Haarscharf daneben

By , 13/02/2012 16:08

Ich bin eine treue Seele. Als meine Coiffeuse die Stelle wechselte, folgte ich ihr in den neuen Salon. Sie bekam meinen beruflichen Umbruch mit, ich begleitete sie, während sie ihres Amtes waltete und meine Haare in Ordnung brachte, seelsorgerlich durch ihre privaten Höhen und Tiefen: das sich lange hinstreckende Einwanderungsprozedere für ihren Freund, die Hochzeitsvorbereitungen – und, bald darauf, die Scheidung. Nun, da sie eine Stelle im Verkauf sucht, trennen sich unsere Wege: Diesen Schritt kann ich beim besten Willen nicht mitgehen, denn ich will meine Haare auch in Zukunft geschnitten haben.

Also habe ich heute einer neuen Coiffeuse eine Chance gegeben. Ich setze mich also auf den Sessel, und schon bald beginnt, während Strähne um Strähne zu Boden fällt, ein lockeres Gespräch über dies und das: wie das Geschäft zu Ferienzeiten laufe, wo man zu Hause sei, was ich beruflich mache. Theologie? Was das sei? Ich, darauf vorbereitet, erkläre es kurz und nenne, um ihr einen Anhaltspunkt zu geben, auch mein Ziel, vielleicht einmal als Pfarrer tätig zu sein. “Pfarrer? Also, dann kannst Du auch vom Teufel Besessene…?” Nun ist sie hellwach.

Nicht lange: Mein Nein macht aus Interesse wieder Gleichgültigkeit. Ich erkläre zwar noch, wie sie sich meinen theologischen Alltag vorzustellen hat: Texte übersetzen und auslegen, die Kirchengeschichte kennenlernen, den grossen Lebens- und Glaubensfragen nachgehen – aber was ist das schon gegen einen richtigen Exorzismus?

Leave a Reply

Panorama Theme by Themocracy