Bankauszug aus Ägypten

By , 24/09/2012 06:25

Als Theologiestudent in der kirchlichen Ausbildung zum Pfarrer stünde es mir schlecht an, diakonisches Engagement abzulehnen. Ich meine es aber doch ehrlich, wenn ich schreibe: Diakonie, der Dienst am Menschen, ist eine gute Sache! [1]

Auf jeden der allseits bekannten (Spam-)Geldüberweisungshilferufe aus Nigeria oder, wie im Folgenden geschildert, Ägypten kann ich jedoch beim besten Willen nicht eingehen. Das heisst: Ich gehe manchmal schon darauf ein – aber nur zum Schein und zum Spass. Meinem eigenen Spass, muss ich hinzufügen.

Hier ein schönes Beispiel: Lesen Sie sich zunächst einmal (quer!) durch, was ein gewisser Herr Paul mir schrieb, vorgebend, die ehemalige ägyptische Präsidenten-Familie Mubarak anwaltlich zu vertreten: [2]

Dear Sir,
We write this mail with the concept of my Client Former First Lady Suzanne Mubarak the first wife Hosni Mubarak. it is my intention and willingness of my client to contact you by Telephone but due to High security Network Placed on the Family of My Client will not allow my Client to Phone you but he Gives an express authority to contact you and finalized this project .
Mr. Hosni Mubarak Deposited some money valued US$10.7 million in Security Company Dubai to his wife but the Opposition in Egypt have come up to Stampede on the fund owned by the Mubarak Families .
My chief executives advised our clients to look for reliable person, company that can accomodate the above money pending the time tension will come to down in the land of Egypt . You are expected to invest with the above money immediately you claim the Money from the Security Company. Our Law firm will be supervising on the project you invested with the above money pending the time our Client will be able to travel outside the country and controls her investment.
If you are ready to comply and keep the entire transaction secret and confidential , I shall Give you in my next reply , The certificate of deposit of the Fund in Dubai to enable you travel down to Dubai and claim the fund accordingly and I will Furnish you with the Information of the Finance & security Company in Dubai.
You are advise to send to me the following info: Full Name & address, Your Photocopy of your International Passport or driving License for identification purposes in Dubai or your account details to enable the finance Company transfer the Fund into your account .
Your Urgent Reply is Awaited
Barrister John M.Paul

Jeder vernünftige Mensch, dem seine Lebenszeit etwas wert ist, und dabei dürfte es sich um die grosse Mehrheit handeln, würde diese E-Mail löschen, und “gut ist”. Ich aber, unvernünftig (und mit Freude am gepflegten Nonsense), antwortete umgehend, ich sei gerne bereit, den Mubaraks zu helfen – ob dabei wohl auch etwas für mich herausspringe? Und tatsächlich:

We have set aside 25% compensation for your assistance toward this.
Awaits your urgent reply.
Warm regard,
John Paul

Da ich, ehrlich gesagt, nicht mit einer Antwort gerechnet hatte, wollte ich gleich noch etwas weiterstochern. Schöner Nebeneffekt: Je mehr Zeit diese Spam-Verbrecher mit dem Tippen von E-Mails verbringen, desto weniger Zeit bleibt ihnen für ihr schändliches Handwerk – und damit für Sie! Also fragte ich weiter, den Hilfsbereiten mimend, der lediglich auf Nummer sicher gehen will: Woher der “liebe John” denn meine E-Mail-Adresse habe? Nun:

Sir,
Having gotten your particulars from the family’s library, I have no doubt about your capacity and goodwill to assist me in receiving these funds into your custody (for safety) the sum of US$10.7M willed and deposited in my favor by Husband.
Warm Regrad
JP.

Mit einer derart allgemeinen Aussage wollte ich mich nicht abspeisen lassen. Nun setzte ich, die Möglichkeit einer kleinen Schlusspointe ahnend, zur finalen Frage an: Ob er meine Kontaktdaten denn von einer ganz bestimmten Person, deren Namen ich gleich mitnannte, habe? Dies bestätigte er umgehend:

Sidi Abd-El-Assar yes

Eher nicht. Aber immerhin habe ich gut gelacht.

Ihr Einverständnis vorausgesetzt, werde ich auch in Zukunft hin und wieder einen Spammer mit Nonsense eindecken, der dessen Anfragen ebenbürtig ist: als Dienst an Ihnen, die Sie solcher “Hilferufe” sicher auch überdrüssig sind. So bleibt Ihnen mehr Zeit für das Wesentliche im Leben – die Sie dann allerdings, wenn ich es recht bedenke, wieder verlieren, wenn Sie solcherlei Blogeinträge lesen…

[1] Siehe auch den Tenor der letzten Beiträge.
[2] Rechtschreib- und Grammatikfehler dürfen Sie behalten. Es hat genug für alle!

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