Credorische Streitfrage

By , 22/10/2012 12:55

Seit genau zwei Wochen schreibe ich nun im Schweisse meines Angesichts an meiner Bachelorarbeit, sechs Tage pro Woche von früh bis spät in der ZB, sonntags zu Hause – und das Zwischenergebnis kann sich, wie ich finde, sehen lassen. Schon erstaunlich, was möglich ist, wenn man sich einmal nicht ablenken lässt von dem, was an der Oberfläche geschieht (und allmorgendlich anständig behemdet die Wohnung verlässt, um sich selbst zu signalisieren: Das Ganze ist ein Job und kein Akt der Selbstverwirklichung).

Ich komme also ganz gut klar.

Aber wenn hier schon immer wieder auch Theologinnen und Theologen lesen, wäre ich dankbar, wenn ich etwas theologisches Kernwissen abzapfen dürfte: Kann mich wohl jemand von Ihnen und Euch verbindlich wissen lassen – ob es Apostolikumstreit oder Apostolikumsstreit heisst?

Ich tendiere deutlich zu letzterem, bin aber verunsichert dadurch, dass ausgerechnet die Standardlektüre zum Thema und die RGG zu einem anderen Schluss kommen.

8 Responses to “Credorische Streitfrage”

  1. David Jäggi says:

    Das EKL schreibt ebenfalls Apostolikumstreit. Ebenso das “Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichte” von UTB. Da auch RGG und TVZ zu einer anderen als deiner subjektiv geoffenbarten Tendenz tendieren, tendiere ich dazu, die Lösung mit einem S zu bevorzugen… 😉

  2. David Jäggi says:

    Auch wenn es falsch ist, dann mindestens um die offensichtlich durchgängige Tradition weiterzuführen und nicht zu unterbrechen…

  3. Christina Aus der Au says:

    Heussi sagt auch “ein s” 🙂

    Es war ja nicht der Streit *des* Apostolikums, sondern der Streit *ums* Apostolikum … so mein Versuch der Erklärung.

  4. Giorgio Girardet says:

    Ich tendiere dazu, der RGG recht zu geben. Denn wir laufen Gefahr bald ins Stadtstheater und ins Opernshaus zu gehen. Die deutsche Sprache gibt uns ja die unglaubliche Möglichkeit, zwei Wörter aneinanderzupappen. Ab und an wird ein “Fugen-S” dazwischen gesetzt, was aber eben kein Genetiv-S sein soll. Denn wenn man bei Apostolikumsstreit “Genitiv” versteht, dann bricht wie immer in solchen Fällen der Streit los, ob es nun ein Genitivus objektivus oder subjektivus sein soll. Dann verstehe ich Bahnhof. Ich fürchte aber, dass Reto von der rhetorischen Durchschlagskraft die dem theologisierenden Ordnungshüter anhaftet erschlagen, sich für das “S” entscheiden wird. Und da mein Haar schon grau wird und das heute nichts mehr zählt, füge ich mich in das Schicksal “tempora mutantur et nos mutamur in illis” (Was keine Anspielung auf Kirchenpflegepräsidenten sein soll). Der Duden hat auch schon “Berta’s Hot-Dog-Stand” akzeptiert, er wird auch den Apostoliksstreit (mit SS) schlucken. Er hat einen guten Magen.

    • Christina Aus der Au says:

      ok, kein Genitiv – aber wozu bräuchte es ein Fugen-S, wenn es schon ein s hat?

  5. David Jäggi says:

    Nun, grundsätzlich kann in einer wissenschaftlichen Arbeit alles geschrieben werden. Auch ein Streit mit “Fugen-S”. Schliesslich muss es nur nachvollziehbar begründet werden. Etwa folgendermassen (in Fussnote 201): “Nachdem sich der Verfasser vorliegender Konzeption nächtelang Gedanken machte, ob er den Streit um das Apostolikum mit oder ohne “Fugen-S” schreiben solle, tendiert er entgegen sämtlicher wissenschaftlicher Literatur dazu, das fragliche S zu verwenden, und zwar aus folgenden Gründen: 1…; 2…; 3…”
    Allenfalls sämtliche Literatur aufführen, welche den besagten Streit ohne S aufführt, verlängert das Literaturverzeichnis und macht somit einen guten Eindruck… 😉

  6. Reto Studer says:

    Liebe Christina, lieber David und lieber Giorgio

    Wie Ihr diesem späteren Beitrag entnehmen könnt…

    http://www.retostuder.ch/2012/10/29/in-trockenen-tuechern/

    …habe ich mich von Euch belehren lassen und also “Apostolikumstreit” ohne Fugen-S geschrieben. Sprachlich bin ich immer noch nicht ganz überzeugt – aber zumindest das Argument, dass ich mich den Lexika und dem Standardwerk zum Thema anschliessen sollte, schien mir durchaus sinnvoll.

    Leicht habe ich es mir dabei nicht gemacht: Immerhin kommt das Wort in meiner Arbeit 58-mal vor! (Sollte ich mich falsch entschieden haben, so würde ich stark für “Folgefehler” plädieren…)

    Herzliche Grüsse,
    Reto

    • Reto Studer says:

      Nachtrag: Die Bachelorarbeit wurde diese Woche angenommen. Im Gutachten ist durchgehend vom “Apostolikumstreit” die Rede – bis auf eine (1) Ausnahme, die das Fugen-S Gassi führt. So klar ist die Sache offenbar auch für Lehrstuhlinhaber nicht! 😉

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