Ein blaues Wunder

By , 06/05/2012 14:41

Heute, direkt vor dem Gottesdienst: Als ich meinen schönen, dunkelblauen Veston öffne, um es mir auf der Bank gemütlich zu machen, löst sich der untere der beiden Knöpfe. Nach dem Gottesdienst (mit Predigt zum Thema “Gotteslob wirkt Wunder”), zu Hause, fällt beim Ablegen des, durchaus nicht ganz günstigen, Jacketts dann gleich auch noch der zweite Knopf ab.

Wie gross ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass Derartiges geschieht? Keine Frage: Das muss, besonders in Anbetracht des Predigtthemas, ein Wunder sein! Nicht für mich, nein – aber für die Schneiderin, die nun einen Doppelauftrag erhält. Ist halt immer eine Frage der Perspektive.

5 Responses to “Ein blaues Wunder”

  1. Hans Hänni says:

    Lieber Reto
    Da die beiden Knöpfe von derselben Person (oder demselben Roboter?) mit demselben Fadenmaterial auf dieselbe Weise angenäht wurden und du sie wohl ähnlich oft ein- und ausgeknöpft hast, sind die beiden Ereignisse eben nicht unabhängig. Die Wahrscheinlichkeit, dass gleich beide Knöpfe innert kurzer Zeit abfallen, ist darum nicht das Quadrat der einen sondern viel grösser, d.h. fast eins.
    Es wäre daher wohl eher als Wunder zu bezeichnen, wenn der zweite Knopf noch während längerer Zeit am Veston verblieben wäre. Aber dies ist nur die Sicht des Naturwissenschafters. Ob die Predigt da einen Einfluss hatte, müsst ihr Theologen unter euch ausmachen.
    Dieses Problem ist übrigens zum Beispiel in der Fliegerei von Tragweite: Wenn eines von zwei Triebwerken ausfällt, steigt die Wahrscheinlichkeit eines zweiten Ausfalls ggf. sehr stark an, da unter Umständen eine gemeinsame Ursache wie z.B. ein Vogelschwarm, eine Aschewolke eines Vulkans oder eine Treibstoffpanne etc. vorliegen kann.

    Herzliche Grüsse Hans

  2. Bernd Berger says:

    Es ist eben doch empfehlenswert bei der Naturwissenschaft nachzufragen, bevor wir uns zu sehr wundern. Aber wunderbar ist es natürlich , wenn eine Predigt und zwei Knöpfe uns zum Nachdenken bringen.

    Herzliche Grüsse Bernd

  3. Reto Studer says:

    Lieber Hans, lieber Bernd

    Gute Gedanken. Aber machen wir es uns da nicht zu einfach?

    Der sich gut kleiden wollende Mann von heute weiss doch, dass der unterste Veston-Knopf i.d.R. nicht geschlossen wird. Die Prämisse, lieber Hans, auf der Deine Abhandlung aufbaut, nämlich: dass ich beide Knöpfe “wohl ähnlich ähnlich oft ein- und ausgeknöpft” hätte, ist jedenfalls eine unzulässige Vereinfachung und entspricht nicht der Praxis: Der untere Knopf kam höchstens halb so oft zum Zuge wie der obere – und doch war es er, der sich zuerst löste (wenn auch nur zwei Stunden früher).

    Nun könnte man natürlich einwenden, dass es ja möglich wäre, dass die Herrenausstatter die unterschiedliche Inanspruchnahme der Knöpfe bei der Produktion ihrer Ware berücksichtigten und den häufiger genutzten Knopf besser (in meinem Fall: doppelt so gut) befestigten: So könnten sie, aus sozialen Motiven?, ein annäherend gleichzeitiges Abfallen der Knöpfe sicherstellen und die Reparaturmassnahmen auf einen (1) (Doppel-)Anlass beschränken. Aber im Ernst: Das kann ich nicht so recht glauben. Und sollte es doch zutreffen, so wäre solcherlei Mitdenken erst recht ein Wunder – womit wir wieder am Anfang stehen.

    Nein, ich bleibe vorerst bei meiner Einschätzung: Wir haben es hier mit einem veritablen Wunder zu tun – für die Schneiderin, die nun auf einen Chlapf zwei Knöpfe wird annähen können. Selbstverständlich bin ich, naturwissenschaftlicher Erkenntnis gegenüber nicht verschlossen, gerne bereit, weitere rationale Erklärungsversuche zu prüfen und meine Meinung im Falle schlagkräftiger Gegenargumente zu revidieren.

    Herzliche Grüsse,
    Reto

    • Hans Hänni says:

      Lieber Reto
      Ich gebe mich geschlagen, muss aber festhalten, dass mir nicht ganz unbekannt war, dass der obere Knopf (oder bei dreien der mittlere) weit mehr (oder ausschliesslich) zum Zuge kommt. Ich hätte mir aber vorstellen können, dass du öfters beide einköpfst, im Sinne eines Smokings. Es ist indessen wie du andeutest, nicht ganz unmöglich, dass der untere Knopf wirklich mit Absicht schlechter angenäht wurde. Um dies zu klären, müsste man wohl deine Schneiderin fragen. Weder Theologie noch Physik können diese wundersame Frage beantworten. Aber zum Glück haben wir ja noch andere Sorgen…

      Herzliche Grüsse
      Hans

  4. Andi Bosshard says:

    Ist es wohl ein Zufall, dass sich dieses Wunder nur wenige Wochen nach Ostern eingestellt hat?
    Vielleicht haben der gute Osterbraten bei Mama und der Verzehr der geschenkten Schoggihasen etwas mitgeholfen? (Nicht das man dir etwas ansehen würde, lieber Reto!)

    Ökonomisch wirkt sich das Wunder aber auch positiv für dich aus. Für den zweiten Knopf kannst du bestimmt einen Rabatt herausschlagen.

    Liebe Grüsse
    Andi

    ps: Schön, dass Predigten zum Nachdenken und “sich wundern” anregen 🙂

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