, auch heute noch profitiere und auch in Zukunft noch profitieren werde. Vom Studium direkt ins Pfarramt? Als reiner Studiosus in eine Gemeinde voller Lebenserfahrung? Nein – auf meine Kenntnis der freien Wildbahn kann und will ich nicht verzichten!

Nachdem die Erfahrung in der “freien Wildbahn” nun aber schon länger zurückliegt, als sie dauerte, will ich, dies sei abschliessend angemerkt, vorerst aufhören, rückwärts zu verstehen und mich stattdessen auf das Vorwärts-Leben konzentrieren – und nach einer dem Verfassen zweier Uni-Essays förderlichen Schreibpause auch endlich wieder darüber berichten. Versprochen!

Hoppelpause

By , 01/04/2013 10:10

So: im Anschluss an Karfreitag und Ostern eine vorlesungs- und seminarfreie Woche. Ferien? Ausruhen? Nein: Nun komme ich – nach dem teilweise kopf- und immer atemlosen Hetzen von nicht vorgesehenem Leistungsnachweis zu nicht vorgesehenem Leistungsnachweis, von Thesenpapier zu Thesenpapier, von Zusammenfassung zu Zusammenfassung – nun jedenfalls komme ich wieder einmal: zum Studieren!

(Na gut, möglicherweise ist mein Semester-Stundenplan ja doch zu ambitioniert.)

Kaisers Money, leider

By , 27/03/2013 08:07

Kopieren in der Zentralbibliothek, im Glaskubus, der die im Lesesaal Lern-, Arbeit- und Internettelnden vor dem Gerätelärm schützt. Neben mir, an einem in diesem Kopier-Terrarium stationierten Computer, füllt ein Herr seine elektronische Steuererklärung aus – und schickt Stossgebet um Stossgebet gen Himmel.

Eine etwas gar eigenwillige Interpretation des Jesus-Worts: “Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!” (Mt 22,21). Nicht?

Habemus Baccalaureum

By , 15/03/2013 13:12

Nun ist es amtlich: Ich darf mich per sofort Bachelor nennen. Auch wenn ich diesen Titel bekanntlich nicht sehr bedeutend finde und allenfalls als Zwischentitel bezeichnen würde, und auch wenn die Uni dies offenbar genauso sieht, zumal sie für die heutige Übergabe des Diploms die Schweizerische Post bemüht hat (und hier auch nur die A-Postel und nicht die Schnelleingreif-Kavallerie des Peer Einschreiben): Ein wenig stolz bin ich doch. Nicht darauf, dass ich es geschafft habe (das ist wahrlich keine Hexerei!) – sondern wie: recht gut und recht zügig trotz Tanzens auf vielen Hochzeiten. Da habe ich mir doch eine kleine Bachelor-Party verdient!

Zeichen deuten

By , 13/03/2013 12:50

Beim Vorbereiten für das Kierkegaard-Seminar las ich auch einen Aufsatz Gotthold Ephraim Lessings (“Über den Beweis des Geistes und der Kraft”, 1777), den der grosse Däne in den vorzubereitenden Textabschnitt aufgenommenen hatte. Gegen Ende heisst es da:

“Gesetzt es gäbe eine große nützliche mathematische Wahrheit, auf die der Erfinder durch einen offenbaren Trugschluß gekommen wäre: – (Wenn es dergleichen nicht gibt: so könnte es doch dergleichen geben.) – leugnete ich darum diese Wahrheit, entsagte ich darum, mich dieser Wahrheit zu bedienen, wäre ich darum ein undankbarer Lästerer des Erfinders, weil ich aus seinem anderweitigen Scharfsinne nicht beweisen wollte, es für beweislich daraus gar nicht hielt, daß der Trugschluß, durch den er auf die Wahrheit gestoßen, kein Trugschluss sein könne?”

(aus: Gotthold Ephraim Lessing, Über den Beweis des Geistes und der Kraft, in: ders.: Werke, Achter Band: Theologiekritische Schriften III / Philosophische Schriften, München: Carl Hanser Verlag 1979, S. 9-14, S. 14)

Was ich las? Nun: “Gesetzt, es gäbe eine grosse nützliche mathematische Wahrheit, auf die der Erfinder durch einen offenbaren Trugschluss gekommen wäre” – und jetzt stockte mir der Atem (noch bevor die Gefahr bestand, dass mich die Länge des Satzes aus der Puste bringt): Hatte Lessing hier der unschönen Vorstellung eines “offenbaren Trugschlusses” tatsächlich piktographisch Nachdruck verliehen?!

; – )

Noch ‘n Apple und ‘n i

By , 08/03/2013 12:48

Wer weiss, dass ich mich lieber in die Schlange vor dem SBB-Schalter einreihe, anstatt meine Fahrkarten an einem Touchscreen-Billettautomaten anzufordern, wird meine Begeisterung für die be-tastatur-ten Handys der Marke Blackberry nachvollziehen (wenn vielleicht auch nicht zwingend teilen) können. Gut zweieinhalb Jahre war ich denn auch recht glücklich mit meiner elektronischen Schwarz- bzw. Brombeere, die ich liebevoll Chuck nannte. [1] Leider aber häuften sich in letzter Zeit die technischen Probleme mit dem Gerät, weshalb ich mich notgedrungen erneut auf dem Handy- bzw. Smartphone-Markt umsah. Die Frage war: “Chuck II” – oder nun doch eine der tastaturlosen Volldisplay-Kacheln?

Kurz und knapp: letzteres. Mehr noch: Hatte ich mir im vergangenen Sommer entgegen früherer Aussagen (“nie einen Mac!”) bereits einen Laptop aus dem Hause Apple zugelegt (“das MacBook ist ja so wunderbar leicht!”), kaufte ich mir gestern ausgerechnet ein, eben: tastaturloses, also volldisplaygekacheltes, iPhone. Wenn das eine Prinzip schon über den Jordan ist… Ich Taste, pardon: taste, mich gerade an das neue Gerät heran. (Angenommen wissen darf es sich aber erst, wenn auch es von mir einen Namen bekommen hat.)

Und so – es folgt die Moral der Geschichte – stehen MacBook und iPhone nun in zweierlei Hinsicht als laute (aber immerhin formvollendete), durchaus auch theologisch wertvolle Ausrufezeichen in meinem Leben: Zum einen erinnern sie mich mit ihrem fruchtigen Logo täglich, stünd-lich!, an die Sündhaftigkeit meiner selbst – zum anderen sind sie ein unmissverständlicher, materieller Beleg dafür, dass dogmatische und “dogmatische” Sätze, seien sie noch so absolut gesetzt, üblicherweise nur von vorläufiger Gültigkeit sind.

Eines allerdings gilt unumstösslich: Ich bleibe beim iPhone 4S. Nie würde ich mir ein Smartphone von der Grösse des Fünfer-Modells zulegen. Nie!

Fortsetzung dürfte folgen.

[1] Dazu inspiriert haben mich die Macher der grossartigen Krankenhaus-Comedy/Drama-Serie “Scrubs”, die in Staffel 4, Folge 22 der Figur Dr. Cox die folgenden Worte an eine jugendliche Patientin in den Mund legten: “If this continues, you will be dead… and I’m not talking about the ‘oh my God, if I don’t get invited to the prom I’m going to die’ type of dead, I’m talking: ‘dead dead’. Is that clear enough for you? Because if it’s not I could of course text you on my Blackberry, or my Blueberry or my Chuck Berry, although technically Chuck Berry is a black berry.”

Gemischtes Doppel

By , 06/03/2013 20:12

Heute merkte der Dozent eines neutestamentlichen Seminars an, ich würde “wie Ratzinger” argumentieren, und in einem anderen Seminar haben wir uns einander Bälle zuwerfend kennengelernt (oder: uns einander kennenlernend Bälle zugeworfen).

Zwei verschiedene Erlebnisse mit ebenso verschiedenen Reaktionen meinerseits: Das eine hat mich zunächst etwas irritiert – mit dem Vergleich aber kann ich leben.

Ohne Netz und losen Boden

By , 01/03/2013 12:59

Falls Sie mich vermisst haben: Nein – ich bin nicht in eine Sommerresidenz entschwebt. Der Grund für die ungewohnte Blog-Pause ist ein ganz anderer: ein weitgehend voller Uni-Stundenplan. Hinter mir liegen zwei sehr intensive Wochen, vor mir dreizehn weitere ebensolche. Sechs Seminare, drei Vorlesungen, eine Übung, ab nächstem Montag noch die Leitung eines Tutorats – wenn man sich da seriös vorbereiten möchte…

Den effizientesten Arbeitstag erlebte ich übrigens am vergangenen Sonntag (bei mir a.k.a. “Tag des Lern”): Als der Computer meiner besseren Hälfte von einem auf den anderen Moment den Geist aufgegeben hatte, stellte ich ihr, barmherziger Samariter, der ich bin, mein Gerät zur Verfügung. Darauf blieb mir gar nichts anderes übrig, als internetlos und damit ablenkungsfrei zu lesen, zu lesen, zu lesen. Kant, Kierkegaard und Komplizen waren umzingelt! Mir wäre sogar noch Zeit geblieben, einen Blog-Eintrag zu schreiben. Aber ich hatte ja keinen Computer.

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