Category: Schule

Es geht weiher

By , 09/02/2012 16:32

Und wieder einmal neigen sich Semesterferien dem Ende zu. Ferien im Sinne mehrerer arbeitsfreier Tage, womöglich fern von zu Hause, gab es allerdings keine, lediglich andere Arbeitsbedingungen (die ich sehr schätze): keinerlei erzwungene Präsenz an der Uni, stattdessen oft in den eigenen vier Wänden – nicht weniger Aufgaben, dafür die Möglichkeit, diese im eigenen Rhythmus zu erledigen.

Dieser Rhythmus muss dieses Mal allerdings ein sonderbarer gewesen sein. Jedenfalls habe ich in der vorlesungsfreien Zeit längst nicht so viel erreicht, wie ich mir vorgenommen hatte. Wegen mehrwöchigen Vollzeit-Unterrichtens und anderer Verpflichtungen konnte ich lediglich eine einzige Proseminararbeit abhaken (immerhin sehr erfolgreich). Zwei Seminararbeiten, eine zu Barth, eine zu Amos, stehen, ich kann mir den billigen Kalauer bei dieser Themenkonstellation nicht verkneifen: “beim Barthe des Propheten!”, noch aus – unrühmliche Nachwirkungen des vergangenen Jahres, in dem das kirchliche Engagement viel Zeit (und Kopf) beanspruchte und ich mich gezwungen sah, manches Universitäre auf die lange Bank zu schieben.

So werde ich den Semester für Semester erneuerten Vorsatz, meinen Uni-Stundenplan nicht zu überladen, zum ersten Mal einhalten müssen, wenn ich diese Pendenzen abtragen möchte. Erst im Anschluss daran kann ich Neues in Angriff nehmen. Auch wenn mein Umgang mit Vorsätzen bekanntlicherweise von Nachlässigkeit geprägt ist: Ich bin, da unter einem gewissen Druck stehend, zuversichtlich, dass es dieses eine Mal klappt. In gut einem Jahr, im Frühling/Sommer 2013, hätte ich dann, mehr oder weniger programmgemäss, mein Grundstudium hinter mir.

Nun denn: Jetzt diese letzte Vollzeit-Vertretungs-Schulwoche noch anständig zu Ende bringen, nächste Woche einige private und kirchliche Pendenzen abarbeiten, dann tief Luft holen – und zurück in den Alltag im kleinen, warmen Tümpel namens Uni.

Knocked out

By , 30/01/2012 06:22

Mitte November hatte ich hier angeregt, dass wir Reformierten unsere Scheu vor Wundern ablegen sollten. Das gilt ganz gewiss und erst recht für einen Eher-Kopfmenschen wie mich.

Und – was soll ich sagen? Seit einem denkwürdigen Erlebnis beim Unterrichten habe ich den Eindruck, auf dem Weg der Besserung zu sein. Das war so: Als ich kürzlich nach einem schwierigen Schulmorgen drei Schüler des Zimmers verweisen und mit Zusatzaufgaben beladen wollte (muss manchmal sein), genauer: just in dem Moment, in dem ich den Mund öffnete, um den Säumigen ebendiese Sanktionen mitzuteilen, klopfte es an der Tür. Eine Schülerin der Nachbar-Klasse wünschte, ihre Kolleginnen und Kollegen um Unterstützung für ihre Projektarbeit anfragen zu dürfen. So aus dem Konzept gebracht, beschloss ich noch während der kurzen Unterbrechung, von den Sanktionen abzusehen. Das Timing war einfach zu perfekt!

Allerdings konnte ich es mir nach dem Mittagessen nicht verkneifen, die betreffenden Schüler beiseite zu nehmen und sie wissen zu lassen, was sich zugetragen hatte. Einer von ihnen, ich darf sagen: nicht der Leiseste, meinte strahlend: “Dann war das ja ein Wunder!” Zurückhaltend mit solcherlei Äusserungen in der Schule, wollte ich dies nicht bestätigen – aber ich nahm mir doch die Freiheit, nicht zu widersprechen.

Der Nachmittag verlief dann übrigens so ruhig wie selten.

In eigener Sache: “Reformierte Presse” berichtet

By , 16/12/2011 09:09

Die Wochenzeitung “Reformierte Presse” stellt in ihrer Rubrik “Wendepunkt” wöchentlich eine Person aus dem theologischen oder kirchlichen Bereich vor. In der aktuellen, heute erschienenen Ausgabe (Nr. 50, 16.12.2011) befindet sich nun ein Portrait über mich. Den Text, verfasst von Herbert Pachmann, finden Sie auf der Rückseite der Zeitung – und, dank freundlicher Genehmigung durch den Verlag, auch hier:

Unterschiedliche Rollen als Herausforderung

Reto Studer aus Wolfhausen ZH ist auf Umwegen zum Theologiestudenten geworden

Bei gewichtigen Entscheiden habe ich bislang immer meinem Bauchgefühl vertraut. Damit bin ich ganz gut gefahren. Dies war schon so, als ich nach meinem Studienabschluss in Publizistik und Staatsrecht eine Stelle im Headhunting antrat. Drei Jahre lang war ich in diesem Bereich tätig. Das konzeptionelle Arbeiten in einem anspruchsvollen Umfeld, aber auch die anregenden Gespräche mit den Kandidaten habe ich sehr geschätzt. Es hätte gut so weitergehen können. Auf der anderen Seite wurden mehr und mehr auch Glaubensfragen in mir laut, denen ich unbedingt intensiver nachgehen wollte. Kirchlich eher lau sozialisiert, überlegte ich mir jetzt, ein Theologiestudium anzuhängen.

Mit 28 gab ich mir ein Jahr Bedenkzeit. Ich arbeitete weiter, belegte daneben aber den Hebräischkurs, den auch die Theologiestudenten zu besuchen haben. So konnte ich mir ein Bild vom Studium machen, ohne mich vorschnell für eine Zäsur zu entscheiden. Auf den Bauch hören heisst ja nicht, den Verstand auszuschalten.

2009 habe ich mich dann für das Theologiestudium eingeschrieben. Bereut habe ich das nie, auch wenn mein Lebensstil nun wieder ein anderer ist. Das Privileg, noch einmal studieren zu dürfen, wiegt das locker auf. Um meinen Unterhalt zu finanzieren, unterrichte ich an der Oberstufe, zudem bin ich Tutor an der Fakultät. Dank eines Darlehens der Eltern komme ich dann über die Runden.

Die Uni gibt mir ein solides theologisches Fundament. Daneben suche ich aber auch die kirchliche Erfahrung: Ich bin in Bubikon, passend zu meiner beruflichen Vergangenheit, Personalverantwortlicher der Kirchenpflege. Wenn es die Zeit zulässt, helfe ich auch gerne als Lektor oder im Unti aus. Theologie ohne Kirche oder Kirche ohne Theologie – das kann ich mir für mich nicht vorstellen. Mit Themen aus diesen Bereichen beschäftige ich mich auch in einem kleinen Blog (www.retostuder.ch). Das Schreiben zwingt mich, meine Ideen und Argumente besser zu durchdenken. Aber ich hoffe natürlich auch, dass die Texte gelesen werden.

Manchmal werde ich gefragt, wie ich alle diese Aktivitäten unter einen Hut bringe. Ich bin sicher gut strukturiert. Vor allem aber trenne ich Berufliches und Privates kaum: Wenn mich etwas interessiert, engagiere ich mich dort eben auch. So sind die Grenzen zwischen Pflicht und Musse fliessend. Ausserdem kann ich beim Musikhören bestens auftanken.

Die eigentliche Herausforderung ist eher das Wechseln zwischen den verschiedenen Rollen: Student, Vorgesetzter als Kirchenpfleger, Lehrer von Jugendlichen, Kommunikator beim Bloggen. Meistens klappt das ganz gut. Das Engagement an verschiedenen Orten ist sicher keine schlechte Vorbereitung auf eine Arbeit im kirchlichen Bereich, beispielsweise auf das Pfarramt. Die Praktika im nächsten Jahr werden zeigen, ob das Pfarrersein in Frage kommen kann.

(Erschienen in: “Reformierte Presse”, Nr. 50, 16.12.2011, S. 16; Autor: Herbert Pachmann)

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